„SINNLOSE AMPUTATIONEN!“


Kongress-Pressekonferenz der Österreichischen Gesellschaft für Wundbehandlung

www.a-w-a.at

Donnerstag, 28. April 2011

Radiokulturcafe

Volles Haus und tolle Beiträge


PROGRAMM


“Jahrestagung 2011” 

Univ. Prof. Dr. Gerald Zöch, AWA-Generalsekretär, Donauspital, Wien

„Amputationsgrund Diabetischer Fuß“

Univ. Prof. Dr. Gerald Zöch, AWA-Generalsekretär, Donauspital, Wien

"Sinnlose Amputationen vermeiden“

Prim. Priv.-Doz. Dr. Afshin Assadian, Abtlg. f. Gefäßchirurgie, Wilhelminenspital, Wien

"Die orthopädische Sicht“

Univ.-Prof. Dr. Hans-Jörg Trnka , Fusszentrum, Wien

"Der neue AWA-Pressepreis“ - Dr. Wolfgang A. Schuhmayer, AWA-Medienbeauftragter, Gars/Kamp


Link zum AWA-Pressepreis


“Amputationsgrund Diabetischer Fuß…”

Die Zahl der Majoramputationen hat in Österreich von 2002 bis 2006 um 10,62 % zugenommen, das entspricht einer Steigerung von 29 auf 32 pro 100.000 Einwohnern, in absoluten Zahlen eine Zunahme von 2316 auf 2562 pro Jahr. Als Grundlage diente die von der Statistik Austria gelieferten Daten der sog. "Medizinischen Einzelleistung": Unterschenkel Amputation - Knieexartikulation - Oberschenkel Amputation. Diagnosezuordnungen sind nicht möglich. Rund 60% können für Patienten mit DFS (Diabetisches Fuß-Syndrom) angenommen werden. Im Deutschland werden für dieses Krankengut 32/100.000 EW angenommen, dem gegenüber stehen für den gesamten UK-Bereich 6-11/100.000 EW. Für beide Länder liegen nur geschätzte Werte vor.

Da die Daten der Statistik Austria keinen detaillierten Aufschluss hinsichtlich Ursache, Grundkrankheit Verweildauer etc. geben, könnte mit einem österreichweiten „Amputations-Register“ der "Ist-Zustand" erhoben werden. Für die Patienten mit DFS könnten erstmals valide Daten erhoben werden. Die bereits 1989 in der sog. "St. Vincent-Deklaration" gestellte Forderung nach Senkung der Amputationsrate um 50% beim DFS wurde bisher nachweislich nicht erfüllt. In Österreich sind spezielle "Wund - bzw. Fußambulanzen", im Gegensatz zu anderen EU-Ländern, nur an einigen wenigen Abteilungen angesiedelt. Ebenso ist in Österreich die gefäßmedizinische Versorgung nur auf einige Zentren beschränkt. Die Entwicklung der Zentrumsbildung mit hohen Fallzahlen und somit verbesserten Ergebnissen wäre daher generell zu begrüßen.

Die Auswertung der erhobenen Daten würde der Qualitätssicherung dienen und könnten die Grundlage zur Erstellung von Behandlungspfaden bzw. Algorhytmen zur Indikationsstellung von Majoramputationen dienen.

Univ. Prof. Dr. Gerald Zöch
AWA-Generalsekretär, FA f. Plast. Chirurgie, Abtlg. f. Chirurgie
Donauspital, 1220 Wien, Langobardenstr. 12
Fon: ++43 664 356 4146
E-Mail: gerald.zoech@wienkav.at



“Sinnlose Amputationen vermeiden!”

Die Beantwortung dieser Frage lässt sich in drei Teile gliedern. Aus Sicht der Gefäßchirurgie hat das letzte Jahrzehnt gewaltige Veränderungen gebracht. Das Fach hat sich - gleichsam abseits der Öffentlichkeit – enorm entwickelt. Das geht vor allem auf den Anstieg der endovaskulären Interventionen zurück, die alte operative Verfahren ersetzt haben. Die Indikationen haben sich verschoben. Die „neue“ Gefäßchirurgie ist gleichzeitig viel komplexer geworden, die Eingriffe ermöglichen Erfolge, die es früher nicht gab. Davon wissen Patienten in der Regel gar nichts und auch viele ÄrztInnen haben davon noch gar nicht gehört – tatsächlich könnte die Gefäßchirurgie einen erheblichen Anteil daran leisten die Zahl der Amputationen zu vermindern.

Ein weiterer – extrem Besorgnis erregender Punkt ist die völlig fehlende Awareness der Gesellschaft, dass wir in aller Stille in einen „Diabetes-Supergau“ gleiten. Der wesentlich frühere Beginn der Erkrankungen und die steigende Lebenserwartung lassen die Zahl der ProblempatientInnen steigen. Jährliches Wachstum bis zu 7%. 70% der AmputationspatientInnen sind an Diabetes Erkrankte! Internationale Daten sagen: nur etwa 40% werden einem Gefäßchirurgen vorgestellt, ein etwa gleicher Prozentsatz ohne engere Abklärung einfach amputiert.

„Medizinpolitisch“ benötigen wir deutlich mehr Konsensus und Interdisziplinarität. Mehr Kommunikation zwischen den beteiligten Fächern. Die Probleme wachsen deutlich rascher als die Gegenmaßnahmen. Dazu würde auch eine objektivierte Raucherdiskussion gehören. Es scheint etwa in Österreich eine Art Grundrecht zu sein, mit dem eigenen Rauchen, anderen Schaden zuzufügen. Andernfalls wird auch noch eine weitere Folge des Diabetes verstärkt zum Tragen kommen, die Nephropathie mit steigenden Zahlen an Dialysepatienten. Und dann wird es nicht nur eng in der Versorgung, sondern für das Gesundheitssystem erst so richtige teuer.

