"Notfallkontrazeption = Unfallverhütung !"
Pressekonferenz im
„Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch“
Mittwoch 2. März 2011, 10:00h —11:00h
1150 Wien, Mariahilfer Gürtel 37
Anschließend Möglichkeit einer Führung durch die spannende Geschichte
von Kontrazeption und Schwangeschaftsabbruch .... Fotos - siehe unten



PROGRAMM
„Wo sind die Kontrazeptionshürden?“
Bettina Weidinger
Österreichisches Institut für Sexualpädagogik (ISP), Wien
„Verhütungspannen und deren Hintergründe“
Mag.a Petra Schweiger
Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin, Salzburg
„Unfallverhütung & Sexualität“
Dr. Christian Fiala
Ambulatorium Gynmed, Wien



Wo sind die Kontrazeptionshürden?
In einer repräsentativen Studie aller sexuell aktiven Personen in Deutschland geben 26%, also jeder vierte (!) an, aktuell gar nicht zu verhüten. In fester Partnerschaft sind es 27%, ohne feste Partnerschaft immerhin 19%! 20%, also jeder fünfte, verwendet zur Verhütung ausschließlich das Kondom und nimmt damit im Vergleich zu hormonellen Verhütungsmethoden ein erhöhtes Sicherheitsrisiko in Kauf. (Quelle: BZGA 2007: Verhütungsverhalten Erwachsener). Alle Studien zum Thema deuten darauf hin, dass sich diese Zahlen ebenso auf Österreich übertragen lassen.
Wie lassen sich diese Zahlen, die jeder vernünftigen Familienplanung widersprechen, erklären, insbesondere in einer Zeit, wo Sexualität in der Öffentlichkeit längst enttabuisiert und Verhütung zu einem allerseits besprechbaren Thema geworden ist?
Die schwierigste Hürde der Kontrazeption liegt wohl in der Tatsache, dass Sexualität in erster Linie vom Genuss der Lust gespeist wird und nicht von kognitiven Höchstleistungen. Denken, Planen, Anwenden sind daher Themen, die zwar wunderbar zum Thema Verhütung, aber so ganz und gar nicht zur Lust passen.
Das Interesse an Gestaltungsmöglichkeiten sexueller Lust ist bei den meisten Menschen groß und die Bereitschaft, sich darum aktiv zu bemühen, ist demzufolge immer vorhanden. Verhütung hingegen ist naturgemäß ein nicht lustvoll besetztes Thema, wird von vielen eher belastend und manchmal sogar beeinträchtigend erlebt. Es ist daher nachvollziehbar, dass zwar alle Welt vom Kondom spricht, der häufigste Anwendungsfehler aber immer noch in der Nichtanwendung desselben liegt.
Das Thema Verhütung wird gerne moralisch bewertet. Nicht oder schlecht zu verhüten gilt als unverantwortlich. Nicht nur in Gesprächen mit Erwachsenen, auch mit Jugendlichen wird das Thema „Schuld“ genannt, wenn es „in der heutigen Zeit“ um ungeschützten Geschlechtsverkehr geht. Folgerichtig kann unzureichende Verhütung sich selbst und anderen gegenüber dann nicht eingestanden werden. Diese moralische Hürde führt in eine paradoxe Situation: Lieber Warten und Hoffen, dass nichts passiert ist, als ins Handeln zu gehen.
Gerade für Männer ist es bei sexuellen Kontakten ohne fixe Partnerschaft besonders leicht, die Tatsache eines ungeschützten Verkehrs einfach zu „vergessen“. Da keine Betroffenheit durch eine bestehende Beziehung erlebt wird, ist es einfacher, den unangenehmen Gedanken an das unbenutzte Kondom zu verdrängen.
Die Hürde der Verbindung von Lust und rechtzeitigem Planen lässt sich nicht immer optimal minimieren. Die Hürde der Moral allerdings schon - indem neue Normalitäten im Denken entstehen. Die Notfallverhütung in der Hausapotheke ist wesentlicher Bestandteil dieser Normalität und daher Pflicht für jeden Kondomanwender. Somit gehört die Notfallpille selbstverständlich auch in den männlichen Singlehaushalt!
