„RAN AN‘S GESICHT…!“

Kongress-Pressekonferenz der
Österreichischen Gesellschaft f. Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie
Donnerstag, 21. Jänner 2010, 09:30h —10:30h
Presseclub Concordia, 1010 Wien, Bankgasse 8

UNSER PROGRAMM
„Gesicht—Instrument der Kommunikation“
Prim. Univ.-Prof. DDr. Michael Rasse
Univ. Klinikum Innsbruck
„Der lebensechte Fall“
Prima Univ-Profin Drin Ingeborg Watzke
Donauspital Wien
„Innovationen in der Traumachirurgie“
Prim. Univ.-Doz. DDr. Oliver Ploder
LKH Feldkirch
„Die besondere Ästhetik“
Prim. Univ.-Prof. DDr. Franz Watzinger
NÖ-Landesklinikum St. Pölten
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„Gesicht—Instrument der Kommunikation“
Die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ist ein medizinisches Fach das durch die Region mit der sie sich befasst, definiert ist. Da das Gesicht das bevorzugte Organ unserer Kommunikation ist, der sprachlichen, wie der nicht sprachlichen, ist es wie keine andere Region der Beurteilung durch unsere Umwelt ausgesetzt. Es ist Ort der Kritik der Ästhetik und des Charakters und es ist Ort des Selbstverständnisses. Alle Veränderungen des Gesichtes durch Wachstum, Altern, Erkrankungen und Verletzungen haben in der Folge einen kommunikativen und einen ästhetischen Aspekt. Sie beeinflussen schließlich die Selbsteinschätzung und das Selbstwertgefühl.
Die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie ist nun die medizinische Disziplin, die durch ihre Befassung mit allen Strukturen und Funktionen des Gesichtes in Diagnostik und Therapie kontaktiert werden kann und sollte. In angeborenen und erworbenen Erkrankungen oder altersbedingten Abweichungen vom Ideal müssen Skelett und Stützgewebe die das Gerüst des Gehirns- und Gesichtsschädels bilden, die Muskulatur als die bewegende Ausdrucks- und Funktionskomponente und auch die anderen Weichgewebe und die Haut beurteilt und eventuell therapiert werden.
Auch „rein ästhetischen Problemen“ liegen oft komplexe Struktur- und Funktionsprobleme zugrunde. So kann als Beispiel eine den Patienten störende prominente Nase ein viel umfassenderes skelettales Problem als Ursache haben. Ein vorverlagertes Mittelgesicht und zurückweichendes unteres Gesichtsdrittel können zugrunde liegen. Gleichzeitig besteht oft eine Disharmonie des Gebisses. Die Fehlbeziehung zwischen Ober- und Unterkiefer kann sowohl skelettaler als auch zahnbezogener Art sein. Nur eine Analyse aller Aspekte (mit Vermessung fotographischer und Röntgenaufnahmen, eventueller 3D Analysen und Simulation von Lösungen) kann eine korrekte Entscheidungshilfe bieten.
In Summe sollen daher die therapeutischen Möglichkeiten sowohl in skelettalen als auch in muskulären und sonstigen Weichteilveränderungen im Spektrum des Behandlers liegen. Jeder der Behandlungsschwerpunkte der Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie beinhaltet unmittelbar ästhetische Aspekte: Die Fehlbildungschirurgie (Gesichtsschädel und Gesicht), die Tumorchirurgie mit Geschwulstentfernung und Rekonstruktion, die Chirurgie der Fehlstellungen der Kiefer (Dysgnathien) und weitere Gesichtsskelettanteile (Nase, Jochbein, Stirne), die Chirurgie altersbedingter Veränderungen.
Dazu gehören z.B. die Wiederherstellung der Kaufunktion bei Zahnverlust und die Wiederherstellung der Gesichtsproportionen bei altersbedingten Skelettveränderungen, die Straffungen der Haut und Muskulatur im Bereich des Gesichtes, als auch der Augen. Die Kenntnis der verschiedenen Aspekte der einzelnen Behandlungsbereiche führt im Fach Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie zu einer umfassenden Sicht dieser Region, die der Patient nützen kann. In der folgenden Erläuterung und der Diskussion kann auf die spezifischen Bereiche näher eingegangen werden.
