Donnerstag, 27.1.2011

Radiokulturcafe, 1040 Wien, Argentinierstr. 30a

Kongress-Pressekonferenz

Österreichische Gesellschaft für Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie


"Neue technologische Fortschritte"

PROGRAMM

„Punktgenaue Gesichtsplanung“
Prim. DDr. Michael Malek
AKH Linz


„Knochenchirurgie mittels Ultraschall“
Prim. Univ-Doz. DDr. Oliver Ploder
Kongress-Präsident

LKH Feldkirch


„Kieferknochenverlängerung im Jugendalter“
Prim. Univ.-Prof. DDr. Gert Santler
Klinikum Wels-Grieskirchen

„Innovationen in der Implantologie“
Prim. Univ.-Prof. DDr. Werner MIllesi
KH Hietzing der Stadt Wien

Fotos: MedCommunications/Susanne

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„Punktgenaue Gesichtsplanung“


Hauptgebiete der MKG-Chirurgie sind die Behandlung von Unfallopfern, Tumoren und Wachstumsstörungen. Zu Letzterem gehört die orthognathe Chirurgie, die mangelnde Funktion aufgrund Fehlwachstums behebt und damit auch zur Verbesserung des kosmetischen Erscheinungsbildes beiträgt. Primär also nicht „Verschönerung“, sondern Funktionsverbesserung, aber eben auch Gesichtskorrektur. Denn was nützt die beste Funktion in einem entstellten Gesicht?

Naheliegend, dass bei derartigen Eingriffen die möglichst perfekte Planung die notwendige Grundlage für den Erfolg eines Eingriffes darstellt. Das war früher vielfach mit enormen Kosten verbunden und gar nicht immer ausreichend komplex möglich. Seit wenigen Monaten verfügen wir in unserem Haus aber einen Weg, der höchste technologische Standards zu vertretbaren Kosten kombiniert.
Die Vorbereitung einer solchen Operation ruht auf drei Säulen: Gesichts-Scan, Schädel-CT und Gipsmodell.

Zunächst unterziehen wir die Betroffenen einem Gesichts-Scan. Dabei werden die Gesichtshälften vermessen und Abweichungen erhoben – also gleichsam die Gesichtsoberfläche erforscht.

Der nächste Schritt ist die Computertomografie des Schädels, die Auskunft über die skelettalen, knöchernen Strukturen gibt. Sie ist Grundlage für ein dreidimensionales – gleichsam virtuelles Schädelmodell, das im 3D-Drucker reproduziert wird. Hier bietet eine neue Technologie die kostengünstige Erstellung eines solchen Schädelmodells, das eine sehr realitätsnahe OP-Planung ermöglicht. In Zahlen: was früher 10.000.-€ gekostet hat, können wir heute um 5.-€ herstellen. Das Geheimnis liegt im Material, denn letztlich bestehen die Modelle aus Gips und Superkleber… Verwendung finden diese Modelle nicht nur in der Praxis, sondern auch in der Lehre bei der Ausbildung von MKG-Chirurgen, zumal sie auch problemlos geschnitten werden können.

Die dritte Säule ist das herkömmliche Gipsmodell des aktuellen Bissabdruckes der Betroffenen. Dieses Modell wird ebenfalls eingescannt und steht damit für die Planung als Datenmaterial zur Verfügung.

Ein wesentliches Problem dabei sind allerdings die sehr unterschiedlichen Zugänge – einmal nur Oberfläche, dann Knochen-Scan und schließlich das Modell. Legt man diese Daten gleichsam wie drei Bilder übereinander, benötigt man mathematisch-räumliche Referenzpunkte, die bei jeder Aufnahme gleich sind. Diese Herausforderung haben wir mit unserer „Ping-Pong-Waage“ gelöst, die bei allen Aufnahmen zum Einsatz kommt und als Referenzinstrument dient.

Sind diese Vorbereitungen abgeschlossen, lässt sich exakt – auf den Millimeter – vorhersagen wie das Gesicht aussehen wird. Der Eingriff selbst wird dann wie üblich in chirurgischer 3D-Navigation durchgeführt wie sie auch in anderen chirurgischen Disziplinen zum Einsatz kommt.