DSA Bettina Weidinger
Österreichisches Inst. f. Sexualpädagogik (ISP), 1190 Wien, Sollingerg. 23/22,
Tel.: +43 – (0)1 – 328 6630; Mail: team@sexualpädagogik.at
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„Verhütungspannen und deren Hintergründe“
Was tun, wenn die "gefährlichen Tage" im Überschwang der Frühlingsgefühle übersehen wurden oder das Kondom abgerutscht bzw. gerissen ist? Was tun, wenn beim Zähneputzen bemerkt wird, dass sich die Pille vom Vortag noch in der Packung befindet oder der Verhütungsring Stunden nach dem Verkehr immer noch am Nachtkästchen anstatt vor dem Muttermund liegt?
Eine Verhütungspanne ist kann jeder/jedem passieren, muss jedoch nicht zwangsläufig zu einer ungewollten Schwangerschaft führen! Die „Erste Hilfe“ heißt: „Notfallpille“! Es ist weder eine gesundheitliche noch eine moralische Gefährdung, die „Pille danach“ vorsorglich in der Hausapotheke griffbereit zu haben, denn sie wirkt am besten je rascher sie nach einem Verhütungsunfall eingenommen wird.
Um die Hintergründe von Verhütungspannen zu verstehen, müssen wir einen Blick auf das Verhütungsverhalten in Österreich machen:
Eine aktuelle Datenquelle ist der Generations and Gender Survey 2008/09 (GGS). Daraus geht hervor, dass 73% der Paare in Österreich verhüten. Etwa die Hälfte aller Paare wendet eine sehr wirksame Methode an. 27% der Frauen/Paare verhüten nicht. 7% haben einen Kinderwunsch, 9% gehen davon aus, dass sie selbst bzw. der/die Partner/in unfruchtbar sind. 11% der Frauen/Paare haben keinen Kinderwunsch, sind vermutlich fruchtbar und verhüten nicht. Sie gelten zusammen mit jenen 27% der Frauen, die nur mittelmäßig wirksame Verhütungsmethoden anwenden als Risikogruppe für ungewollte Schwangerschaften (38%).
Die drei häufigsten Verhütungsmethoden, die 18 bis 45-jährige Frauen in einer Partnerschaft anwenden, sind die Pille (44,5%), das Kondom (21,4%) und die Kupfer- oder Hormonspirale (17,2%). Alle anderen Methoden werden nur von einer sehr kleinen Anzahl an Frauen angewendet. (GGS, 2008/09)
Verhütungspannen haben einige Hintergründe:
1. Unwissenheit über die eigenen Fruchtbarkeit
2. Unsicherheiten in der Sexualität
3. Ein unsicheres Verhütungsmittel, das Anwendungsfehler begünstigt
4. Ambivalenter Kinderwunsch
5. und manchmal war es einfach Pech....
Die Wahrscheinlichkeit einer Verhütungspanne hängt von der verwendeten Verhütungsmethode ab.
Die Verhütungsmethoden unterscheiden sich sehr deutlich in ihrer Wirksamkeit.
Wir wissen, dass Kondompannen beim Sex gar nicht so selten sind. Jeden zweiten Mann hat´s schon erwischt und jeder Dritte hat es seiner Partnerin verschwiegen – und einfach weitergemacht, als sei nichts gewesen. Die Gründe: der nahende Orgasmus sollte nicht gefährdet werden (40%), die Verschwiegenen wollten die Verantwortung nicht tragen (33%) und die Partnerin nicht ängstigen (27%) (MensHealth.de, 2005)
Die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung hat 2008 in dem Bericht „sich(er) lieben – Verhütungsbewusstsein und Verhütungsverhalten junger Klientinnen“ veröffentlicht, dass 85% der Mädchen das Kondom fälschlicherweise als sehr bzw. eher zuverlässiges Verhütungsmittel einschätzen, trotzdem mehr als die Hälfte der Mädchen bereits Erfahrung mit einem gerissenen oder abgerutschten Kondom gemacht hat!