Univ.-Prof. DDr. Michael Rasse
Vorst. d. Univ. Klin.. f. MKG-Chirurgie, 6020 Innsbruck, Anichstr. 35
T: +43 (0)50504-24373, F: +43 (0)50504-24371
M: michael.rasse@i-med.ac.at
Web: http://www.i-med.ac.at/patienten/kliniken/mund_kiefer_gesichtschirurgie.html
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„Der lebensnahe Fall“
Eine wesentliche Hürde oder vielleicht sogar ein Handicap für die Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie stellt die Tatsache dar, dass wir „im Gesicht“, „am Kopf“ chirurgisch tätig sind.
Das mag auf den ersten Blick verwundern, aber, Hand aufs Herz, wer würde nicht ernsthaft innehalten, wäre er/sie mit einer derartigen Situation tatsächlich konfrontiert.
Das ist uns nicht verborgen geblieben und wir haben daher in einer Studie versucht, das Verhalten der potentiellen PatientInnen zu analysieren. Das Ergebnis dieser Untersuchung bestätigte unsere Erfahrungen. Betroffene warten selbst bei stark entstellenden Wachstumsstörungen tatsächlich jahrelang, ehe sie ärztliche Hilfe aufsuchen. Und das in Abhängigkeit von der Ausformung der Erkrankung. Da ein „kurzes Kinn“ eher lieblich aussieht als ein „langes“, entsteht auf jene Menschen, die vom „langen Kinn“ betroffen sind, ein erheblicher Druck durch ihre Umwelt, weil diese Art des Aussehens als „brutal“ empfunden wird. Unsere Erfahrungen lehren uns auch, wie wichtig die Kooperation mit den Medien ist, denn nur über diesen Weg gelangen unsre Hilfsangebote an ein breites Publikum und somit an die Betroffenen heran.
Daher habe ich ihnen diesmal einen sehr konkreten Fall mitgebracht und der junge Mann, der sich heute eines erfreulichen Aussehens bewusst sein darf, sitzt unter Ihnen. Auch er ist durch einen Medienbericht auf die Korrekturmöglichkeiten aufmerksam geworden, die die MKG-Chirurgie bietet und bei konkreten Pathologien werden diese Eingriffe ja vom Krankenversicherer übernommen.
Die vorliegende Art dieser Gesichtsasymetrie ist keine kindliche Wachstumsstörung, sondern beginnt erst im jugendlichen Alter, wo plötzlich ein Teil des Gesichts „weiterwächst“. Mann kann sich das bildhaft als unkontrolliertes Zellwachstum vorstellen. Die Ursachen dafür sind nicht bekannt. Der Unterkiefer ist jener Knochen, der am längsten wächst und daher werden Unregelmäßigkeiten in dieser Region erst mit dem 16. – 17- Lebensjahr akut. Es hat in der Folge bis zum, 25 Lebensjahr des Betroffenen gedauert, ehe er ärztliche Hilfe in Anspruch genommen hatte. Es wurde in einem Haupteingriff eine Repositionsosteotomie vorgenommen und mit zwei weiteren Eingriffen das Gesicht nachmodelliert. Die Gesamtdauer des Behandlungsprozesses lag bei etwa einem Jahr. Wir kontrollieren nach 5 und 10 Jahren alle unsere PaitentInnen nach, um so eine optimale Dokumentation zu erreichen. Insgesamt hab ich selbst etwa 3.000 derartiger Eingriffe bereits durchgeführt.
Das besonders erfreuliche im Zusammenhang mit diesem Patienten ist jedoch, dass er sich einverstanden erklärt hat, dass die Vorher-Nachher-Fotos in den Medien zum Nutzen anderer Betroffener verwendet werden dürfen. Bitte, machen Sie davon Gebrauch.
