Österreichische Gesellschaft für Nuklearmedizin

PRESSEKONFERENZ anlässlich der Jahrestagung 2009

„Innovative Nuklearmedizin"

Donnerstag, 22.01.2009

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„Zauberwort PET-CT“
Prim. Univ.-Prof. Dr. Christian Pirich
Paracelsus Privatuniversität Salzburg

„PET-CT – entscheidend in der Onkologie“
Univ. Prof. Dr. Markus Raderer
Univ. Klin. f. Innere Medizin I, AKH-Wien

„Neue Euro-Standards bei Schilddrüsenkrebs“
Prim. Univ.-Doz. Dr. Alexander Becherer
LKH-Feldkirch

"Bedrohen Reaktorausfälle die nuklearmedizinische Diagnostik?"
Univ. Doz. Mag. Dr. Markus Mitterhauser
Univ. Klin. f. Nuklearmedizin, AKH-Wien


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Aktueller Kommentar:

Die heutige PK war wie immer sehr interessant.
Vielen Dank & herzliche Grüße,
N. Martinek

Mag. Nicole Martinek
Redaktion ärztemagazin
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„Zauberwort PET-CT?“


Die Nuklearmedizin ist eine besonders stark technikdominierte medizinische Disziplin. Daher sind Neu-Entwicklungen in der Medizintechnik meist gleichbedeutend mit Fortschritt in der Nuklearmedizin.

Ein solches modernes Verfahren, das mittlerweile breiten Einsatz findet ist das so genannte PET-CT. Es handelt sich dabei um eine Kombination der Positronen-Emissions-Tomografie, die aus der Nuklearmedizin kommt, mit der Computertomografie (CT), die ihren Ursprung in der Radiologie hat und. Während das CT eine rein topografisch-anatomische Information vermittelt, gibt das PET über funktionelle Strukturen (zB. aktives Tumor-Gewebe) Auskunft. Noch weiter vereinfacht, weiß das CT „DASS da etwas sein muss“, während die PET sagt, „WAS da ist“.

Leicht nachvollziehbar, wie vorteilhaft die Kombination der beiden Techniken ist, die dann in einer einzigen Untersuchung sagen kann, wo exakt ein Tumor sitzt oder sich eine Lymphknotenmetastase befindet.

Diese Auskunft darüber, was wo geschieht, wird von eine konstant steigenden Zahl von medizinischen Fächern in Anspruch genommen. Sehr zur Freude der „noch jungen“ Nuklearmedizin, die damit ihren Stellenwert im Konzert der medizinischen Disziplinen stark und relevant steigern kann.

Einige Beispiele solcher neuer Partnerschaften gibt es mit der Chirurgie (Indikationsstellung und Operationsplanung), der Dermatologie (Aufspüren von Melanomgewebe), der Pulmologie (Lungenkrebs), der Radiotherapie (Zielbestimmung und Erfolgskontrolle) oder der Onkologie (Therapiekontrolle), um nur einige zu nennen. Konkrete klinische Details und Nutzen für die PatientInnen aus der Onkologie wird Prof. Raderer gesondert ausführen.

Nicht mitgemacht haben diesen medizinischen Entwicklungsschub allerdings die Sozialversicherungsträger. Es fehlt seitens dieser Institutionen am Wissen wie sehr das PET-CT sinnlose (weil aussichtslose) Operationen vermeidet oder onkologische Therapien durch verfeinerte Therapiekontrolle und -Abstimmung erfolgreicher macht oder die Früherkennung und rechtzeitige Behandlung von Sekundärtumoren ermöglicht.

All diese mit dem PET-CT untrennbar verbundenen Erfolge helfen, große Summen an Kosten für erfolglose Operationen, unspezifische Therapien etc. zu sparen. Bildhaft gesprochen ersetzt ein „Mikroskop“ damit vielfach den enorm kostenintensiven „Blick mit dem freien Auge“ mit der erfreulichen „Nebenwirkung“, dass gezielte Therapien natürlich auch die Lebensqualität der Patientinnen in jeder Weise positiv beeinflussen.

