12.3.2010
JournalistInnen-Seminar


„DIE KRANKHEIT OHNE NAMEN. . .“
JournalistInnen-Seminar in Zusammenarbeit mit der
Ernährungskommission der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde
Wiss. Leitung Prim. Univ. Prof. Dr. Karl Zwiauer 

„Die Welt der Unaufmerksamkeit“
Mag. Heinz Längle
Beratungslehrer & Klin. Psychologe
„Ernährung und Gehirn“
Univ. Prof. Dr. med. Bernhard Schwarz
FA. f. Sozialmedizin
„Fettsäuren und Gehirnleistung“
Dr. med. Wolfgang A. Schuhmayer
Optionale Pause
„Die Studienlage“
Prim. Univ. Prof. Dr. med. Karl Zwiauer
FA f. Kinder- & Jugendheilkunde
„Was wann wie behandeln?“
Ass. Profin. Drin. med. Brigitte Hackenberg
FÄ f. Kinder- & Jugendpsychiatrie

Klinischer Psychologe, Psychotherapeut & Beratungslehrer
A-2221 Groß- Schweinbarth, Matzner-Str. 21,
T: 0699/ 17893498, F: 02289/3498 heinz.laengle@aon.at
Die Welt der Unaufmerksamkeit
Grundsätzlich möchte ich ein paar Gedanken vorausschicken. Zunächst meinen Zugang zu diesem Thema. Ich bin ausgebildeter Lehrer, Psychotherapeut und klinischer Psychologe. In meinen Beratungsbereich fallen einige Schulen im nordöstlichen Niederösterreich. Dort bin ich regelmäßig an meinen Schulen. Das ermöglicht mir, betroffene Kinder, deren LehrerInnen und Eltern langfristig zu begleiten und auch den Wert einzelner Maßnahmen zu beurteilen.
Ich arbeite - wie schon erwähnt - mit Kindern, Eltern und Lehrern. Dabei ist für mich eine systemische Sichtweise sehr hilfreich: es können verschiedene Bedingungen gestaltet werden – die dann Auswirkungen zeigen. Dazu erzähle ich heute noch mehr.
Ein Gedanke, der mich nachdenklich macht, ist die Häufigkeit von Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen. Ohne detaillierte Daten zu zitieren – denn die gibt es nicht – kann ich sagen, dass die Zahl der betroffenen Kinder in meinen rund 20 Berufsjahren drastisch gestiegen ist und sie steigt weiter dramatisch an.
In einem Intelligenztest für Kinder und Jugendliche (AID) hat sich folgendes zum Thema Aufmerksamkeit gezeigt: spricht man Kindern eine gewisse Anzahl von Zahlen vor, die sie nachsprechen sollten, so haben sich 7-10 jährige Kinder, die im Jahr 2000 getestet wurden, um durchschnittlich 1 Zahl weniger gemerkt als Kinder, die 1985 getestet wurden. Vor 25 Jahren merkten sich die Kinder also noch mehr Zahlen als vor 10 Jahren.
Folgen Sie mir nun bitte in die Welt der Unaufmerksamkeit. Es ist eine Reise in die „modernen“ Lebensumstände unserer Kinder.
Kann es uns gelingen – ein Kind unaufmerksam zu machen?
Oder anders gesagt – kann ich dazu beitragen, dass mein Kind unaufmerksam wird?
Wie kann ein Tagesablauf nun sein - damit dies geschieht?
Zunächst der Tagesbeginn. Wecken sie ihr Kind möglichst spät auf.
Kontrollieren Sie keinesfalls, ob die Schulsachen komplett sind, denn Ihr Kind muss Verantwortung übernehmen und selbst darauf achten! Vermeiden Sie jede Art von Frühstück, denn in der Schule gibt es ohnehin alles zu kaufen, was das Herz begehrt.
Eine selber gemachte Schuljause ist mühselig herzustellen und die Kinder essen das ohnehin selten.
