
INTERNATIONALE PRESSEKONFERENZ

"Volkskrankheit Bakterielle Vaginose"
Donnerstag, 19.3.2009
Programm:
"Bakterielle Vaginose - Charakteristik & Häufigkeit" Dr. Michael Elnekheli, Vorsitzender des Berufsverbandes Österr. GynäkologInnen, Wien
"Infektion und Fruchtbarkeit"
"Infektion als Geburtsrisiko"
"Aktuelle Behandlungsoptionen Univ. Doz. Dr. Horst Steiner, Stv. Vorst. d Frauenklinik d. Paracelsus Privatuniversität Salzburg
"Vorbeugen oder Behandeln?"
Univ. Doz Dr. Ioannis Mylonas, München_________________________________________________________________________________________________________
DIE KOMPLETTEN UNTERLAGEN
FOTOS DER REFERENTiNNEN UND
ILLUSTRATIONSFOTOS JEDERZEIT VERFÜGBAR
Texte nachfolgend

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“Bakterielle Vaginose – Charakteristik und Häufigkeit”
Der Terminus „Bakterielle Vaginose“ ist eigentlich eine „junge“ Bezeichnung. Sie wurde 1982 anlässlich der „1. Internationale Konferenz über Vaginosis“ in Kristiansand/Norwegen definiert und 1984 bei einem WHO-Workshop bestätigt. Davor wurde für dasselbe Krankheitsbild der Begriff Aminkolpitis oder einfach Kolpitis verwendet. Tatsächlich ist es so, das „Bakterielle Vaginose“ (BV) das Vorhandensein einer bakteriellen Infektion suggeriert. Es handelt sich allerdings primär eigentlich um keine Infektion im klassischen Sinn, sondern um ein Kippen des vaginalen Ökosystems im Sinne eines Überwucherns (107/ml)von Gardnerella-Bakterien um etwa das Hundertfache, die aber auch in der gesunden Scheide vorkommen können – allerdings in wesentlich geringerer (105/ml)Zahl.
Gleichzeitig kommt es zu einer starken Abnahme der Laktobazillen (Milchsäurebildner), die zu ihrem Überleben ein saures Scheidenmilieu benötigen. Sie „ernähren“ sich von Glykogen, dessen Verfügbarkeit hormonellen Einflüssen (Östrogen) unterliegt. Ihre wesentliche Funktion ist die kontrollierte Freisetzung von Wasserstoffperoxid (H2O2). Eine Substanz, die in der Desinfektion Verwendung findet. Laktobazillen sind somit, bildlich gesprochen, die „Gesundheitspolizei“ der Scheide.
In der gesunden Scheide findet sich eine gemischte Bakterienpopulation, die von den Laktobazillen stark dominiert wird. Das Verhältnis anaerober zu aeroben (benötigen zum Überleben Sauerstoff) Keime beträgt 2:1 – 5:1. Daraus resultiert ein Scheidenmilieu mit einem pH 3,8 – 4,2. Kommt es nun zu einer pH-Verschiebung Richtung basisch (über pH 4,5) kippt dieses bakterielle Ökosystem völlig: Laktobazillen verschwinden nahezu. Damit geht der Peroxid-Schutz verloren und es kommt zu einem dramatischen Überwuchern anarober Bakterien zu Aerobiern im Verhältnis bis zu 1000:1. In der Folge können sich zusätzlich verschiedenartige bakterielle Infektionen entwickeln.
Hinsichtlich der Hintergründe gibt es mit Sicherheit nicht die EINE Ursache. Neuere Studien belegen einen Zusammenhang mit erhöhten Interleukin-1-ß-Werten (Romero 2004). Psychosozialer Stress ist ein signifikanter Risikofaktor und verdoppelt die Häufigkeit der BV. Grundsätzlich können alle Faktoren, die zu einer pH-Verschiebung in der Scheide führen, eine BV verursachen: häufiger Geschlechtsverkehr, längere Monatsblutung, hormonelle Schwankungen mit Verminderung der Gykogenverfügbarkeit, Vaginalduschen, Sexualpraktiken mit intravaginaler Manipulation, systemische oder auch lokale Antibiotikabehandlung mit undifferenzierter Bakterieneradikation. Weiters werden Alkohol und Nikotin als Risikofaktoren genannt.
