"AKTUELLE FRAUENMEDIZIN 2010"

Pressekonferenz des Berufsverbandes Österr. GynäkologInnen

Mittwoch, 14.4.2010, 9:30h-10:30h
Presseclub Concordia, 1010 Bankgasse 8


PROGRAMM

"Was FrauenärztInnen leisten“
Dr. med. Michael Enekheli
Präsident des BÖG

"Frauengeissel PMS“
Univ. Profin. Drin. med. Doris Gruber
Univ. Frauenklinik Wien

"Das neue Public Health Dossier - HPV“
Univ. Profin. Drin. med. Ursula Kunze
Inst. f. Sozialmedizin d. Univ. Wien

“Notfallpille alt & neu—Was-wann?”
Drin. med. Doris Linsberger
Stv. Fachgruppenobfrau ÄK Niederösterreich


Was leisten FrauenärztInnen in der Präventionsmedizin?

Die Frauenheilkunde in der Praxis wird seit einem halben Jahrhundert mit zwei großen Themen assoziiert. Mit der Krebsvorsorge zum Einen und mit der Schwangerschaftsverhütung zum Anderen. Neben diversen kurativen Aufgaben im niedergelassenen Bereich sind es vor allem diese beiden Themenkreise die unser Fach nachhaltig verändert haben.

Durch die Etablierung der sekundären Prävention des Zervix-Karzinoms in den 60er Jahren und dem großen Erfolg konnte eine Patientinnenbindung entstehen, die besonders in der Altersgruppe der heute prämenopausalen Frauen durch die regelmäßigen Besuche insgesamt neue Möglichkeiten der Interaktion brachte. Häufigkeit sowie Regelmäßigkeit der Kontakte schaffen Vertrautheit, bilden die Basis für Glaubwürdigkeit und Kompetenz.

Wer ärztlicherseits diesen regelmäßigen Kontakt nicht als Chance für die kompetente Auseinandersetzung mit präventionsmedizinischen Aspekten nützt, verschwendet wertvolle Ressourcen und erweist den Frauen damit letztlich keinen guten Dienst. Die überwiegende Mehrheit der niedergelassenen KollegInnen versteht sich entsprechend dieser Situation als Präventivmediziner/in.

Grundsätzlich gilt: die Anliegen der Patientinnen werden wahrgenommen und die ärztliche Kompetenz in engagierter Fortbildung aktuell erweitert. Man könnte sagen: FrauenärztInnen sind jetzt schon bereit, sozialmedizinische Aufgaben zu übernehmen wenn es um Prävention geht.

Die Projekte des Berufsverbandes der letzten Jahre bestätigen das Interesse der Kollegenschaft an präventionsmedizinischen Themen sogar wenn diese außerhalb des herkömmlichen gynäkologischen Betätigungsfeldes liegen. Als Beispiel seien hier Impfseminare für FrauenärztInnen erwähnt.

Vor dem Hintergrund, dass sich in der Prävention des Gebärmutterhalskrebses in den nächsten 5-10 Jahren einiges, vor allem im Hinblick auf empfohlene Kontroll-Intervalle, ändern wird, möchte ich daher ganz explizit die Bedeutung einer vertrauensvollen Patientenbindung als wertvolles Instrument für präventivmedizinische Programme unterstreichen.

FrauenärztInnen begleiten ihre Klientel oftmals vom ersten Sexualkontakt bis ins hohe Alter. Dieses Phänomen ist in der kurativen Betreuung einzigartig und kann aus präventivmedizinischer Sicht nicht hoch genug eingeschätzt werden. Kein anderes Fachgebiet hat daher – was die Frauengesundheit betrifft – ein auch nur annähernd ähnliches Potential, rechtzeitig gesundheiterhaltend einzugreifen.

Dr. Michael Elnekheli
FA f. Gynäkologie, Präsident des Berufsverbandes Österr. GynäkologInnen
1160 Wien, Thaliastr. 102/3/7
Telefon: 0043/1/481 21 21
Mail: michael.elnekheli@web.de
_________________________________________________________________________________________________________

Frauengeissel PMS

Das prämenstruelle Syndrom (PMS) ist gekennzeichnet durch zyklisch auftretende Beschwerden, die typischerweise einige Tage vor dem Beginn der Periodenblutung auftreten und mit ihrem Beginn wieder verschwinden. Häufig betrifft es Frauen zwischen 30 und 40 Jahren, nach den Wechseljahren ist das PMS naturgemäß nicht mehr vorhanden. Die Häufigkeit schwankt je nach Statistik stark und ist durch kulturelle Faktoren sowie von der Einstellung zur Monatsblutung beeinflusst. Etwa 2-10% aller Frauen leiden unter einem behandlungsbedürftigen PMS.