Belasten Sie das Kind bitte nicht mit der Verantwortung eines allein zurückzulegenden Schulwegs. Das überanstrengt unnötig! Es muss sich an den Straßenverkehr gewöhnen, lernen, eine Straße zu überqueren und dergleichen mehr. In Zeiten des Automobils völlig unnötig. Achten Sie aber auf zwei Dinge. Erstens, dass das der Akku im Handy Ihres Kindes voll aufgeladen ist, damit Sie auch rund um die Uhr erreichbar sind und zweitens stellen Sie Ihr Kind auf der Anfahrt zu Schule ruhig, indem Sie es ausgiebig mit dem Gameboy spielen lassen. Das unterhält wunderbar und der Kampfcharakter vieler Spiele bereitet optimal auf die steigende Allertness, die wir im täglichen Leben immer häufiger benötigen. Stören Sie es bei dieser Vorbereitung auf den Lebensalltag bitte nicht durch unnötiges Reden.
Und bitte zügig! Je rascher Sie es schaffen, diese Strecke Bett-Auto-Schule zurück zu legen, desto mehr Zeit haben Sie dann für sich selbst. Vergessen sie das bitte keinesfalls!
Vor der Schule angekommen, verschwenden Sie keine Zeit mit unnötigen Ritualen. Raus aus dem Auto und rein ins Schulglück. Endlich sind Sie befreit. Die Schule ist schließlich eine Institution, zu der man Vertrauen haben kann. Sie zahlen ja genug Steuern, und die sollen sich gefälligst darum kümmern, dass die Kinder was lernen und aus ihnen auch was Gescheites wird.
Ein kleiner Tipp. Wenn Sie kein Geld für einen Gameboy ausgeben wollen, dann tut es auch ein akkustarkes Handy. Auch da sind heute voll coole Spiele gespeichert oder können via Internet heruntergeladen werden. Das Spielen ist auch günstig für die Motorik der Hand. Sie werden sehen, wie unglaublich flink die Finger mit der Zeit werden. Früher musste man dafür mühsam Klavier spielen lernen. Heute geht das bedeutend einfacher!
Nachdem es die erste Stunde – die geht immer am Schnellsten vorbei – hinter sich gebracht hat, kann es dann sofort bei Ertönen der Pausenglocke mit Kleingeld optimal ausgestattet zu den Futterautomaten rennen. Hier warten die Köstlichkeiten, die ein Kinderherz höher schlagen lassen: Cola und andere gute Limonaden, möglichst zuckerhaltige Nahrungsmittel, die verbrauchte Energie sofort zurück geben, im Bestfall noch angereichert mit eine hohen Anteil an Transfetten.
Sie sind verantwortungsbewusst und geben Ihrem Kind eine „gesunde Jause“ mit? Dann achten Sie bitte unbedingt, dass die „Milchschnitte“ nicht fehlt. Besonders empfehlenswert ist auch die Wurstsemmel. Am besten mit Extrawurst.
Manche Schulen sorgen bereits mit so genannten Wackelstühlen dafür, dass Ihr Kind nicht durch diese altmodische Anforderung vom „still Sitzen“ gequält wird. Diese Sessel nehmen jeden Druck von Ihrem Kind und ermöglichen uneingeschränkt seine volle Entfaltung in Sachen Bewegungsfreudigkeit. Das ist ein nicht zu verachtendes Detail, wo doch immer mehr Schulstunden gestrichen werden. Und unsere Kinder müssen sich optimal entfalten können - ohne Einschränkung. Manche fortschrittlichen Schulen ermöglichen den Kindern heute schon das Spielen am PC in den Pausen. Oft sind das zwar eher langweilige Lernspiele, aber Computer sind heute so wichtig wie der Führerschein, man kann das Kind gar nicht früh genug darauf vorbereiten. Früh übt sich . . .
Es könnte sein, dass Sie von der Schule informiert werden, dass Ihr Kind möglicherweise durch Unkonzentriertheit auffällt. Da sollen Sie unbedingt das Gespräch suchen und ordentlich Dampf machen, denn was kann denn Ihr Kind dafür, wenn der Unterricht so langweilig ist, dass es eben lieber etwas anderes macht. Sollen sich die LehrerInnen gefälligst mehr anstrengen! Dafür werden sie ja schließlich aus den Steuern bezahlt. Oh, Ihr Kind geht in eine Privatschule? Dann haben Sie noch mehr Grund, Dampf zu machen, denn wofür zahlt man denn monatlich ein kleines Vermögen an Schulgeld? Machen Sie vor allem klar, dass heute Multitasking gelernt werden muss und nicht die Konzentration auf eine einzige Sache. Klar, dass sich das Kind langweilt und zuhause ist es doch völlig anders. Ruhig, zufrieden, umgänglich….!