Dennoch ist es aber so, dass die Anfälligkeit der einzelnen Frau sehr unterschiedlich ist. Manche Frauen erleben nie eine BV, andere Neigen sogar zu Chronifizierung. Die Studien zur Häufigkeit sind sehr unterschiedlich. Konzentriert man sich auf die Frauen im gebärfähigen Alter, so betrifft das Problem lt. Statistik Austria potentiell rund 2 Mio. Frauen. Die Angaben zur Lebenszeitprävalenz reichen von 20% - 50% (inkl. der Dunkelziffer asymptomatischer Fälle), also von 400.000 – 1. Mio. Frauen, die ein oder mehrmals im Leben eine BV erleben. In jedem Falle eine hohe Zahl.
Trotz dieser enormen Zahl an Betroffenen ist die Pilzinfektion, die nur halb so häufig ist, bei den Frauen wesentlich „populärer“, sodass 66% der Frauen in einer Studie bei Selbsteischätzung falsch lagen. Wahrscheinlich deshalb, weil vor 25 Jahren das Verhältnis in etwa umgekehrt lag. Nur in 50% der Fälle kommt es bei der BV zu klinischen Symptomen wie weißlichem Ausfluss, fischartigem Geruch, Jucken, Brennen oder schmerzhaftem Geschlechtsverkehr. Die Diagnostik stützt sich auf den Nachweis der pH-Verschiebung, den charakteristischen Ausfluss, den Amin-Test (Whiff-Test) sowie den mikroskopischen Nachweis von Schlüsselzellen (Clue-cells). Aufgrund der dramatischen potentiellen Folgen der BV wie Kinderlosigkeit und Frühgeburt, sollte diesem Erkrankungsbild wesentlich mehr Beachtung geschenkt werden.
Dr. Michael Elnekheli
FA f. Gynäkologie
Präsident des Berufsverbandes Österr. GynäkologInnen
1160 Wien, Thaliastr. 102/3/7,
Telefon: 0043/1/481 21 21
Mail: michael.elnekheli@web.de
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“Infektion und Fruchtbarkeit”
Grundsätzlich kann man in diesem Zusammenhang zwei generelle Themenkreise unterscheiden. Die Auswirkung von Infektionen der Scheide – wir sprechen von einer Kolpitis (die Bakterielle Vaginose trug ursprünglich die Bezeichnung Aminkolpitis) – auf das Vermögen, auf natürlichem Wege Kinder zu bekommen, und die Auswirkungen von rezidivierenden Infektionen auf die spezielle Situation eines Kinderwunschpaares.
Prinzipiell können alle Infektionen der Scheide unbehandelt den anatomischen Strukturen folgend weiter aufsteigen. Analog dazu kann es zur Entzündung der Eileiter bzw. der Eierstöcke kommen. Diese Entzündungsform nennt die Medizin „Adnexitis“. Die Folge eine solchen Adnexitis kann eine Verklebung der Eileiter sein, die dann nicht mehr in der Lage sind, die Eizelle in die Gebärmutter zu transportieren bzw. die Spermien aufsteigen zu lassen. Dann ist diese Frau nicht mehr in der Lage, auf natürlichem Wege zu einem Kind zu kommen und bedarf der assistierten Reproduktion.
Besondere Risikogruppen sind in diesem Zusammenhang Frauen mit hoher Promiskuität sowie Spiralen-Anwenderinnen. Frauen mit Tubenverklebungen machen in unserer Klientel immerhin 20% aus.
