Medizinisches Simulationszentrum - Zukunftspreis 2010 vergeben
In den Räumlichkeiten der NÖ Versicherung in St. Pölten fand kürzlich die Verleihung des Zukunftspreises 2010 statt. In der Kategorie „Qualifikation“ erging diese Auszeichnung an das „Zentrum für Medizinische Simulation“ in Hochegg/NÖ.
Prim. Dr. Helmut Trimmel, der Leiter des Simulationszentrums: „Viele Krankheitsbilder, wie beispielsweise ein akut auftretender, unerwarteter Herzstillstand oder ein schwerer Schockzustand können realitätsnah simuliert werden. Der Nutzen von Simulationstraining ist seit langem in der Luftfahrt bekannt und auch für die Akutmedizin mittlerweile wissenschaftlich gut belegt. Aus diesem Grunde wünsche ich mir, dass viele Kolleginnen und Kollegen von diesem Angebot Gebrauch machen.“
„Das Simulationszentrum ist eines der zukunftsweisenden Projekte in der Medizin. Ich gratuliere Prim. Dr. Helmut Trimmel und seinem Team ganz besonders herzlich zu diesem Preis. Er ist eine hohe Anerkennung für die innovative Arbeit und den unermüdlichen Einsatz“, gratulierte der ärztliche Direktor des LK Wiener Neustadt Prim. Univ.-Doz. Dr. Paul Christian Hajek.
Laut Statistik sind etwa in der Luftfahrt bis zu 75 Prozent der Fehler auf menschliche Faktoren zurückzuführen. Um im Notfall richtig reagieren zu können, brauchen Piloten Kommunikationsfähigkeit, Führungsstärke, rasches Entscheiden und Willensstärke – Kompetenzen, die sie u.a. im Flugsimulators üben. Diese Form des Lernens wurde nun auch für die Medizin weiterentwickelt: denn so gut die theoretische und praktische Ausbildung der Ärzte und Pflegenden ist –effizientes und sicheres Arbeiten im Team und eine reibungslose Kommunikation auch in Stresssituationen lernen sie erst während der praktischen Tätigkeit am Patienten – oder im Simulator, wie ab nun auch im Landesklinikum Hochegg.
Geleitet wird dieses Zentrum von Prim. Dr. Helmut Trimmel, Vorstand der Abteilung Anästhesie, Notfall- und Allgemeine Intensivmedizin am Landesklinikum Wiener Neustadt. Ein Team von aktuell 12 Personen – Ärzte, Pflegepersonal und Psychologen – stehen für die Simulationstrainings zur Verfügung. Geübt wird im Operationssaal, an einer Intensiveinheit oder im Schockraum an Patientensimulatoren: es stehen derzeit ein Baby- und zwei Erwachsenensimulatoren zur Verfügung. Diese hightech-„Puppen“ sind auf dem letzten Stand der Technik und können viele Krankheitsbilder absolut realistisch simulieren, atmen und geben Geräusche von sich, zeigen blutende Wunden oder auch Krampfanfälle – je nach Trainingsszenario. Selbstverständlich sind Puls und Blutdruck messbar, das EKG kann abgeleitet, Rhythmusstörungen eingespielt werden. Sogar eine Medikamentenerkennung ist inkludiert: hier wird automatisch erkannt und dokumentiert, welches Medikament wann in welcher Dosierung verabreicht wurde – und der künstliche Patient reagiert auch darauf wie in der Realität. Dazu steuert einer der Instruktoren via WLAN die „Puppe“ und macht sie so „lebendig“ – sämtliche Vitalfunktionen sind von dieser Steuereinheit aus abrufbar. Damit erleben die Übenden das Szenario wie im Echtfall.
In den Simulationstrainings spielen die Teilnehmer verschiedene Szenarien durch, um im Ernstfall richtig zu reagieren. So können sie auch seltene Komplikationen üben. Vermittelt werden in den Trainings neben medizinischem Wissen vor allem die eingangs erwähnten „human factors“ wie etwa Teamfähigkeit, Kommunikation, Führungsverhalten und Entscheidungsfindung. Auch ein Psychologe ist beim Training dabei: im Rahmen der Nachbesprechungen („debriefings“) wird über das Verhalten und die Entscheidungsprozesse in diesen Stresssituationen reflektiert. Die Teilnahme am Simulationstraining ist natürlich freiwillig.
Die Vorteile von Simulationstrainings auf einen Blick:
* Lernen unter realen, aber kontrollierten (und wiederholbaren) Bedingungen
* Erkennen und Bearbeiten des Einfluss der sog. „Human Factors“ auf das verhalten in kritischen Situationen – Entscheidungsfindung, Kommunikation, Führungsverhalten, teamorientierung, situatives Bewusstsein. Aus der Interdisziplinarität des Trainings entstehen Optimierung von Abstimmungsprozessen zwischen Ärzten und Pflegepersonal und Förderung von Teamgeist und Teamarbeit
* Vorbereitung und Einübung von Behandlungsschritten in schwierigen Notfallsituationen („Algorithmen“) - ergänzend zur Theorie wird ein aktiver Lernprozess in der Praxis ermöglicht.
* Das Üben von Behandlungsprozeduren ermöglicht die Definition optimaler Behandlungsabfolgen.
* Teilnehmer erhalten direktes Feedback auf Verhalten und Entscheidungen.
* Die Videodokumentation lässt Teilnehmer ihr Verhalten selbst nachvollziehen und analysieren, ein Psychologe begleitet das Training. Bei der Nachbesprechung findet Reflexion über das eigene Verhalten und die abgelaufenen Entscheidungs- und Kommunikationsprozesse statt.
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Quelle: Landesklinikum Wr. Neustadt
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