Dreiviertel der Jugendlichen geben an beim „ersten Mal“ mit einem Kondom verhütet zu haben, 12% haben nicht verhütet. (ÖGF, 2001).
Seit Dezember 2009 sind die gestagenhaltigen „Pille danach“ – Vikela rezeptfrei in den Apotheken erhältlich (Kosten: € 11,90.-).
Die Pille danach bringt einen hohen Zugewinn an Selbstbestimmung für Frauen. Diese Haltung teilen laut einer repräsentativen Umfrage von Oekonsult (2009) 87% der ÖsterreicherInnen. Die Kenntnis über den Wirkmechanismus des Medikaments ist gering: So glauben 75% der Befragten fälschlicherweise, die Pille danach sei eine Abtreibungspille. Information und Aufklärung sind also nach wie vor wichtig und werden von 88% der ÖsterreicherInnen definitiv gewünscht.
Die „Pille danach“ (Notfallpille, Notfallverhütung) ist eine Tablette, die 1,5mg des Gestagens Levonorgestrel enthält. Levonorgestrel unterdrückt bzw. verzögert den Eisprung und kann somit – rechtzeitig eingenommen – eine Schwangerschaft verhindern.
Die Pille danach – in jener Form wie sie derzeit rezeptfrei abgegeben wird - soll so bald als möglich, spätestens aber 72 Stunden nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr, eingenommen werden. Je später der Einnahmezeitpunkt ist, umso geringer ist die Wirksamkeit.
< innerhalb von 24 Stunden nach der Verhütungspanne genommen, verhindert die Pille danach zu 95% eine unerwünschte Schwangerschaft.
< 24 bis 48 Stunden nach dem ungeschützten Verkehr eingenommen, wirkt diese Notfallverhütung noch zu 85%
< 48 bis 72 Stunden (drei Tage) danach eingenommen, sinkt die Wirksamkeit auf 58%
Dies gilt nicht in identer Form für die neue Version der Notfallpille unter dem Namen ellaOne®, die zwar rezeptpflichtig ist, aber einen wesentlich sichereren Verhütungsschutz bietet.
Wenn eine Schwangerschaft bereits eingetreten ist, wird diese durch die Notfallpille nicht beendet. Das ist der wesentliche Unterschied zum medikamentösen Schwangerschaftsabbruch mit Mifegyne®, bei dem eine bereits bestehende Schwangerschaft beendet wird. Leider kommt es hier noch immer zu Verwechslungen und Missverständnissen.
Gründe für die Einnahme der Pille danach sind zu rund einem Drittel Anwendungsfehler mit Kondomen, zu einem weiteren Drittel keine Anwendung eines Verhütungsmittels. Auf das restliche Drittel fallen vor allem Anwendungsfehler bei der Pille (vergessen) und sonstige Anwendungsfehler anderer Verhütungsmittel (BZgA, 2004).
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat im Juni 2010 ein aktuelles Informationsblatt zur Sicherheit der Notfallpille mit Levonorgestrel herausgegeben. Fazit: Die Pille danach kann von allen Frauen ohne Einschränkungen angewendet werden. Für diese Form der Notfallkontrazeption gibt es Erfahrungen aus der Anwendung seit mehr als 30 Jahren. Sie ist gut verträglich, bleibt nur kurze Zeit nach Einnahme im Körper und hat keine toxischen Wirkungen. Es besteht keine Gefahr der Überdosierung, es gibt keine bedeutenden medikamentösen Wechselwirkungen und Gegenanzeigen sind nicht bekannt. Die Pille danach verursacht keine ernsthaften Nebenwirkungen – leichte Nebenwirkungen treten bei weniger als einer von fünf Frauen auf, meist Unregelmäßigkeiten bei der Menstruationsblutung. Das Risiko einer Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter ist nicht erhöht. Weiters ist kein negativer Einfluss auf die Fruchtbarkeit bekannt, bei versehentlicher Einnahme in einer Frühschwangerschaft besteht keine Gefahr einer Schädigung der Schwangerschaft. Die Einnahme der Pille danach kann auch keine bestehende Schwangerschaft abbrechen. Die verfügbaren wissenschaftlichen Daten zeigen, dass die Pille danach die Einnistung einer befruchteten Eizelle nicht beeinflusst – die Wirkung besteht in einer Verzögerung bzw. Verhinderung eines Eisprungs.