Zu den körperlichen Beschwerden zählen: Kopfschmerzen, Migräne und andere Schmerzzustände, Wassereinlagerungen - vor allem in den Beinen - und Gewichtszunahme, häufiger Harndrang, schmerzhafte Brüste und sensible Brustwarzen, Herzbeschwerden, Schwindel, Schlafstörungen. Aber auch psychische Veränderungen wie Unlust und Antriebslosigkeit, Unausgeglichenheit, Stimmungsschwankungen, Aggressivität und depressive Verstimmung werde von den Betroffenen genannt.

Das Erklärungsmodell besteht in einem Progesteronmangel bei relativem Östrogenüberschuss. Daraus lassen sich etwa die Brustbeschwerden erklären. Allerdings finden sich bei PMS-Patientinnen auch abweichende Normwerte für Prolaktin, Aldosteron, Insulin und den Schilddrüsenhormonen. Daraus könnte man ableiten, dass es fehlerhafte Kreisläufe in mehreren hormonellen Systemen gibt. Zumindest könnten diese Faktoren die Wassereinlagerung im Gewebe erklären. Andererseits lassen sich Reizbarkeit und andere depressive Verstimmungszustände auf das relative Gestagendefizit zurückführen, da Progesteron im Gehirn eine stimmungsaufhellende Wirkung hat, die eben fehlt.

Während in dieser Indikation früher meist zu Hormonpräparaten gegriffen wurde, ist man damit heute deutlich zurückhaltender. Tatsächlich kann die Verordnung einer „Pille“ zu günstigen Ergebnisse führen. Auch der gezielte Ausgleich des Gestagendefizits kann sich lindernd auswirken.

Die Vorsicht im Hinblick auf Brustkrebs und auch die vermehrte Beachtung der sogenannten APC-Resistenz – einer vererbten Gerinnungsstörung (Häufigkeit 5-8%), die besonders bei jüngeren Patientinnen (20 bis 40 Jahre) für bis zu 30 % aller Thrombosen verantwortlich ist, lassen diese Zurückhaltung sinnvoll erscheinen. Bei zusätzlicher Einnahme hormoneller Kontrazeptiva, erhöht sich das Thromboserisiko bei heterozygoten Frauen mit APC-Resistenz etwa um das 7-Fache bei einer homozygoten Frau je nach Studie um das 80 bis 100-Fache.

Eine gute Alternative zu Hormonpräparaten bietet der so genannte Mönchspfeffer (Vitex agnus castus = Keuschlamm). Agnus castus Extrakte greifen durch Dopamin-ähnliche Wirkung in die Prolaktinsynthese des Körpers ein und beeinflussen so auch die Progesteronsynthese positiv. Die Inhaltsstoffe der verwendeten getrockneten Früchte sind: Iridoide (Agnosid, Aucubin), Flavonoide (Casticin, Diterpene) und ätherische Öle. In Studien wurde etwa das Präparat Agnuscaston® mehrfach auch gegen hormonelle Kontrazeptiva getestet.

Zusammengefasst ergaben diese Studien eine gleich gute Wirksamkeit sowohl gegen körperliche als auch gegen psychische PMS-Symptome – allerdings bei Wegfall hormoneller Risken und Nebenwirkungen. Agnucaston® wurde bei depressiver Verstimmung im Rahmen eines PMS sogar gegen das Anti-Depressivum Fluoxetin verglichen. Mit ident guter Wirkung, woraus aber nicht eine entsprechende Wirkung bei regulären Depressionen abgeleitet werden kann.

Auch bei Mastodynie – schmerzhaftes Brustspannen – kann Mönchspfeffer eingesetzt werden Hier steht mit Mastodynon® ein spezielles Mischpräparat zur Verfügung.