Prim. DDr. Michael Malek
Leiter der Abt. Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie
4021 Linz, Krankenhausstr. 9
Tel: +43 (0)732/7806-2124, E-Mail: mkg@akh.linz.at
http://www.linz.at/akh/955.asp

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„Knochenchirurgie mit Ultraschall “


Piezochirurgie nennt sich ein Verfahren, das den speziellen Anforderungen der MKG-Chirurgie in besonderem Ausmaß Rechnung trägt. Die besondere Herausforderung besteht dabei darin, Knochen zu schneiden, aber die umgebende, sehr dünne und empfindliche Schleimhaut sowie andere Weichteilstrukturen (Gefäße, Nerven) möglichst nicht zu verletzen.

Im Detail handelt es sich um ein modernes Operationsverfahren, dessen theoretischen Grundlagen allerdings bereits im 18. Jahrhundert beschrieben wurden. Schon damals beobachtete man, dass durch die Verformung von gewissen Festkörpern (Quarz, Turmalin, Bariumtitanat, etc.) elektrische Ladungen an ihrer Oberfläche entstehen. Im Umkehrschluss ist man in der Lage durch elektrische Impulse hochfrequente Schwingungen von Körpern zu erzielen, mit deren Hilfe Gewebe behandelt werden kann.

Die „Ultraschallsäge“ bietet bei vielen chirurgischen Eingriffen einen immensen Vorteil gegenüber konservativen chirurgischen Instrumenten wie Bohrern und Sägen, da sie in der Lage ist, Gewebe selektiv zu behandeln. Knochengewebe und Zahnhartsubstanz kann nahezu ohne Druck durchtrennt und das angrenzende Weichgewebe dabei maximal geschont werden, selbst dann wenn das Weichgewebe mit den Instrumenten in Kontakt kommt. So werden angrenzende Blutgefäße maximal geschont. Geringere Gefäßverletzungen bedeuten eine geringere post-operative Schwellung, eine schnellere Wundheilung und ein minimiertes Wundinfektionsrisiko.

Die Piezochirurgie wird in der MKG-Chirurgie bei Umstellungsoperationen, in der Implantologie und in der Rekonstruktiven Chirurgie verwendet.



Prim. Univ.-Doz. DDr. Oliver Ploder
Leiter der Abtlg. f. Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Universitäres Lehrkrankenhaus Feldkirch, 6800 Feldkirch, Carinagasse 47
Tel.: +43 (0) 533 303 1599, E-Mail: kieferchirurgie@lkhf.at
www.lkhf.at/kieferchirurgie
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„Kieferknochenverlängerung im Jugendalter“


Das Prinzip eines solchen Eingriffs besteht darin, Kieferteile zu verschieben, wenn aufgrund von Fehlwachstum ein zu kurzer Kiefer den funktionellen Biss nicht ermöglicht. Man versucht, möglichst das Ende des Wachstums abzuwarten und operiert daher im 18. Lebensjahr bei Männern, bei Frauen etwa ein Jahr früher. 40% der Österreicher weisen einen Fehlbiss auf, jedoch nur bei jedem 100sten ist dieser so stark ausgebildet, dass er operiert werden muss. An unserer Abteilung werden jährlich etwa 250 derartige Eingriffe durchgeführt.

Die so genannte „Kallus-Distraktion“ hatte ihr Vorbild im „Fixateur externe“ der Unfallchirurgie, bei dem die Knochenteile über eine außen liegende Metall-Konstruktion in Position gehalten werden. Tatsächlich folgten die ersten derartigen Versuche in der Kieferchirurgie dem Vorbild sehr genau, während die heutigen Fixateure feinmechanische, im Mund liegende Konstruktionen sind.