Die Anwendung ist einfach und eine ärztliche Betreuung ist nicht erforderlich. Die Methode ist in zahlreichen Ländern ohne Rezept erhältlich. Studien haben gezeigt, dass sowohl Erwachsene als auch Jugendliche die Informationen zur Anwendung leicht verstehen. Sie belegen auch, dass ein leichter Zugang zur Pille danach nicht dazu führt, dass Frauen und Mädchen diese anstelle regulärer Verhütung anwenden.
Die „Pille danach“ gehört in die Hausapotheke!
Mag.a Petra Schweiger
Klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin – Salzburg
e-mail: petra.schweiger@hotmail.com
mobil: 0699!12203995
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„Unfallverhütung & Sexualität“
Eine wirksame Prävention sowie eine rasche Notfallversorgung nach einem Unfall ist in praktisch allen Lebensbereichen seit langem selbstverständlich. Im Straßenverkehr z.B. engagiert sich der Staat sogar überdurchschnittlich in der Prävention von Unfällen und dies mit großem Erfolg, wie die kontinuierlich sinkende Anzahl an Verkehrstoten zeigt. Ebenfalls übernimmt die Gesellschaft selbstverständlich und ohne Diskussion die Kosten allfälliger Unfälle.
In der Sexualität hingegen müssen wir immer noch um das eigentlich Selbstverständliche kämpfen. Präventionsmaßnahmen gibt es nur sporadisch, nie flächendeckend oder anhaltend. Verhütungsmittel muss sich jeder selbst bezahlen, auch Menschen die von der Sozialhilfe leben oder einen medizinischen Grund für die Anwendung einer Methode haben.
Aber auch in der Versorgung nach einem Verhütungsunfall ist Österreich west-europäisches Schlusslicht: bis vor einem Jahr benötigten Frauen für die ‚Pille danach‘ ein Rezept und sie müssen diese, ebenso wie einen Abbruch selbst bezahlen.
Warum fällt es unserer Gesellschaft so schwer, das Naheliegende auch in der Sexualität umzusetzen: Der Staat sollte Menschen in der Prävention nach Kräften unterstützen, auch finanziell, und die bestmögliche Versorgung nach einem Verhütungsunfall sicherstellen.
Natürlich können wir in der Sexualität keine Polizeikontrollen durchführen, wie im Strassenverkehr, um das Anlegen des Sicherheitsgurtes, bzw. einer Verhütungsmethode zu überprüfen. Aber wir können sehr wohl bekannte und in anderen Ländern bewährte Maßnahmen umsetzen, anstatt weiterhin den Kopf in den Sand zu stecken, bewusst eine hohe Rate an ungewollten Schwangerschaften in Kauf zu nehmen und uns dann moralisch über die daraus folgenden Abbrüche zu entrüsten.
Ein vorausschauendes Handeln ist besonders in der Sexualität notwendig, da diese im Vergleich zu anderen Tätigkeiten meist wenig Vernunft kontrolliert ist. Weil die meisten Menschen während der Sexualität sich und alles um sie herum vergessen wollen, sollte eine wirksame Verhütung am besten vorher ansetzen und unabhängig von der Sexualität funktionieren. Für die Erstversorgung eines Verhütungsunfalles ist eine rasche und barrierefreie Versorgung einer Notfall-Verhütung unerlässlich.
Deshalb gehört zum Beispiel die ‚Pille danach‘ in jede Haus- und Reise-apotheke, ähnlich, wie jedes Auto einen Verbandskasten hat.
DDr. Christian Fiala
Gynmed Ambulatorium
A-1150 Wien, Mariahilfergürtel 37
Tel. 0699 15 97 31 90
e-mail: christian.fiala@aon.at
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FÜHRUNG IM MUSEUM




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