Unserer Kooperation zur Einrichtung eines Gesundheitsregisters hat zum Ziel, alle Amputationsfälle zur verfassen – derzeit gibt es dazu für Österreich keine validen Daten - und zu analysieren, um auf dieser realen Basis zu erheben, welche SpezialistInnen wir in welcher Dichte benötigen. Und wo exakt in der Versorgung jene Fehler passieren, die zu den vermeidbaren Amputatonen führen. Es besteht ein deutlicher Bedarf an Verbesserung, am besten beginnen wir heute damit!

Prim. Priv.Doz. Dr. Afshin Assadian
Vorst. d. Abteilung f. Gefäßchirurgie
Wilhelminenspital, 1160 Wien, Montleartstr. 37
Fon: (++43/1) 49150 4101
E-Mail: afshin_assadian@yahoo.de




“Die Sicht der Orthopädie”

Zunächst muss man hier Eines sehr klar feststellen: die Orthopädie wird in der Betreuung diabetischer PatientInnen und deren spezieller Problemstellungen nicht nur viel zu selten, sondern vor allem auch viel zu spät hinzugezogen. In vielen so genannten Fußambulanzen gibt es gar keinen Orthopäden. Es mag historisch bedingt sein, dass in diesen Institutionen vorwiegend Internisten und Dermatologen tätig sind. Kompetenz in der Bewertung orthopädischer Problemstellungen darf dann aber auch nicht erwartet werden.

Die Crux liegt für die Betroffenen etwa in der Neuropathie. Vereinfacht gesprochen, spüren sie sich selbst nicht mehr. Das kann zu Druckstelle, Blasen, damit zu Verletzungen, Ulzera und schließlich zur Amputation führen….

Was kann die Orthopädie hier tun? Nun, sie sorgt für entlastende Einlagen und vor allem auch geeignetes Schuhwerk, das auf die spezielle Situation Rücksicht nimmt.

Es gibt aber auch Spezialfälle wir den so genannten Charcot-Fuß, der vom Internisten als Erysipel (Rotlauf) und vom Dermatologen als Thrombose verkannt – und damit natürlich falsch behandelt - wird. 95% der Charcot-PatientInnen sind DiabetikerInnen. Sie benötigen dringend Entlastung!

Weiters kann einer Ulcusbildung speziell auf der Fußsohle häufig ein so genannter Löschwiegenfuß zugrunde liegen. Er zerstört die Haut durch Druckquetschung ständig, sodass auch die beste konventionelle Wundtherapie vergeblich ist. In Kooperation mit dem Wundzentrum Döbling werden solche Patienten einer speziellen Operation unterzogen, die Fehlstellungen korrigiert und so die Abheilung des Ulcus ermöglicht.

Was wäre in Summe also die Forderung aus der Sicht der Orthopädie? Das ist sehr einfach! Was wir dringend benötigen, sind interdisziplinär ausgerichtete Diabeteszentren, in der alle betroffenen Fachrichtungen ihre Kompetenz ausreichend einbringen können. Denn derzeit befinden wir uns auf so etwas wie einer schiefen Ebene, die sich deutlich zu Ungunsten der PatientInnen neigt, wenn wesentliche Fachrichtungen in die Betreuung der DiabetikerInnen nicht eingebunden werden.


Univ.-Prof. Dr. Hans-Jörg Trnka
FUSSZENTRUM WIEN
1080 Wien, Alser Straße 43/8
Tel: (01) 408 59 93; Mobil: 0676 510 5837
Mail: trnka@fusszentrum.at


“Der neue AWA-Pressepreis“


Die Thematik der chronischen Wunden und der damit verbundenen Probleme wird seitens der AWA seit nunmehr 8 Jahren den Medien mit großem Erfolg auf der jährlichen Kongress-Pressekonferenz immer wieder nahe gebracht

Die Berichterstattung ist seit Jahren hervorragend und bestätigt sowohl die Bemühungen der AWA als auch das Interesse an den präsentierten Thematiken.

Dennoch lässt sich auch an erfolgreichen Projekten immer etwas verbessern. Eine solche Verbesserung soll der AWA-Pressepreis darstellen:

Dotiert mit 1.500.-€ wird er jeweils für ein bestimmtes Generalthema ausgeschrieben, das in Print, Funk oder TV umgesetzt werden kann.

Vergeben wird der Pressepreis immer auf der nachfolgenden Jahrestagung – in diesem Falle also 2012. Das erste Generalthema ist gleichzeitig auch das Thema dieser Pressekonferenz „Sinnlose Amputationen“. In Österreich wird zu viel amputiert. Teilweise ohne gewissenhafte Abklärung im Sinn des Gesamtarmentariums an Behandlungsmöglichkeiten. Daraus entsteht persönlicher, wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Schaden.

Der Pressepreis soll über die laufende Berichterstattung zur Pressekonferenz hinaus motivieren, diese Thematik profilierter und nachdrücklicher medial umzusetzen, um zu einem entsprechenden Umdenkprozess in Sinn der betroffenen PatientInnen beizutragen.

Alle Details zur Ausschreibung finden sich auf den gedruckten Unterlagen, der CD.-Rom sowie unter der Web-Adresse: http://www.v-p-c.at/AWA_PRESSEPREIS.html


Dr. Wolfgang A. Schuhmayer
AWA-Medienbeauftragter
medcoMMMunications consulting
AT-3571 Gars am Kamp
Fon: +43 699 109 99 129
E-Mail: service@intmedcom.com



Sämtliche Fotos medcoMMMunications consulting SUSANNE

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Vielen Dank für Ihr geschätztes Interesse!