Man sollte darüber hinaus auch auf den Mann nicht vergessen. Rezidivierende Infektionen – verbunden mit den bekannten Symptomen – können auch direkter Teil der persönlichen „Leidensgeschichte“ eines Paares sein. Auf sehr vielschichtige Weise, denn eine ohnehin schon problematisch besetzte Körperregion erhält dadurch eine weitere negative Besetzung. Daraus resultiert ein „Problem für Beide“ oder besser noch eine Art „Kombipackung an Problemen“
Ich als in der assistierten Reproduktion tätiger Mediziner habe natürlich einen ganz klar definierten Wunsch, besonders sauber arbeiten zu können, wenn es im Rahmen der assistierten Reproduktion zu einem Embryotransfer kommt. Bei diesem Eingriff sollten möglichst keine Infektionen vorliegen, die ggf. am Gebärmuttermund mit Bakterienanlagerungen verbunden sein könnten. Man darf aus nahe liegenden Gründen davon ausgehen, dass eine solche Situation sehr leicht zu einem iatrogenen Erregertransfer in die Gebärmutter mit den nachfolgenden Problemen wie Verminderung der Schwangerschaftsrate, Reifungsstörung, Frühgeburt oder Ähnlichem führen könnte. Daher soll die Frau im Moment eines solchen Eingriffs möglichst keine krankhafte bakterielle Besiedelung im Gebärmutterhalskanal aufweisen.
Nicht zu übersehen ist letztlich die Gefahr, dass eine rezidivierende Kolpitis über eine „Ping-Pong-Infektion“ auch den Mann betreffen kann. Die Folge wäre eine oft chronische Prostatitis, die aus verschiedenen Gründen extrem schwer zu behandeln ist, sich aber auf die Samenqualität negativ auswirkt .
Dieser grundsätzliche Überblick zum Kapitel Scheideninfektion aus der Sicht der Kinderwunschmedizin zeigt klar und deutlich wie wichtig das Thema für die Gesundheit der Schwangerschaft, aber auch ihrer Entstehung ist. Leider sind sich die Menschen dessen nicht ausreichend bewusst und daher wäre es wichtig, diese Zusammenhänge über die Medien der Bevölkerung verstärkt näher zu bringen.
Univ. Prof. Dr. Heinz Strohmer
Kinderwunschzentrum Goldenes Kreuz
1090 Wien, Lazarettgasse 16-18
Tel: +43-(0)1- 40 111 1400
Fax: +43-(0)1- 40 111 1401
office@kinderwunschzentrum.at
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“Infektion als Geburtsrisiko”
Es muss voraus geschickt werden, dass in der internationalen Literatur trotz aller Erfahrungswerte, über die wir verfügen, die Zahlen zum Zusammenhang zwischen Bakterieller Vaginose bzw. vaginalen Infektionen und Frühgeburtlichkeit eine breite Streuung aufweisen. Allerdings wissen wir mit Sicherheit, dass Störungen des vaginalen Ökosystems – und dazu gehört letztlich jede Art von Infektion bzw. Entzündung – zu Frühgeburtlichkeit führen können. Man kann sich das bildlich so vorstellen, dass das Kind zum Schutz der Mutter gleichsam „die Reißleine zieht“ und die Geburt startet. . .
Aufgrund des Geburtenregisters wissen wir, dass 11% der rund 78.000 Geburten in Österreich Frühgeborene sind, also rund 8.500 pro Jahr. Mit Sicherheit stehen deutlich mehr als 50% davon mit irgendeiner Form einer Infektion im Zusammenhang. Damit kommen wir auf eine geschätzte Zahl von 5.000 infektionsassoziierten Frühgeborenen.
Bei 75% der Frühgeborenen (FG) welche vor der 32. SSW (Schwangerschaftswoche) geboren werden, findet man einen Entzündungsprozess im Bereich der Plazenta. Etwa die Hälfte aller Frühgeborenen werden vor 32SSW geboren.
Die medizinische Konsequenz im Zusammenhang mit diesen sehr kleinen Frühgeborenen ist eine aufwendige Intensivtherapie, die vom finanziellen Aufwand etwa einer Nierenersatztherapie entspricht. Das Mortalitätsrisiko für diese Kinder ist trotz Intensivtherapie leider hoch. Bei Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht kleiner 1000g beträgt dir Sterblichkeit je nach Schwangerschaftsdauer zwischen 18 und 40%!
In diesen Fällen findet sich dreimal häufiger eine Chorioamnionitis (Entzündung der mütterlichen Fruchtblase). Diese ist inzwischen eindeutig mit einer Beeinträchtigung der neurologischen Entwicklung des Kindes in Verbindung zu bringen (4x so viel neurologischen Störungen, 8x mehr Fälle von CerebralParese). Außerdem erhöht sie das Auftreten einer chronischenLungenerkrankung mit verminderter Lungenfunktion und erhöhter Lebensgefährdung.