Nach einem Kieferknochenschnitt werden die beiden Kiefer-Teile langsam (mittels Schraube 1 mm pro Tag) auseinandergezogen. Der dadurch entstehende Spalt füllt sich, wie jeder Knochenbruch, mit Kallus (Knochenneugewebe). Die „Distraktion“ (Dehnung) zieht nun den Kallus immer weiter auseinander und sorgt so für längenadäquates Knochenneugewebe, das sich in der Folge in stabilen Knochen umwandelt. Man könnte auch von einem „forcierten“ Knochenwachstum sprechen. Durch die Anwendung neuer kleiner Kallusdistraktoren, die versteckt unter der Haut, direkt am Knochen fixiert werden, ist es möglich die Operation ohne äußere Narben durchzuführen. Ist die gewünschte Länge erreicht, bedarf es einer Wartezeit von drei Monaten, ehe der Knochen „bruchhart“ – also voll belastbar – ist. Dann kann der Fixateur endgültig entfernt werden.

Im gegenständlichen Fallbeispiel betrug die maximale Mundöffnung nur !2 mm! Zugrunde lag eine Verwachsung des Kiefergelenks, die – im Ausland frustran operiert – zu einem verminderten Längenwachstum des Unterkiefers führte. Im ersten Schritt wurde das Kiefergelenk rekonstruiert. Damit betrug die Mundöffnung 47mm. In der zweiten Operation wurden beide Unterkieferseiten durchtrennt, die Distraktoren fixiert und der Unterkiefer beidseits um 23 mm verlängert.

Prim. Univ.-Prof. DDr. Gert Santler
Leiter der Abtlg. f. Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Klinikum Wels-Grieskirchen, 4600 Wels, Grieskirchnerstr. 42
Tel.: +43 (0) 7242 / 415 – 2285
E-Mail: mkg-chirurgie@klinikum-wegr.at

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„Innovationen in der Implantologie“


Meine Ausführungen sind gleichsam eine Erweiterung des soeben gehörten auf andere Indikationen, in der diese innovativen Methoden ebenfalls zur Anwendung kommen. Die Implantologie fällt auch in das Gebiet der MKG-Chirurgie, besonders natürlich sobald der Kieferknochen, in den das Implantat gesetzt werden soll, mangelhaft hinsichtlich seiner Dicke und Struktur ist. Mit zunehmendem Alter der Betroffenen ist das eine relativ häufige Situation.

Die Piezochirurgie kann nun beim Knochenaufbau einesetzt werden. der Kieferknochen wird entsprechend durchtrennt oder gefenstert, angehoben und der entstehende Hohlraum mit meist künstlichem Knochen aufgefüllt, welcher in der Folge beim Patienten zu eigenem Knochen umgebaut wird. Der entscheidende Punkt ist, dass durch die Piezochirurgie (Ultraschallbearbeitung des Knochens) Weichteile wie die empfindliche Sinusschleimhaut, Nerven oder Gefäße dabei nicht verletzt werden können.

In ähnlicher Weise wie bei einem mangelnden Längenwachstum des Kiefers kann die Kallusdistraktion auch zur Verbesserung des Höhen/Dickenwachstum des Kieferkammes eingesetzt werden. Hier wird ebenfalls ein Stück Knochen herausgeschnitten und mittels Schraube langsam angehoben, so dass darunter Knochen nachwächst. Diese Methode kommt bei besonders starkem Knochenschwund zum Einsatz.

Auch die 3 D Navigation kommt in der Implantologie zur Anwendung. Bei der "augmentierten Realität" wird durch präoperative Daten bildgebender Verfahren der gläserne Patient Wirklichkeit. In der Praxis setzt sich mehr und mehr die Anwendung von Bohrschablonen durch. Die in optimaler Lokalisation für Knochen und Zähne am Computer geplanten Positionen für Implantate werden mittels Computer-generierter Schablone auf den Patienten übertragen und damit die Implantate gesetzt. Neben der optimalen Position ist darüber hinaus bei einfacher Umsetzung noch größere Sicherheit und geringere Invasivität möglich.


Prim. Univ.-Prof. DDr. Werner Millesi
Leiter der Abtlg. f. Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
KH Hietzing der Stadt Wien, 1130 Wien, Wolfersbergenstr. 1
Tel.: (+43 1) 801 10, E-Mail: werner.millesi@wienkav.at

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