Endlich hat das arme Kind den auslaugenden Schultag hinter sich. Belasten Sie es nicht mit Schulweg, sondern holen Sie es doch wieder mit dem Auto ab. Das kostet Sie zwar Zeit, die sie aber spielend damit herein bringen, dass Sie nicht altmodisch kochen – die pure Zweitverschwendung – sondern eine leckere Instantmahlzeit auf den Tisch stellen. Es gibt Aufwärmgerichte in allen Variationen und sie sind exakt auf unseren Geschmack zugeschnitten. Das würden Sie alleine nie schaffen und sich womöglich damit herumschlagen müssen, dass Ihr Kind Ihre mühsam investierten Kochkünste ablehnt. Eben, es geht viel einfacher. Packerl auf - Wasser dazu – Mikrowelle – fertig. Es ist schon toll, was man heutzutage alles kann. Das Leben ist so viel einfacher geworden!
Auch hier gilt. Bitte, lassen sie ihr Kind in Ruhe. Reden sie nicht zu viel mit ihm. Sorgen Sie für eine entspannende Atmosphäre! Es gibt heute schon diese ganz kleinen TV-Geräte, die den Kinderkanal auf jeden Küchentisch zaubern. Stellen Sie keine so lästigen Fragen nach der Schule.
Was in der Schule so alles passiert ist – würde ihr Kind sowieso nicht erzählen.
Und, wenn etwas im Mitteilungsheft steht, dann putzen sich die unfähigen LehrerInnen wieder an den Eltern ab, anstatt sich mehr anzustrengen.
Nach dem Essen könnten Sie ihrem Kind eine tolle Entspannungsphase am PC gönnen oder es auch zum Sport bringen. Sport ist doch so gesund! Also weder rein ins Auto und zum Fußballtraining. Sie können in der Zwischenzeit Ihren Vorrat an Fertiggerichten auffüllen!
Was? Schon so spät? Rasch wieder nach Hause. Ach ja, Schulaufgaben. Stören Sie Ihr Kind bitte nicht dabei. Es muss lernen, eigene Verantwortung zu übernehme und die Aufgaben selbst zu machen. Spielen Sie sich nicht durch Kontrollzwang bei Hausaufgaben und Schulsachen auf. Das Kind muss die Eigenverantwortung wahrnehmen, und für Schule ist schließlich die Schule zuständig.
Freuen Sie sich also, wenn Ihr Kind die Hausaufgaben wie ein Wirbelwind erledigt, weil die Lieblingsserie bald beginnt. Sind Sie stolz auf dieses Zeichen von Souveränität! Und belohnen Sie es mit einem ausgiebigen Fernsehabend! Essen kann man durchaus auch vor dem Schirm. Das Kind ist ja ohnehin so belastet und hat kaum was vom Leben.
Jetzt ist es aber wirklich Zeit! Schon 22 Uhr! Jetzt müssen Sie durchgreifen! Das Kind kann ja nicht ewig vor der Glotze sitzen. Rasch Zähne putzen, rein ins Bett und Licht aus! Jetzt ist keine Zeit mehr zu verlieren, denn das arme Kind soll ja fit sein für den nächsten Tag.
Wenn es Ihnen gelingt, viele Tage mit dem Kind so zu gestalten, dann wird die Konzentrationsfähigkeit deutlich gesenkt. Und das nur mit einfachen Verhaltensregeln und ohne schwerwiegende Krankmacher wie Mangel an essentiellen Fettsäuren und dergleichen.
Natürlich gelingt das nicht über Nacht. Wie sie bemerkt haben ist die Aufmerksamkeitsspanne leicht zu verändern.
