"RE-Modellierte Gesichter“

PRESSEKONFERENZ 

ÖSTERR.  GES.  F. MUND-KIEFER-GESICHTS-CHIRURGIE

ANLÄSSLICH DER JAHRESTAGUNG 2009

Donnerstag, 15.1.2009, 9.30h , „RadioKulturcafe“

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„Was leistet die MKG-Chirurgie?“
Prim. Univ. Doz. DDr. Friedrich Chiari
Präsident der Öst. Ges. f. Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie
Klin. f. MKG-Chirurgie, LKH Klagenfurt

„Verwachsene Schädelknochen“
Prim. Univ. Prof. Dr. Bernd Gattinger
Klin. f. MKG-Chirurgie, AKH Linz

“Neue Gesichter”
Prim. Univ. Prof. Dr. Ingeborg Watzke
Klin. f. MKG-Chirurgie, Donauspital Wien

“Schweißen statt Schrauben”
Univ.-Prof. Dr. Arnulf Baumann
AOD-Vorsitzender
Univ. Klin. f. MKG-Chirurgie, AKH-Wien
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“Was leistet die MKG-Chirurgie?„


Definitionsgemäß handelt es sich bei der MKG-Chirurgie um ein Sonderfach – Es ist Teil der Humanmedizin und umfasst die Erkennung, Prävention, Behandlung, Rekonstruktion und Rehabilitation von angeborenen und erworbenen Formveränderungen und Funktionsstörungen, sowie Erkrankungen und Verletzungen der Hart- und Weichgewebe der Mund-, Kiefer- und Gesichtsregionen.

Geht man weiter ins Detail, dann ergibt sich ein sehr vielfältiges Bild. Es beinhaltet:

• Zahnärztliche Chirurgie – vereinfacht sind das jene Eingriffe, die die chirurgischen Grenzen des durchschnittlichen Zahnarztes überschreiten wie etwa ausgedehnte Wurzelspitzenresektionen, Kiefertrepanationen oder auch spezielle Formen des Zahnersatzes

• Therapie schwerer Infektionen im Gesichtsbereich, vornehmlich, wenn es zur Beteiligung von Gesichtsknochen kommt

• Traumatologie – hier vornehmlich die chirurgische Nachsorge nach Unfällen

• Tumorchirurgie

• Therapie von kraniofazialen Fehlbildungen. Die wohl bekannteste dieser Fehlbildungen ist wohl die Lippen-Kiefer-Gaumenspalte in all ihren Ausprägungsformen. Hierher gehören aber auch Fehlbildungen im Sinne der verfrühten Verknöcherung von Schädelnähten im Kindesalter

• Orthognathe Chirurgie – darunter versteht man die chirurgisch-ästhetische Versorgung von Kiefermissbildungen, vereinfacht ein zu langer oder kurzer Ober- bzw. Unterkiefer mit weitreichenden Folgen

• Ästhetische Gesichtschirurgie im engeren und weiteren Sinne, denn ästhetische Aspekte spielen bei allen der oben genannten Subdisziplinen eine wesentliche Rolle.

Schon dieser grobe Überblick vermittelt nicht nur die Vielfältigkeit dieses Sonder-Faches, sondern auch die hohen Ansprüche an das Können der darin arbeitenden ÄrztInnen. In der Regel vereinen sie die Ausbildung zum Humanmediziner mit jener zum Zahnarzt, um allen Herausforderungen optimal gerecht werden zu können. Eine Ausbildung, die sich selbst bei Verlauf in der Mindestzeit über rund 15 Jahre erstreckt. Daher ist es auch kein Zufall, dass die Zahl der entsprechenden Spezial-Zentren auf wenige Schwerpunkte begrenzt ist. Konkret gibt es neben den Universitätskliniken (alphabet.) Graz, Innsbruck, Salzburg und Wien Zentren in Feldkirch, Klagenfurt, Linz, St. Pölten und Wels.

Prim. Univ.-Doz. DDr. Friedrich M. Chiari, Präsident der ÖGMKG
Vorst. d. Abtlg. f. Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie & Zahnheilkunde
9010 Klagenfurt. St. Veiterstr. 47,
Tel.: 0463 – 538 -224 21 oder 234 20, Fax.: 0463 - 538 – 220 61
E-Mail: mkg.abteilung@lkh-klu.at

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“Verwachsene Schädelknochen„


Hinter diesem etwas wild anmutenden Titel steckt eine Disziplin der MKG-Chirurgie, die korrekt – aber wenig verständlich - als „craniofaciale“ Chirurgie bezeichnet wird. Zugrunde liegen vielfach verschiedene Wachstumsstörungen, die allesamt mit einer verfrühten Verknöcherung (Synostose) der kindlichen Schädelnähte zusammenhängen.