Die enormen Kosten für die Versorgung von Frühgeburtlichkeit wurden für Österreich noch nie berechnet. Bewertungen aus dem Ausland errechnen akute Versorgungskosten von 153.000.-€ je Fall bei einer Geburt in der 25. SSW und immerhin noch 77.000.-€ bei einer Geburt in der 30. SSW. Mittelt man diese Werte grob bei 100.000.- und setzt den Bezug zu 5.000 Frühgeborenen, dann handelt es sich um den unglaublichen Betrag von 500 Mio.€ (pro Jahr)
Die Therapie vaginaler Infektionen fuehrt leider nicht automatisch zur Verhinderung von Frühgeburtlichkeit. Deutsche Studien von Prof. Saling in Berlin legen nahe, dass man offenbar zwischen der „Bakterielle Vaginose“ (BV) als einer Art „Störung des vaginalen Ökosystems“ und der klassischen Infektion unterscheiden muss. In diesen Studien konnte mit prophylaktischen Maßnahmen eine signifikante Reduktion der Frühgeburtlichkeit erreicht werden.
Nichtsdestotrotz gibt es auch eine genetische Determinante. Zum Beispiel weisen Trägerinnen des TNFalpha2 Allels (TNF = Tumor Nekrose Faktor, ein Entzündungsmediator) im Kontext mit BV ein 6-fach erhöhtes Frühgeburtsrisiko auf.
Grundsätzlich verdoppelt das Auftreten einer BV während der Schwangerschaft das Risiko von Frühgeburtlichkeit. Tritt die BV vor der 16. SSW auf, dann versiebenfacht sich dieses Risiko. In der 20 SSW liegt es noch beim Vierfachen und nimmt dann allmählich ab. Bis zu 25% der Schwangeren durchlaufen eine BV, davon meist50% symptomlos. Das zeigt, dass wahrscheinlich eine routinemäßige Prävention im der ersten Hälfte der Schwangerschaft der sicherste Weg wäre, das Frühgeburtsrisiko nachhaltig zu senken.
All diese Fakten legen nahe, was seitens der Gynäkologie schon länger gefordert wird: die Durchführung eines BV-Screenings im Rahmen des Mutter-Kind-Passes. Alternativ dazu könnte eine routinemäßige Stabilisierung des Scheidenmilieus in der ersten Schwangerschaftshälfte die Frühgeburten mit
Univ. Prof. Dr. Berndt Urlesberger
Klin. Abteilung für Neonatologie, Univ. Klin. f. Kinder & Jugendheilkunde, MU-Graz
8036 Graz, Auenbruggerpl. 30
Tel: +43/316/385/4556 (bzw. 2624)
Fax: +43/316/385/2678
Email: berndt.urlesberger@medunigraz.at
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“ Frühgeburt, Bakterielle Vaginose und die therapeutischen Optionen”
Zunächst möchte ich meinen Zugang zu diesem Thema verdeutlichen. Allen, die sich wie ich mit der Problematik der Frühgeburt lange und intensiv beschäftigen, sind die Bakterielle Vaginose und vaginale Infektionen insgesamt ein großes Anliegen. Insbesondere empört wegen der nachgewiesenen Bedrohung und – falls die Ökonomie mehr zählt als das Leid der Betroffenen – der enormen potentiellen Kosteneinsparungen, dass die Mutter-Kind-Pass Betreuung auch in diesem wie in anderen Punkten nicht dem aktuellen Wissensstand angepasst wurde.
Auch, wenn das nicht immer und gelegentlich nicht gerne so wahrgenommen wird – die Zahl der Frühgeburten steigt in Österreich an. Das lässt sich statistisch einwandfrei nachweisen. Wenngleich die steigende Zahl an reproduktionsmedizinisch assistierten Schwangerschaften einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung trägt, so sind es vor allem auch Infektionen , die als wesentliche Ursache dieser Frühgeburten gelten dürfen. Die je nach Studie wechselnden %-Sätze ändern an dieser Situation nichts.