Als Gesellschaft für Nuklearmedizin verlangen wir in diesem Sinne daher hier ein rasches und zukunftsorientiertes Umdenken zum Nutzen der PatientInnen.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Christian Pirich
Vorst. d. Univ.- Klinik f. Nuklearmedizin & Endokrinologie
Univ.-Klinikum der Paracelsus medizinischen Privatuniversität Salzburg, LKH Salzburg
AT-5020 Salzburg, Müllner Hauptstr. 48
T: +43 . (0)662 . 4482.3500
Email: c.pirich@salk.at

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„PET-CT – entscheidend in der Onkologie“


Grundsätzlich kann gesagt werden, dass das PET-CT einen entscheidenden Fortschritt in der Onkologie darstellt. Betroffen sind neben der Diagnostik der Tumorausdehnung die Strahlentherapie und natürlich ganz besonders die onkologische Chirurgie. Dies ist eine Entwicklung zum Nutzen der PatientInnen vor allem der letzten Jahre.

Im Detail besteht der Fortschritt darin, dass man nun bösartige Erkrankungen sowohl hinsichtlich Lage als auch Funktion auf einen Blick zuordnen kann.

Der spezielle Benefit für den Onko-Chirurgen besteht nun darin, dass er mit dieser Untersuchung abschätzen kann, ob geplante Operationen sinnvoll sind oder nicht. Ob ggf. neben dem bekannten Tumor auch schon Lymphknoten befallen sind, sodass eine chirurgische Therapie keinen Sinn macht und andere Behandlungswege gewählt werden müssen. Überflüssige Operationen können so zugunsten besserer Alternativen bei vielen Patienten vermieden werden.

Der besondere Nutzen für den Strahlentherapeuten liegt in der exakten Abschätzung wie umfassend das „Feld“ der Strahlenbehandlung zu wählen ist und in der Folge, ob das Karzinom auf die Bestrahlung erwartungsgemäß reagiert hat.
Die Frage nach der Ausdehnung des Lymphknotenbefalls ist zum Beispiel im Zusammenhang mit Lungenkrebs von Bedeutung.

Beim Darmkrebs dient die Methode zur rechtzeitigen Erkennung von Rezidiven, vor allem im Operationsnarbenbereich. Aber auch bei anderen häufigen Tumorerkrankungen wie bei HNO-Tumoren, Brustkrebs, Bauchspeicheldrüsenkrebs oder Karzinomen der Eierstöcke ist PET-CT ein wertvolles Hilfsmittel. Ich persönlich bin spezialisiert auf maligne Lymphome, wo das PET-CT neben Auskunft über die Ausdehnung der Erkrankung auch für eine frühe Beurteilung des Therapie-Erfolges von Bedeutung sein kann.

Trotz all dieser „Segnungen“ und Fortschritte, die wir dem PET-CT verdanken darf aber nicht aus den Augen verloren werden, dass es sich nicht um eine neue „diagnostische Wundermethode“ handelt, die alle anderen Untersuchungen überflüssig werden lässt. CT, MR, PET und Ultraschall werden auch in Zukunft ihre Bedeutung behalten. Daher ist es wichtig, dass nicht jeder Patient unkritisch die „modernste“ Methode, also das PET-CT durchläuft, wenn andere Methoden gleichgut oder sogar besser sind – hier ist ein entsprechender Kontakt zwischen dem behandelnden Arzt und dem Nuklearmediziner von entscheidender Bedeutung! Aber gerade bei häufigen Tumoren wie dem Lungenkarzinom, an dem EU-weit jährlich geschätzt 440 000 Menschen versterben, stellt PET-CT in der Wahl der richtigen Therapie ein wichtiges Hilfsmittel in der Wahl der optimalen Therapie früher Stadien dar!

Auch weiterhin unverzichtbar wird die Gewebebiopsie sein, die uns zeigt, welche Art von Tumorgewebe vorliegt – auch moderne Methoden wie PET-CT können die Ergebnisse einer Gewebeprobe in den meisten Fällen nicht ersetzen. Letztendlich bleibt der vom Pathologen erstellte histologische Befund der wohl wichtigste Eckpfeiler für die therapeutische Entscheidung.

Keinesfalls ist das PET-CT als allgemeine Screeningmethode in der Gesundenuntersuchung geeignet. Hier gibt es sogar Studien, die die Grenzen der Methode aufzeigen und belegen, dass dadurch teilweise mehr Schaden im Sinn falsch positiver Befunde entsteht.