Am kindlichen Schädel liegen zwischen denn Schädelknochen in der Regel weiche Wachstumszonen. Sie ermöglichen, dem raschen Wachstum des Gehirns maßgeschneidert den benötigten Raum zu geben, dehnen sich, verschieben sich und bewahren so eine regelmäßige Schädelform. Analog dazu führen unregelmäßige frühzeitige Synostosen zu charakteristischen Fehlbildungen. Die Häufigkeit beträgt 1:1200.

Sie sehen hier charakteristische Verknöcherungen der
a) der Sagittalnaht = Skaphozephalus
b) der Koronarnähte, beidseits = Brachyzephalus
c) der Koronarnat einseitig = Plagiozephalus
d) aller Nähte = Oxyzephalus
e) der Frontalnaht = Trigonozephalus

In Operationen mit einer Dauer von bis zu 18 Stunden werden die einzelnen Schädelplatten voneinander getrennt und unter der Schädelhaut gleichsam „schwebend“ (floating) – nur mit lockeren Nähten verbunden – neu angeordnet. Es ist in der Praxis verblüffend, wie rasch die Natur diese „chirurgische Neuordnung“ positiv annimmt.

Betrifft eine solche Wachstumsstörung den Hirnschädel so muss – das ist wegen des sehr raschen Wachstums im Kleinkindalter (steigender Hirndruck – mentale Retardierung) naheliegend – möglichst rasch (sofort) interveniert werden. Ist hingegen nur der Gesichtsschädel betroffen, wartet man möglichst das Ende des Wachstums (Pubertät) ab. Natürlich immer unter Berücksichtigung allfällig funktioneller Störungen. Bei „Mischformen“ ist man häufig gezwungen, auch am Gesichtsschädel frühzeitig zu operieren, was leider zu vorhersagbaren Misserfolgen führt. Insbesondere, weil im kindlichen Gesichtsschädel sämtliche Zahnkeime „schlummern“, die bei Korrekturen des Mittelgesichtes nicht geschont werden können . . .

In Summe handelt es sich hier natürlich vielfach um sehr komplexe Eingriffe, die einer entsprechenden Erfahrung, Expertise und auch Vorplanung bedürfen. In besonders komplizierten Fällen werden deshalb 3-dimensionale Modelle angefertigt, um das beste Vorgehen zu definieren. Ich selbst habe in meiner medizinischen Laufbahn mehr als 200 derartiger Operationen durchgeführt.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Bernd Gattinger
Vorst. d. Abtlg. f. Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie, AKH Linz
4020 Linz, Krankenhausstr. 9
Tel.: +43 (0) 732/7806-2124
Fax: +43 (0) )732/7806-2123
E-Mail: bernd.gattinger@akh.linz.at

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“Neue Gesichter„


Es ist vielfach unbekannt, dass eine Vielzahl von Formen des Kiefer-Fehlwachstums nicht nur zu teilweise erheblichen chronischen Beschwerden führt, sondern diese Fehlbildungen aufgrund dieser letztlich lebenslangen Beschwerden auch zum Großteil auf Kosten der Sozialversicherung korrigiert werden können.

Stark vereinfacht gehört in diese Gruppe der OP-Indikationen jede Fehlentwicklung, bei der ein Missverhältnis der beiden Kieferbögen zueinander besteht oder die Lage eines oder beider Kiefer falsch ist. Die Folge ist eine umfassende Fehlfunktion des Kauapparates:

• Probleme beim Sprechen,
• Verspannungen, der gesamten Gesichts- Nacken- Rückenmuskulatur
• Fehlen des Mundschlusses, mit der Folge von erhöhter Kariesanfälligkeit und Parodontitis
• Chronischen Entzündungen des Halses, der Lunge auf Grund des Mundatmens
• Hängenden Lippen
• Verschiedenste Kauprobleme, die wiederum zu Störungen im Magen- Darmtrakt führen

Wer ist betroffen? Rund 5% der Bevölkerung (immerhin 40.000 Menschen) leiden an einem „behandlungswürdigen“ Fehlbiss. Weniger als 1% davon haben einen zu „großen“ Unterkiefer. Der Rest weist einen zu kurzen Unterkiefer (Unterbiss) auf.
Was macht hier die MKG-Chirurgie? Letztlich gibt sie der Natur mit dem geeigneten Eingriff Nachhilfe in Sachen richtiger Kieferposition. Oft mit unglaublichen Erfolgen, die sogar eine ästhetisch schöneres Nasenprofil beinhalten. In machen Fällen sind die Betroffenen im positiven

Sinn kaum noch wiederzuerkennen. Die Eingriffe lassen sich üblicherweise in nur einer Sitzung durchführen. Davor wird radiologische gestützt (nach einer genauen Röntgenanalyse)eine Modelloperation an diesem Gips Modell durchgeführt und so zuerst die OP simuliert. Diese wird dann auf den PatientInnen übertragen, der Unterkiefer wird schräg durchgeschnitten, der Oberkiefer abgetrennt und in die korrekte Position geschoben. Die Neuverbindung der Knochenteile erfolgt in der Regel mit kleinen Titanplättchen und Schrauben.

