PRESSEINFORMATION 01/08/08

Medizin/Gesundheit – NoEmbargo


Tückischer Blasenkrebs

UNIKLINIK GRAZ NUN MIT NEUER SPEZIALAMBULANZ!

Graz. (IMC, DrWAS). Seit Kurzem bietet die Urologische Universitätsklinik unter Leitung von Univ.-Prof. Dr. Karl Pummer Ihren PatientInnen eine eigene Spezialambulanz für BlasenkrebspatientInnen an. - Unter dem Begriff Blasenkrebs versteht man bösartige Tumoren der Blasenschleimhaut, die das Innere der Harnblase auskleidet. - Die Vorteile für die Betroffenen sind vielfältig: sie haben immer dieselben ärztlichen ÀnsprechpartnerInnen, die mit „ihren“ PatientInnen dann besonders vertraut sind und damit Krankheitsverlauf, Risiken sowie Therapieerfolg besonders präzise beurteilen können. Nicht zuletzt ermöglicht dies den ÄrztInnen, auf ihre PatientInnen besonders intensiv und persönlich einzugehen.

Hochgerechnet tritt die Erkrankung bei 25 von 100.000 Einwohnern auf. Österreich verzeichnete 2004 lt. „Statistik Austria“ konkret 1.705 neue Blasenkrebs-Fälle – 1.236 Männer, 469 Frauen. Tendenz leicht steigend. Blasenkrebs ist also ein „Männerkarzinom“. Warum das so ist, konnte die Wissenschaft noch nicht schlüssig beantworten. Im Schnitt versterben jährlich rund 430 Menschen an dieser Krebsart (hier allerdings Frauen fast gleich häufig wie Männer). Rechtzeitig diagnostiziert, lässt sich das Karzinom in vielen Fällen durchaus gut (endoskopisch) behandeln, d.h. die Harnblase muss nicht entfernt werden.
Gibt es Warnzeichen?

Wie bei vielen bösartigen Tumoren gibt es leider keine spezifischen Beschwerden, die eindeutig auf diese Erkrankung hinweisen. Blut im Urin tritt bei acht von zehn Betroffenen auf und ist häufig das erste Zeichen. Diese Blutbeimengung kann gering und mit freiem Auge nicht erkennbar sein. Dann spricht die Medizin von einer „Mikrohämaturie“, die sich mit einem Teststreifen allerdings leicht diagnostizieren lässt. Tritt bereits eine Rotfärbung des Harns auf, nennt man das „Makrohämaturie“. Allerdings ist die Blutbeimengung nicht charakteristisch für Blasenkrebs, sondern kommt ebenso bei vielen Harnwegs- und Nierenerkrankungen vor.

Häufig sind die Patienten erst dann ernsthaft beunruhigt, wenn der Urin deutlich blutig ist, und nehmen daher relativ spät ärztliche Hilfe in Anspruch. Das Blasenkarzinom kann in diesen Fällen schon weit fortgeschritten sein. Das Blut muss im Urin auch nicht dauerhaft auftreten und kann nach einiger Zeit wieder verschwinden, obwohl die Erkrankung weiterhin besteht. Schmerzen treten eher in weiter fortgeschrittenen Stadien auf. Manchmal erst so spät, dass der Tumor dann bereits die Harnleiter bzw. Harnröhre verlegt. Weitere Symptome können häufiges oder schmerzhaftes Wasserlassen sein. Oder Harndrang im Sinne einer Blasenreizung. Jede chronische Harnblasenentzündung im Alter ist verdächtig, besonders wenn eine antibiotische Behandlung keinen Erfolg bringt.
Lebenslange Kontrolle?

Ein wesentliches Problem für die Medizin besteht darin, dass das Karzinom aber durch eine sehr hohe Rezidivhäufigkeit (=Wiederauftreten) gekennzeichnet ist. In vielen Fällen tritt das Karzinom dann auch an mehreren Stellen der Blase gleichzeitig und häufig als sehr flache, manchmal fast unsichtbare Wachstumsform auf.

Häufigkeit

Die Inzidenz (Erkrankungshäufigkeit) von Blasenkrebs ist geringfügig im Steigen begriffen. Er ist das 4.häufigste Karzinom des Mannes – Männer erkranken dreimal so häufig wie Frauen – und nimmt bei den Frauen in Sachen Häufigkeit Position 12 ein.