Prim. Univ.-Prof. Dr. Ingeborg Watzke
Leiterin des Inst. f. Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie & Zahnheilkunde
Donauspital 1220 Wien, Langobardenstr. 122
Tel.: (+43 1) 288 02 – 4702, Fax: (+43 1) 288 02 - 4780
E-Mail: ingeborg.watzke@wienkav.at
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„Innovationen in der Traumachirurgie“
Die Behandlung von Unfallopfern wäre ohne moderne MKG-Chirurgie heute kaum mehr vorstellbar. Mit einigem Stolz kann man sagen, dass Österreich auf diesem Sektor im Spitzenfeld liegt – nicht nur im europäischen Vergleich, sondern auch verglichen etwa mit den USA. Neben der hervorragenden ärztlichen Qualifikation in diesem Fach spielt dabei die geografische Nähe führender forschender Unternehmen eine wesentliche Rolle, wodurch auch unser Haus laufend an Innovationen mitarbeitet. Einen der größten Fortschritte stellt die Knopflochchirurgie dar - vor allem im sensiblen Bereich des Gesichts, wo kosmetisch ansprechende Ergebnisse dringend gewünscht werden. Wo früher der Zugang von außen gewählt wurde, findet man heut mit Instrumenten, „die um die Ecke gehen“, über die Mundhöhle zu den Frakturen des Gesichtsschädels. Das Instrument wird durch eine Art „Schlauchkamera“ geführt, sodass der Chirurg das Gefühl hat, direkt „im Instrumentenkanal zu sitzen“:Ein durchaus aufwändiges Verfahren, das nur in bestens abgestimmten Teams gelingt, denn 3 Operateure mit 6 Händen müssen ein hochkomplexes, zeitintensives Teamwork vollbringen. Neben dem Wegfall entstellender Narben verringert man mit diesem Verfahren die potentielle Verletzung von Gesichtsnerven. Wo früher Titanplatten nicht nur ein deutlich störendes Fremdkörpergefühl – vor allem am empfindlichen Augenhöhlenrand - verursachten, sondern auch einen zweiten Eingriff zur Entfernung der Metalteile nötig machten, arbeitet man heute mit “Zuckerplatten“. Sie sind aus Glykosid-Polylactiden und werden mit Schrauben aus demselben Material fixiert. Nach rund 12 Monaten lösen sie diese Materialien auf. Eine Technik, die bei Knochenbrüchen am Augenhöhlenrand oder bei Kindern immer mehr zum Standard wird. Ein bedeutender Innovationsschritt ist nicht zuletzt die 3D-Visualisierung der Operationsregion, wodurch vor dem eigentlichen Eingriff das Ergebnis der geplanten Maßnahmen beurteilt werden kann. Überraschend vielleicht auch die Tatsache, dass es sich um eine rasche und kostengünstige (1/10 der CT-Kosten) Methode handelt. Eine Art Panoramaröntgen ermöglicht im Schichtröntgenverfahren binnen 2-3 Minuten die 3-dimensionale Darstellung der individuellen anatomischen Verhältnisse. Diese können farblich differenziert und sogar segmentiert werden. Das Verfahren nennt sich digitale Volumentomografie (DVT). Für das optimale Ergebnis etwa beim Knochenersatz im Gesicht ist die Kenntnis der realen Topografie gemeinsame mit dem Zeitfaktor von entscheidender Bedeutung. Diese Beispiele zeigen eindrucksvoll, welch enorme Fortschritte die MKG-Chirurgie gemacht hat und laufend macht. Zu allen gennannten Themen können wir jederzeit gerne Film- und Fotomaterial zur Verfügung stellen.
Prim. Univ.-Doz. DDr. Oliver Ploder
Leiter der Abtlg. f. Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Universitäres Lehrkrankenhaus Feldkirch, 6800 Feldkirch, Carinagasse 47
Tel.: +43 (0) 533 303 1500
E-Mail: kieferchirurgie@lkhf.at
www.lkhf.at/kieferchirurgie
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Ich persönlich bin über mein Interesse an der Unfallchirurgie zur MKG-Chirurgie gekommen. Im Landesklinikum-St.Pölten hat die Abteilung vor einem Jahr einen erfolgreichen Neustart unternommen.