Die Eingriffe sind in der geübten Hand unkompliziert und haben sehr selten Komplikationen. Der „unangenehme“ Teil für die PatientInnen ist die Vorbereitung und Nachjustierung der Zähne, wodurch insgesamt 2 Jahre hindurch eine Zahnspange getragen werden muss.

Abschließend soll nochmals darauf hingewiesen werden, dass viele Menschen unter den Folgen von Kieferfehlstellungen leiden, ohne zu wissen, dass die leicht und durch die Sozialversicherung abgedeckt, wunderschön korrigiert werden können.

Prim. Univ.-Prof. Dr. Ingeborg Watzke
Leiterin des Inst. f. Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie & Zahnheilkunde
Donauspital 1220 Wien, Langobardenstr. 122
Tel.: (+43 1) 288 02 – 4702, Fax: (+43 1) 288 02 - 4780
E-Mail: ingeborg.watzke@wienkav.at

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“Schweißen statt Schrauben“


Es mag auf den ersten Blick etwas irritieren, wenn im Zusammenhang mit der MKG-Chirurgie von einem Begriff die Rede ist, der aus der Metallverarbeitung kommt. Aber es handelt sich um ein neues Verfahren zur Osteosynthese, bei dem diese Terminologie durchaus ihre Berechtigung hat.

„State of the Art“ in der MKG-Chirurgie war bisher die Fixation des Knochens durch Platten und Schrauben aus Titan. Fortschritte in der Materialtechnologie haben diese Methode zu einem effizienten und sicheren Verfahren werden lassen. Ein wesentlicher Nachteil ist jedoch, dass diese Materialien nach erfolgter Knochenheilung wieder entfernt werden müssen. Deshalb hat es immer wieder Ansätze mit selbst auflösenden Materialien für die Knochenfixation gegeben. Bisher allerdings nicht mit dem gewünschten Erfolg, insbesondere, was die problemlose Resorbierbarkeit der Materialien betraf.

Das „Sonic-Weld“® System stellt nun ein völlig neues Konzept dar. Die Platten aus Kunststoff werden vorher im Wasserbad erwärmt, damit sie der Knochenform angepasst werden können. Zur Befestigung der Platten im Knochen dienen aber nicht mehr konventionelle Titanschrauben, sondern so genannte Kunststoffpins - Steckverbindungen ohne Gewinde. Es wird wie bisher ein Loch in den Knochen gebohrt und anschließend der Pin mittels einer sogenannten Sonotrode eingebracht. Während des Einbringens kommt es durch Ultraschall – analog zum Metallschweißen - zu einer Verflüssigung der äußersten Schicht des Pins. Das Material dringt in feinste Poren und Kanälchen des Knochens ein und es entsteht eine haltbare und elastische Verbindung zwischen Platte, Pin und Knochen, die im Verlauf der Knochenheilung resorbiert wird.

Das Verfahren wird derzeit an den Universitätskliniken Wien und Innsbruck eingesetzt. Es kommt vor allem dann zum Einsatz, wenn die Operationsregion keinen extremen Zugkräften ausgesetzt ist

Grundsätzlich gibt es zwei Anwendungsmöglichkeiten für das neue System. Zunächst die konventionelle Verbindung von Knochenfragmenten durch resorbierbare Osteosyntheseplatten, oder die so genannte Mesh-Technik, bei der weiter auseinander liegende Knochenfragmente unter einer Art „Netz“ fixiert werden, damit sie besser verheilen können. Dieses Verfahren kommt vor allem in der Rekonstruktion der Schädelkalotte zum Einsatz, wo diese Knochenteile bisher nur durch mehrere Osteosynthesenplatten verbunden wurden konnten.

Insgesamt stellt das neue System eine wichtige Innovation dar. Die Operationen werden dadurch vereinfacht und die Eingriffsdauer verkürzt. Der wesentliche Vorteil für den Patienten ist der Wegfall des zweiten Eingriffs zur Entfernung des Titanmaterials. Die verwendeten Materialien sind neu konzipiert und Resorptionsprobleme im Ausmaß wie sie bei früheren Systemen auftraten, konnten bisher nicht beobachtet werden


Univ.-Prof. DDr. Arnulf Baumann
Univ. Klin. f. Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Medizinischen Universität Wien (MUW)
1090 Wien, Währinger Gürtel 18-20
Tel.40400/4252 Fax: 40400/4253 E-Mail: arnulf.baumann@meduniwien.ac.at

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