Im Zentrum des Geschehens steht von der Auslösung vorzeitiger Wehen letztendlich in der Kaskade das so genannten Amnioninfektionssyndrom „FIRS“ (Fetal Inflammatory Response Syndrome). Die Infektion etwa im Sinne einer Bakteriellen Vaginose kann dabei zu verschiedenartigen Infektionsformen führen – von der Kolpitis aufsteigend über die Chorionamnionitis bis zu fetalen Infektionen.
Es bestehen ausreichend diagnostische Möglichkeiten zur Feststellung der bakteriellen Vaginose in der Schwangerschaft. Vor dem Hintergrund der Frühgeburtlichkeit nimmt die Frühdiagnose vor der 20. SSW eine besondere Stellung ein. In Kombination mit entsprechenden therapeutischen Schritten könnten – so auch international anerkannte Österreichische Studien (Kiss et al) – bis zu 60% der Frühgeburten verhindert werden.
Je nach Angriffspunkt können in der Behandlung der Bakteriellen Vaginose insgesamt zwei Arten von Maßnahmen unterschieden werden:
1) Normalisierung des Scheidenmilieus (ohne Anspruch auf Vollständigkeit)**
• Lactobacillenpräparate – z.B. Gynophilus® (MP) , Doederlein-Med ®(AM)
• Lactobacillen + Estriol – z.B. Gynoflor® (AM)
• Milchsäurepräparate – z.B. Lactamousse® (MP)
• NEU: Kombination Milchsäure + Glykogen – Balance activ® Vaginal Gel (ab 1.4.09, MP)
2) Antibiotikagabe
• Clindamycin – lokal oder systemisch zB Dalacin® (AM)
• Metronidazol –systemisch (AM)
Die unter 1) angeführten Maßnahmen kommen in Frage zur Früh- und Langzeitbehandlung als additive Therapie bzw. als präventivmedizinische Maßnahmen.
Das lokaltherapeutische Armentarium zur Normalisierung des Scheidenmilieus erfährt ab 1.4.2009 eine Erweiterung durch eine Kombination aus Milchsäure mit Glykogen, die als „Balance activ Vaginal Gel®“ erhältlich sein wird. Die Milchsäure zielt dabei auf die Ansäuerung des Milieus ab, während Glykogen das notwendige Substrat darstellt, das die Lactobacillen benötigen, um ihrer Funktion (Milchsäure und Peroxidbildung) nachkommen zu können. Es erwies sich in einer Studie (Decena, J. Obstet. Gynaecol. Res., 2006) als gleich effektiv wie Metronidazol.
Vor allem wegen dieser bestehenden therapeutischen Möglichkeiten wäre es sehr wichtig, das Bewusstsein der Frauen insgesamt für dieses Problem vor dem Hintergrund potentieller Kinderlosigkeit und Frühgeburt deutlich zu steigern. Es steht außer Zweifel, dass ein effektiveres Infektionsscreening in der Mutter-Kind-Pass Betreuung umzusetzen wäre. Bis dahin muss das Augenmerk zur Selbstvorsorge mit möglichst früher Diagnose und Therapie gelegt werden. (**Anm. Arzneimittel/AM dürfen nur in Fachmedien genannt werden, MP=Medizinprodukt)
Univ. Doz. Dr. Horst Steiner
Univ. Klinik f. Frauenheilkunde Paracelsus Privat-Universität, St. Johanns Spital
A - 5020 Salzburg, Müllner Hauptstraße 48
T: +43 (0)662/ 4482-2500
F: +43 (0)662 / 4482-883
E-Mail: h.steiner@salk.at
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“Vorbeugen oder Behandeln”
Die Bakterielle Vaginose (BV) stellt die häufigste bakterielle Störung der Vaginalflora dar. Streng wissenschaftlich gesehen, ist der Auslöser dieser Erkrankung – also die Entstehungsgeschichte dieses Symptoms, der so genannte Pathomechanismus, nicht ausreichend geklärt. Es entsteht eine vaginale pH-Verschiebung vom sauren in den basischen Bereich. Vom Ergebnis her kommt es unter den unterschiedlichsten Umständen zu einer Überwucherung mit unerwünschten Bakterien. Diese unerwünschten Bakterien gehören zur Gruppe der Anaerobier und benötigen für ihre Existenz keinen Sauerstoff. Diese anaeroben Bakterien vermehren sich im Vergleich zu den physiologisch vorkommenden Lactobacillen um etwa das 1.000-fache. Die Folge ist häufig, aber nicht in allen Fällen, eine klinische Symptomatik, die geprägt ist durch Ausfluss, Brennen, Jucken sowie den als charakteristisch beschriebenen Geruch.