Sie beträgt allgemein etwa 15 Minuten in der 1. Klasse Volksschule, dann 20 Minuten und später bis zu 30 Minuten mit 14 Jahren.
Aber wenn Sie sich tüchtig anstrengen, dann schaffen Sie es sicher. Es ist auch wichtig, zu wissen, dass nur Sie Ihr Kind beurteilen können. Jeder ist informiert, wie wenig sich die Lehrer anstrengen. Viel weniger als früher! Und das geringe Konzentrationsvermögen ist kein Defizit, sondern ein ganz klares Zeichen von Unterforderung. Ein unterfordertes Kind muss sich im Unterricht langweilen und hört natürlich nicht zu. Also was soll das alles?
Notfalls können Sie dann als letzte Rettung noch etwas Geld in Nachhilfestunden investieren. Denn Eines darf man auch nicht vergessen. Von den Kindern wird immer mehr verlangt, viel mehr als früher! Da darf man sich nicht wundern, wenn schon sehr früh Zusatzunterricht nötig ist. Das ist besonders gut für das Kind, weil der Nachhilfelehrer sich nur mit Ihrem unterforderten Kind beschäftigt und nicht gleichzeitig mit 25 anderen. Und das ist gut so, denn dann ist alles auf ihr Kind zugeschnitten, wie es das auch von ihnen gewöhnt ist.
Haben Sie an einzelnen Stellen geschmunzelt oder gar gelacht. Dann würde ich mir wünschen, dass Sie einmal mit einer „Tarnkappe“ bei dem dabei sein könnten, was wir täglich erleben.
Wir müssen Eltern deutlich darauf hinweisen, dass für Kinder das gemeinsame Gespräch wichtig ist. Jeden Tag sollte ein solches Gespräch stattfinden. Wenigstens 10 Minuten! Es gibt kaum Verständnis dafür, wenn wir verlangen, dass das Kind nicht zu Bett geht, wenn es „müde“ ist, sondern rechtzeitig zu einer geregelten Zeit. Wir werden belächelt, wenn wir Rituale einfordern wie „Aufstehen“, gemeinsames Mittagessen, „Hausübung machen“ oder „zu Bett gehen“. Der Begriff „Schlafhygiene“ ist ein Fremdwort. Wir werden belächelt, wenn wir anregen, die Eltern mögen doch Hausaufgaben und Schulsachen regelmäßig kontrollieren. Oft gibt es nicht einmal einen fixen Platz, an dem die Hausübung erledigt wird. Wir ernten Verständnislosigkeit, wenn wir erklären, dass digitale Medien keinesfalls länger als 1 Stunde, aber dem 12. Lebensjahr max. 2 Stunden genützt werden dürfen. Die Tatsache, dass natürliches Wasser ein wesentlich besseres Getränk ist als Limonade, ist weitgehend unbekannt.
Eine besonders tragische Entwicklung ist die dramatisch steigende Zahl an „Nicht-Lesern“, weil zuhause nicht mehr gemeinsam gelesen wird . . . .
Natürlich können wir in unserer Arbeit nicht direkt intervenieren und immer nur beratend auf das Verständnis der betroffenen Eltern hoffen. Oft sind wir schon glücklich, wenn aus der Palette unserer Empfehlungen 1 oder 2 Punkte tatsächlich umgesetzt werden . . .
Sie erinnern sich vielleicht an den Anfang - ich habe davon gesprochen, dass Bedingungen gestaltet werden können.
Das läßt mich jeden Tag hoffnungsvoll sein!
In Summe kann man sich die Welt dieser Kinder so vorstellen wie ein Blatt Papier. Jede negative Beeinflussung bringt, dass am Rand viele Falten entstehen.
So wird das Blatt zunehmend immer mehr zerknittert.
Alle oben erwähnten Einflüsse und Bedingungen sind hier deutlich ersichtlich. Angefangen von der täglichen Unruhe, Hetze, dem ungesunden Essen, dem Bewegungsmangel und dem unkontrollierten Medienkonsum.
Je kleiner die glatte Fläche in der Mitte, umso weniger bleibt an diesem Blatt haften. So ist es auch mit der Aufmerksamkeit – sie wird immer kleiner!