Univ.Prof.in Dr.in Doris Gruber
Univ. Frauenklinik Wien, AKH
A-1090 Wien, Währinger Gürtel 18-20
Ordination: 1050 Wien, Wiedner Hauptstr. 95
T: 0664- 407 2066 ; M:doris.gruber@meduniwien.ac.at
_________________________________________________________________________________________________________

Der neue Public-Health-Bericht zu HPV

„Public Health“ ist ein Fachgebiet, das sich mit allen Aspekten beschäftigt, die Erhaltung und Optimierung der Gesundheit der Gesamtbevölkerung betreffen. Ein wichtiges Thema ist die „Primäre Prävention“ und hier insbesondere die Impfungen, die in ihrem Wert für die primäre Prävention unerreicht sind. Unser erster Bericht beschäftigt sich nicht zuletzt deshalb mit dem Thema HPV und der HPV-Impfung. Österreich war das erste Land in Europa, das eine Empfehlung zur HPV-Impfung vorweisen konnte. Heute ist Österreich das einzige Land, in dem es keine (zumindest teilweise) finanzielle Erstattung dieser Impfung gibt und ist zudem in Bezug auf die Durchimpfungsrate (< 1%) Europas Schlusslicht. In unserem Bericht haben wir Daten und Fakten gesammelt, um die Situation der HPV-Impfung national und im internationalen Vergleich darzustellen. Wir hoffen, dass unsere Initiative die Grundlage für eine seriöse Diskussion zu HPV bieten kann.

In Europa werden jährlich rund 33.000 Neuerkrankungen an Zervixkarzinom diagnostiziert, 15.000 Frauen sterben (Österreich ca. 600 Fälle, ca. 300 Todesfälle). Die meisten Todesfälle sowie ein Großteil der Erkrankungsfälle wären zu vermeiden. Die HPV-Impfung bietet großes präventives Potential, das nicht zuletzt auch Krebsvorstufen und Folgeoperationen verhindert werden. Auch die häufigste sexuell übertragbare virale Erkrankung bei Frauen und Männern - Condylome (Genitalwarzen) - könnte um rund 90% reduziert werden. Bis zu 1% der Bevölkerung leidet aktuell an GW, bis zu 10% der Frauen bis 45 Jahren waren zumindest einmal betroffen.

Einige wichtige Fakten aus dem Bericht:
Gebärmutterhalskrebs ist nur die Spitze des Eisberges. HP-Viren verursachen darüber hinaus noch weitaus mehr Gesundsheitsschäden (HNO-Tumoren, Anal- und Penistumoren, Vulva- und Vaginalkarzinome, juvenile Larynxgspapillomatose uam). Jährlich werden in Österreich rund 6.000 Gebärmutterhalskrebsvorstufen operativ entferntet, meist bei jungen Frauen.

Die Sicherheit der Impfstoffe wird durch zahlreiche Studien und Anwendungsberichte bestätigt. Es wurden weltweit bisher rund 60 Millionen Dosen der HPV-Impfstoffe verabreicht.

Die primäre Zielgruppe der Impfung sind junge, HPV-naive Mädchen und Frauen vor einer Erstinfektion mit HPV, d.h. im Idealfall vor Aufnahme der sexuellen Aktivität. Sexuell aktive Frauen und Mädchen profitieren auch nach möglicher HPV-Exposition von der Schutzwirkung der Impfung (auch vor Reinfektion). Schulbasierte Impfprogramme zeigen international mit Durchimpfungsraten von 80-90% die besten Ergebnisse.

Die Impfung ist auch bei Männern sicher und wirksam, Inzidenz HPV - assoziierter Condylome und Krebserkrankungen könnte gesenkt werden, einer der Impfstoffe ist durch die FDA in Amerika für Männer bis 26 Jahre bereits zugelassen.

Die Kombination von Impfung und Screening erreicht die höchste Wirksamkeit mit > 90% vermeidbarer Fälle von Gebärmutterhalskrebs.

Gesambericht HIER online abrufbar

Univ. Prof. Dr. Ursula Kunze
Institut f. Sozialmedizin der Univ. Wien
1090 Wien, Rooseveltplatz 3
Telefon: 0043/1 427764601
Mail: ursula.kunze@meduniwien.ac.at
__________________________________________________________________________________________________________

Notfallpille alt & neu – Was wann?


Seit Jänner 2010 steht mit ellaOne® ein zusätzliches Präparat für die Notfallkontrazeption zur Verfügung. Gleichzeitig wurde seitens des Gesundheitsministers in einer - nicht mit den gynäkologischen Gremien abgestimmten - Aktion eines der bisher verfügbaren Produkte, Vikela®, von der ärztlichen Verordnungspflicht entbunden. Was bedeutet dies in der Praxis und vor allem – ist das tatsächlich ein Vorteil für die Betroffenen?