Ursachen

Wichtigste Ursache ist mit großem Abstand das Rauchen. Leider ist das ist so gut wie gar nicht bewusst, gefolgt von der Belastung des Organismus mit aromatischen Aminen (Anilin-Farbstoffe/Farbinidustrie), aber auch bestimmte chronische Formen der Harnblasenentzündung (z.B durch Bilharziose, HPV-Infektion) oder chronische Harnwegsinfekte (Dauerkatheter)


Gibt es verschiedene Blasenkrebsarten?
Grundsätzlich unterscheidet man gleichsam drei Formen des Blasenkrebses:
• Carcinoma in situ (CIS) – eine potentiell hochgefährliche Form. Da mit freiem Auge kaum erkennbar, gilt diese Variante grundsätzlich als gefährlich.

• Das oberflächliche Karzinom – es macht rund 80% der Fälle aus. Es kommt zu einem Tumorwachstum an der Oberfläche der Blasenschleimhaut. Hierzu zählt auch eine Variante, bei der viele kleine und kleinste Karzinome auftreten, die mit freiem Auge schlecht sichtbar sind. Weniger gefährlich, aber eine extreme Belastung für die Betroffenen, die sich wegen der enormen Rezidivhäufigkeit dieser Verlaufsform entsprechend häufig Operationen unterziehen müssen.

• Die dritte Form ist das in die Tiefe wachsende (invasive) Karzinom, das die Blut- und Lymphschranke durchbricht und so metastasiert. Die Häufigkeit liegt bei etwa 20%; mit jedem Rezidiv steigt auch die Gefahr des invasiven Wachstums (Progression). Hier wird in der Regel die Blase entfernt und durch eine Ersatzblase aus Darmgewebe ersetzt.

Aus diesem Überblick ergibt sich die Wichtigkeit einer möglichst genauen Tumordiagnostik. Denn nicht alle Karzinom-Formen sind mit herkömmlichen Methoden gut erkennbar. Und das macht diese Krebsart gefährlich.

Diagnostik verbessert

Für Blasen-Tumore verfügt die Medizin mit der herkömmlichen Blasenspiegelung über eine Methode, die sowohl eine hohe Sensitivität als auch Spezifität aufweist.

Anders die Situation bei den Blasen-Karzinomen, die sich als „flache Karzinome“ oder CIS (Carcinomata in Situ) darstellen. CIS sind solche Karzinome bzw. Prä-Karzinome, die sich auf die oberflächliche Zellschicht beschränken und noch nicht in tiefere Strukturen - insbesondere Gefäße (Metastasierung) – eingewachsen sind.
Diese spezielle Variante des Blasenkrebses macht bis zu 10% der Fälle aus. Wenngleich diese Zahl auf den ersten Blick vielleicht gering erscheinen mag, so gibt es einen Umstand, der das Bild schlagartig ändert: die extreme Gefährlichkeit eben dieser Gruppe. Und zwar so gefährlich, dass nach nur 3 Monaten es schon zum Wiederauftreten oder zur Progression kommen kann.

Das Problem: die sonst so bewährte, herkömmliche Cystoskopie weist hier eine hohe Versagerquote auf und im Extremfall kann eine verzögerte Diagnose für die Betroffenen tödliche Folgen haben.

Daher kommt auch an der Grazer Universitätsklinik für Urologie eine neue Methode zum Einsatz – die standardisierte Fluoreszenz-Technik. Vom Prinzip her stützt sie sich auf die Tatsache, dass bösartige Tumorzellen aufgrund ihres hohen Stoffwechsels die eigens zugeführte fotoaktive Substanz intensiver aufnehmen. Bildhaft gesprochen, saugen sie die diagnostische Substanz in sich hinein und beginnen dann unter Verwendung von Blaulicht bestens sichtbar in grellem Pink zu „leuchten“. Man spricht hier von einer photodynamischen Reaktion. Eine europäische Studie konnte eine Steigerung der Diagnosen-Rate um 25% nachweisen. Auch bei verstreuten, weniger aggressiven Karzinomen kann die standardisierte Fluoreszenzmethode relevante Vorteile aufweisen. Ebenso kann damit durch verbesserte Primärdiagnostik die Rezidivrate gesenkt werden. Die Technik ist unkompliziert durchführbar und verursacht bei sehr hoher Trefferquote so gut wie keine Nebenwirkungen.

+++ende+++ (7.004 Zeichen, inkl. Leerzeichen)


SERVICE - KONTAKT

Univ.-Prof. Dr. Karl Pummer

Vorst. d. Univ. Klinik f. Urologie, MUGraz, 8036 Graz, Auenbruggerplatz 7.
T: 0316-385-2508
Mail: karl.pummer@meduni-graz.at

ILLUSTRATIONSFOTOS AUF ANFORDERUNG VERFÜGBAR: service@intmedcom.com

Weitere Informationen: http://www.intmedcom.com/22000/a290307_pr.htm