Univ.-Prof. Dr. Markus Raderer
Medizinische Univ. Klinik I, AKH Wien
AT-1090 Wien, Währinger Gürtel 18-20
T: +43 . (0)1.40400. 2296, F: …4461
Email: markus.raderer@meduniwien.ac.at
„PET-CT – entscheidend in der Onkologie“

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Schilddrüsenkrebs – Die neuen Euro-Standards!


Beim Krebs der Schilddrüse gibt es deutlich weniger Studien als etwa beim Mamma-Ca, Bronchus-Ca und Dickdarm-Ca zur Wirksamkeit von Therapien. Insbesondere stehen kaum Daten zur Verfügung, denen eine Randomisierung der Patientengruppen zugrunde liegt. Der Hauptgrund dafür ist sicher die relative Seltenheit der Erkrankung im Vergleich zu den etwa oben genannten Krebstypen. Dementsprechend wird die Behandlung, aber teilweise auch die Diagnostik, uneinheitlich gestaltet, was wiederum wenig zur Verbesserung des Wissens über die optimale therapeutische Strategie beiträgt.

Vor einigen Jahren bereits erschienen Konsensus-Statements, die das Vorgehen beim Schilddrüsenkarzinom erleichtern sollen. Allerdings besteht auch hier wieder eine Diversifikation zwischen dem europäischen Konsens, an dem auch ein österreichischer Wissenschaftler mitwirkte und dem nordamerikanischen Konsens.

Nun erschien ein neuer Euro-Konsens zur Indikationsstellung und Durchführung der Radiojodtherapie, einer wesentlichen Säule der Behandlung des Schilddrüsenkarzinoms. Es besteht Einigkeit, dass nicht nur die Nachsorge sondern auch die Behandlung unter Zuhilfenahme eines Medikaments (Thyrogen) erfolgen soll, das aus einem gentechnischen Hormon besteht. Dadurch kann den Patienten erspart werden, einen wochenlangen Entzug der Schilddrüsenhormone mit Herbeiführung einer schweren Schilddrüsenunterfunktion in Kauf zu nehmen, da dieses Medikament eine artifizielle Unterfunktion herstellen kann, die aber fast nebenwirkungsfrei ist.

Der „Nachteil“ des Medikaments, das schon länger eine EU-Zulassung in diesen Indikationen besitzt, ist der Preis, der durch die aufwändige Herstellungsart entsteht. Vor dem Hintergrund von lediglich rund 740 Neuerkrankungen pro Jahr (Zahl von 2005, Quelle: Statistik Austria) geht es in diesem Zusammenhang aber nicht um Beträge, die die Gesamt-Kosten anderer hochpreisiger onkologischer Therapien auch nur annähernd erreichen. Dennoch war in der jüngeren Vergangenheit die Erstattung der Kosten dafür wiederholt ein Streitthema. Durch konsequente Information bei den politisch Verantwortlichen konnte bei der Neufassung der leistungsorientierten Krankenhausfinanzierung (LKF) ab 2009 erreicht werden, dass die Gabe des Medikaments deutlich besser refundiert wird als bisher. Dies sollte auch die Umsetzung der Eurostandards, in denen die Anwendung bis auf wenig kontraindizierende Konditionen ausdrücklich vorgeschlagen wird, vereinfachen.

Die Standards sehen neben der Anwendung des oben erwähnten Medikaments auch den Ausschluss bestimmter niedriger Stadien von der Radiojodtherapie vor, da diese in diesen nach dem heutigen Stand des Wissens nicht mehr nötig erscheint. In Österreich wird übrigens schon seit einiger Zeit in der Mehrzahl der Zentren die Therapie des differenzierten Schilddrüsenkarzinoms konform zu diesen Leitlinien durchgeführt.

Die Österreichische Gesellschaft für Nuklearmedizin stellt einmal mehr fest, dass nur im Klinischen Sonderfach Nuklearmedizin eine umfassende Auseinandersetzung mit der Erkrankung Differenziertes Schilddrüsenkarzinom erfolgt und dass nur durch Fachärztinnen und Fachärzte für Nuklearmedizin die Behandlung nach dem medizinischen Stand des Wissens stattfindet. Eingeschlossen ist hier natürlich die enge Kooperation mit den chirurgisch tätigen KollegInnen, die die PatientInnen schon vor dem Eingriff auf eine entsprechende Medikation einstellen sollten. Vor dem Hintergrund konstant steigender Fallzahlen ist die Betreuung von Patienten mit Schilddrüsenkarzinom eine wesentliche Aufgabe unseres Faches.