Einer der Schwerpunkte ist die Tumorchirurgie. Je jünger die Betroffenen, desto größer sind ihre Befürchtungen durch eine Operation möglicherweise entstellt zu sein. Und tatsächlich spielt der ästhetische Aspekt und nicht nur der zugrunde liegende therapeutische Nutzen eine immer wichtigere Rolle auch in der MKG-Chirurgie. Verschiedene Techniken wurden aus der kosmetischen Chirurgie entweder direkt übernommen oder auf die speziellen Bedürfnisse adaptiert. So etwa bei der Operation von Parotis (Ohrspeicheldrüse) –Tumoren, wo der Zugang in bestimmten Fällen nicht mehr über einen Schnitt am Hals, sondern über einen Faceliftingzugang erfolgt. Mit dem entsprechend besseren kosmetischen Ergebnis hinsichtlich der postoperativen Narben, aber auch mit dem Vorteil, das man ggf. in derselben Sitzung zusätzliche Korrekturen durchführen kann.
Bei ästhetischen Beeinträchtigungen durch angeborene Anomalien des Gesichts (Fehlbiss, Jochbeinunterentwicklung) oder posttraumatischen Defekten kommen neben operativen knöchernen Verschiebungen auch in manchen Fällen Kunststoffimplantate in Frage. Diese Implantate können am Computer durch CAD/CAM (computer aided design/ computer aided manufactoring) Techniken hergestellt werden. So kann etwa die optimale Implantatgröße schon präoperativ bestimmt werden. Wenn solche Implantate beispielsweise zum Aufbau des Jochbeins über einen Zugang von einem Schnitt im Bereich der behaarten Kopfhaut aus eingesetzt werden ist auch zusätzlich eine Anhebung der Weichgewebe (=Midface-lift) möglich, um ein optimales ästhetisches Ergebnis zu erreichen. Das Ergebnis ist ein präzise passendes Implantat ohne Randbildung und sichtbare Narben im Gesicht.
Ein weiterer Schwerpunkt der ästhetischen Chirurgie ist die Behandlung von Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten. Sie treten in Österreich mit einer Häufigkeit von 1:500 bis 1:700 auf und weisen eine erbliche Komponente auf. Hier entscheidet neben der Ausprägung der Fehlbildung vor allem die Erfahrung und die Technik des Chirurgen über den Erfolg. Durch die guten chirurgischen Ergebnisse steigt die Zahl der Betroffenen übrigens. Die ehemaligen TrägerInnen – die früher kaum Chancen auf einen Partner/in hatten – gründen Familien, bekommen Kinder und so reichen sie den Defekt weiter. Auch hier gilt, dass durch die Techniken der kosmetisch-ästhetischen Chirurgie wesentliche Verbesserungen bei der modernen Behandlung dieser Patienten erzielt wurden.
Eine immer wichtigere Rolle spielt die präprothetische Chirurgie, das ist die Behandlung von Zahnlosigkeit und Zahnlücken durch Kieferaufbauoperationen und Implantate. Steigendes Alter, lange Zahnlosigkeit und schleimhautgetragene Zahnprothesen, wie sie die Krankenkasse bezahlt, führen häufig zu einem Knochenschwund am Kiefer. Hier leisten wir zunächst mittels Transplantation von Beckenknochen „Aufbauarbeit“. Später werden in diesen Knochenverbund mindestens 4 Implantate gesetzt und es können dann implantatgetragene Brücken befestigt werden die neben einer Wiederherstellung der Kaufunktion auch die ästhetische Korrektur eines „eingefallenen Gesichtes“ ermöglichen. .
Dies sind nur einige Beispiele, die zeigen, wie sehr die MKG-Chirurgie nicht nur eine konkrete operative Sanierung zum Ziel hat, sondern immer stärker auch von kosmetischen Aspekten mitbestimmt wird.
Prim. Univ.-Prof.. DDr. Franz Watzinger
Leiter der Abtlg.. f. Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
LKH St.Pölten, 3100 St. Pölten, Probst Führer Str. 4
Tel.: +43 (0) 664/221 49 43 oder 02742 300 15107
E-Mail: Franz.Watzinger@stpoelten.lknoe.at
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