Kurz zu den Präparaten. Beide dienen der Notfallkontrazeption. Das heißt, eine Schwangerschaft wird verhindert. Beide beeinflussen eine bestehende Schwangerschaft nicht. Bei beiden wäre es daher grob falsch, ihnen abortive Wirkungen zu unterstellen. Definitionsgemäß spricht man von Abortus dann, wenn eine bereits bestehende Schwangerschaft unterbrochen wird.

Die Wirkstoffe der beiden Präparate sind jedoch sehr unterschiedlich. Die Wirksubstanz in Vikela® ist Levonorgestrel, ein synthetischer Abkömmling des Schwangerschaft erhaltenden Hormons Progesteron, wie es auch in üblichen Pillen Verwendung findet. Dem Körper wird biochemisch eine „Schwangerschaft vorgespiegelt“ und er reagiert damit, dass er – für kurze Zeit - den Eisprung hemmt, bzw. verzögert. Der gewichtige Nachteil liegt in einer kurzen zuverlässigen Wirkdauer. Obwohl für bis zu 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr zugelassen, kann man von einer „sicheren“ Wirkung nur innerhalb von 12 Stunden, maximal jedoch 24 Stunden sprechen. Bei jedem größeren Intervall der Einnahme nach dem ungeschützten Verkehr sinkt die Zuverlässigkeit drastisch ab.

Ullipristal – die Wirksubstanz in ellaOne® - wurde gezielt zur Notfallkontrazeption entwickelt. Zusätzlich zur Ovulationshemmung weist es eine nidationshemmende Wirkung auf die Gebärmutterschleimhaut auf. Dieses duale Wirkprinzip erweitert den Anwendungsspielraum auf 120 Stunden – also 5 Tage nach dem ungeschützten Verkehr.

Nach rund 3 Monaten der freien Abgabe von Vikela® hat sich gezeigt, dass diese sehr unterschiedlichen Anwendungskriterien der beiden Notfall-Pillen gegenüber den Betroffenen nicht kommuniziert werden. Abgegeben wird, weil rezeptfrei, in Apotheken bei der Problemstellung „Notfallkontrazeption“ stereotyp das Hormonpräparat Vikela®, obwohl bei entsprechender Anamnese – länger als 24 Stunden zurückliegender ungeschützter Koitus - dem verschreibungspflichtigen Präparat eindeutig der Vorzug zu geben ist.

Daraus resultiert ganz klar, dass der rein gesellschaftspolitisch motivierte und weder mit FrauenärztInnen, noch ApothekerInnen oder der Industrie abgestimmte Wegfall der primären ärztlichen Verordnungspflicht für die gesamte Indikation de facto zu eklatanten Nachteilen für die Betroffenen führt. Der Wegfall der frauenärztlichen Beratungskompetenz führt zu unnotwendigen und damit verantwortungslosen Hormongaben sowie zur Abgabe des falschen Präparates in Bezug auf den Zeitpunkt des Koitus.

Aus diesem sorglosen politischen Umgang mit Hormonen ergibt sich eine weitere Gefahr. Es könnte sich um die „Overtüre“ zu einem weiteren gefährlichen, verantwortungslosen Schritt führen. Der Freistellung der regulären oralen Kontrazeption, also der „Pille“, von der ärztlichen Verordnungspflicht. Das wäre allerdings eine fatale Entscheidung, da in diesem Fall die frauenärztliche Kompetenz genauso durch ein „Beratungsgespräch“, das in Apotheken von jeder Art des dort beschäftigten Personals - also auch von nur angelernten Verkaufskräften durchgeführt wird - ersetzt würde. Das lässt die Aufhebung der Verordnungspflicht in einem Licht erscheinen, das mit realen Vorteilen für die Frauen nur sehr, sehr wenig zu tun hat. Daher ist künftig eine bessere Kooperation der Gesundheitspolitiker mit den Fachgremien der Ärzteschaft zu wünschen, um gemeinsam durchdachte und frauenfreundliche Problemlösungen zu entwickeln und umzusetzen.

Drin. Doris Linsberger
FÄ für Gynäkologie und Geburtshilfe
3500 Krems/Donau, Margaretenstr. 6
T: 02732 860 44-1, M: dr.linsberger@gyn-krems.at
__________________________________________________________________________________________________________

DIE KOMPLETTEN UNTERLAGEN auf C D-R, Illustrations- und Hintergrundmaterial sowie FOTOS DER REFERENTiNNEN  JEDERZEIT VERFÜGBAR 

Anforderung