Prim. Univ. Doz. Dr. Alexander Becherer
LKH Feldkirch, Vorst. d. Abtlg. f. Nuklearmedizin
A-6807 Feldkirch, Carinagasse 47
Telefon: 05522 303 3201, Fax: 05522 303 7516, E-Mail: alexander.becherer@lkhf.at

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„Bedrohen Reaktorausfälle die nuklearmedizinische Diagnostik?“

Was viele nicht wissen: Kernreaktoren dienen nicht nur der Energiegewinnung, sondern liefern auch Rohstoffe für bedeutende medizinische Anwendungen –vor allem in der Nuklearmedizin. Das wichtigste Radionuklid ist das Molybdän (Mo), es dient der Herstellung/Gewinnung des zur medizinischen Diagnostik eingesetzten Technetiums (Tc-99m).

Konkret besitzen nur etwa 5 Kernreaktoren weltweit eine derartige Lizenz zur Molybdän-Herstellung für Europa. Drei davon befinden sich in Europa (NL, F, B) einer in Kanada und einer in Südafrika.

An ein Krankenhaus wird der „Rohstoff“ in Form eines so genannten „Generators“ geliefert. Ein Technetium-99m Generator ist ein Gerät zur Extraktion des metastabilen Isotops Technetium-99m aus einer Quelle, die zerfallendes Molybdän-99 enthält. 99Mo hat eine Halbwertszeit von 66 Stunden und kann über größere Entfernungen zu Krankenhäusern und Praxen gebracht werden, wo das Zerfallsprodukt Technetium-99m (mit der für den Transport sehr ungünstigen Halbwertszeit von nur 6 Stunden) extrahiert wird. Wir nennen diese Vorgang in der Praxis auch melken.

Das gewonnene Technetium muss wegen seiner kurzen Zerfallszeit dann in der Diagnostik sehr rasch eingesetzt werden. Bestellung, Lieferung, diagnostische Anwendung - das alles entspricht in Summe einem Termingeschäft.

Zwischen 25.8. und Ende September kam es zur gleichzeitigen Ausschaltung aller drei Europäischen Reaktoren – in zwei Fällen wegen routinemäßiger Wartungsarbeiten, im dritten Fall aufgrund einer technischen Panne. Die Folge waren unmittelbare Lieferprobleme. Die Zulieferfirmen bekamen nur Quoten – also Teillieferungen, die sie dann aufgrund des Zeitdrucks möglichst rasch verteilen mussten.

Wer nicht – so wie auch das AKH-Wien - auf andere Technologien wie das PET ausweichen konnte, das andere Radionuklide verwendet, war davon massiv betroffen. Das AKH kann mit einem eigenen Zyklotron die benötigten PET-Radionuklide selbst herstellen.

In diesem Sinne ist die Nuklearmedizin vom Funktionieren der „Rohstoff-Reaktoren“ anhängig – und zwar weltweit. Daraus ergibt sich die Problematik der verbleibenden Laufzeit dieser Reaktoren. Da sie aus den 50-er und 60-erJahren stammen, wird aus derzeitiger Sicht der letzte etwa 2015 abgeschaltet werden müssen.

In der Zwischenzeit laufen intensive Anstrengungen, dieser Situation rechtzeitig entgegen zu wirken, denn entweder müssen bis dahin geeignete neue Reaktoren gebaut werden oder es finden sich andere Herstellungstechnologien – etwa über niedrig angereichertes Uran – zur Gewinnung der Nuklide.

Faktum für die Medizin ist dabei, dass die überwiegende Mehrheit der nuklearmedizinische Methoden durch keine anderen sinnvoll ersetzbar ist und sie damit unverzichtbar sind.

Univ.-Doz. Mag. pharm. Dr. Markus Mitterhauser
Leiter der Isotopenapotheke und Kontrollleiter PET
Anstaltsapotheke, AKH-Universitätskliniken, Währinger Gürtel 18-20, 1090 WIEN
Tel: +431404001557, Fax: +431404001559, email: markus.mitterhauser@meduniwien.ac.at
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