Gegen derartige Bakterien sind grundsätzlich die Antibiotika Clindamycin und Metronidazol wirksam. Daraus resultiert jener wissenschaftlich belegte Therapieansatz, der entsprechend den existierenden internationalen Empfehlungen zum Einsatz kommt. In der Praxis – jedoch ohne vergleichbare wissenschaftliche Dokumentation – werden allerdings auch topische Präparate wie etwa L. acidophilus-Kulturen, Milchsäure-Gel oder ähnliches zur Normalisierung des Scheidenmilieus und der Anreicherung der Bakterienflora eingesetzt. Umso mehr, als die wiederholte antibiotische Therapie bei der hohen Rezidivhäufigkeit des Erkrankungsbildes oder in der Schwangerschaft nicht unproblematisch ist.
Therapiert wird bei nicht-schwangeren Frauen grundsätzlich in allen Fällen, in denen klinische Beschwerden auftreten. Anders stellt sich die Situation bei Schwangeren dar. Hier sollte, vor allem wegen des erhöhten Frühgeburtsrisikos - auch bei einem Zufallsbefund ohne charakteristische Symptome - behandelt werden. Wegen der relativen Kontraindikation einer systemischen Antibiotikatherapie in der Schwangerschaft, kommen vor allem im ersten Trimenon lokale und ggf. milieustabilisierender Präparate zur Anwendung
Noch schwieriger ist die Frage der Prävention, vor allem während einer Schwangerschaft zu beantworten, da diese längst noch nicht geklärt ist. In der täglichen Praxis, insbesondere bei wiederholter Erkrankung, wird oft mit einer vaginalen Milieustabilisierung eine entsprechende Prophylaxe versucht. Strittig ist allerdings immer noch eine generelle Prophylaxe bei allen Schwangeren, wenngleich es dafür einige Argumente gibt. Einige Experten verlangen vor dem Hintergrund des hohen Frühgeburtsrisikos bereits die laufende Kontrolle des Scheiden-pH-Wertes, um ggf. sofort intervenieren zu können. Die Prävention von Frühgeburten über ein Screening, eine frühzeitige Erkennung und Behandlung von genitalen Infektionen, insbesondere der Bakteriellen Vaginose, wäre zweifelsfrei eine Maßnahme zur Optimierung und Rationalisierung im Gesundheitswesen.
In Bezug auf die Prophylaxe weisen auch die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (Stand 6/2008) auf eine tendenzielle Wirksamkeit der Milchsäureapplikation in der Prävention hin. Grundsätzlich stehen wir hier vor dem Problem, dass es für die gelebte therapeutische Realität der klinischen Wirkung nur in sehr wenigen Fällen Untersuchungen gibt, die den letztgültigen wissenschaftlichen Beweis führen. Es existieren nur für sehr wenige Präparate überhaupt Studiendaten. Das mag auch daran liegen, dass es sich um Medizinprodukte handelt, für die der Europäische Gesetzgeber nicht ebensolche Studien verlangt wie für Pharmazeutika. Für wenige ausgewählte Präparate – so auch für ein Milchsäure-Gel - gibt es aber immerhin kleinere Untersuchungen, die den Wirkungsbeweis mit dem Hinweis abschließen, dass größere Studien sinnvoll und wünschenswert wären.
Eine der wesentlichen Grundproblematiken im Zusammenhang mit der Bakteriellen Vaginose ist, dass wir die Auslöser in Wahrheit nicht kennen und daher letztlich nicht die Ursache behandeln, sondern leider darauf beschränkt sind, gegen die Symptome vorzugehen.
Univ. Doz. (PD) Dr. med. Ioannis Mylonas
Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Leiter des Infektiologischen Labors
1. Frauenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München
Telefon: 0049/89/51604111
Email: ioannis.mylonas@med.uni-muenchen.de
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