Was wir letztlich versuchen, ist, den zerknitterten Teil durch unsere Maßnahmen wieder zu glätten. Zumindest ein wenig.
Sie sehen - viele Bedingungen können gemeinsam gestaltet werden. Das ist - wie schon erwähnt - meine große Hoffnung.
Und mit biologischen oder auch pathologischen Faktoren, die zu diesem Rahmenwerk hinzukommen mögen, ergibt sich ein ganz klarer und höchst plausibler Zusammenhang. Existieren derartige Faktoren, dann lösen ungünstige Rahmenbedingungen wesentlich frühere und intensivere Störungen im Bereich Konzentrationsvermögen und Aufmerksamkeitsspanne aus.
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Univ. Prof. Dr. Bernhard Schwarz
Zentrum für Public Health der Medizinischen Universität Wien,
Leiter des Karl Landsteiner Instituts für Gesundheitsökonomie,
Leiter des Centers of Health and Safety der Unicredit AG.
Tel.: 01 – 050505 - 51348
Fax: 01 – 050505 - 54535
E- Mail: bernhard.schwarz@meduniwien.ac.at
Nahrung und Gehirn
Lassen Sie mich mit einem Asuz8ug aus der Österreichischen Ernährungsbilanz 2008 der ÖSTAT beginnen: Im Jahr 2008 wurden von der heimischen Landwirtschaft an tierischen Produkten 897.000 t Fleisch, 3,22 Mio. t Milch, 1,60 Mrd. Stück Eier und 2.900 t Fisch produziert. Der Inlandsverbrauch für Nahrungszwecke betrug 833.000 t Fleisch (98,4 kg pro Kopf), 769.400 t Trinkmilch (92,2 kg pro Kopf), 1,99 Mrd. Eier (239 Stück pro Kopf) und 65.100 t Fisch (7,8 kg pro Kopf). Der Grad der Selbstversorgung erreichte bei Fleisch 109%, bei Käse (einschl. Schmelzkäse) 102% sowie bei Butter und Eiern jeweils 77%.
Ausgewiesen für den menschlichen Verzehr sind da:
Rind/Kalb-Fleisch 102.685t
Schweinefleisch: 331.377t
Schaf/Ziege 6.822t
Pferd 376t
Innereien 4.840t
Geflügel 95.710t
Sonstiges 4.654t
Gesamt 546.462T
Der Fischverbrauch/Kopf ging 2008 um 5,6% zurück
Der Verbrauch an tierischen Fetten hingegen stieg um 0,7% an
Wozu all diese Zahlen?
Sie zeigen uns, was ExpertInnen seit Jahren – weitgehend erfolglos - an den Ernährungsgewohnheiten von Herrn und Frau Österreicherin vehement kritisieren.
Dreimal so viel Schweinefleischverzehr wie Rindfleisch – kein Wunder, wenn die staatliche AMA in ihrer Radio-Werbung unter Verwendung einer Kinderstimme erklärt „Ich mach mir jetzt ein Schnitzel, denn Fleisch macht schlau!“ Offenbar erfolgreich, denn der Schweinefleisch-Konsum liegt bei rund 331t, während der Verbrauch aller anderen Fleischsorten insgesamt nur 215t beträgt
Am Ende dieses Seminars, werde Sie zwar mit Sicherheit wissen, „was schlau macht“, aber ich kann Ihnen schon jetzt versichern, Fleisch wird es nicht sein.
Ein anderer wichtiger Punkt ist der deutliche Rückgang im Verzehr von Fisch, obwohl es in Österreich hervorragende Fischarten gibt vom Waldviertler Karpfen über Forelle und Zander bis zu den berühmten Saiblingen im Steirischen Grundlsee. Alles in erstklassiger Qualität. An dieser Stelle wird häufig ins Treffen gebracht, Fisch wäre weit teurer als Fleisch. Allerdings kann man davon ausgehen, dass ein höherer Verbrauch die Produktion ankurbeln und damit vermutlich die Preise senken würde . . .
Allerdings ist dazu anzumerken, dass diese Fische sehr gut im Sinne der gesunden Ernährung sind, die begehrten "Fischöle" mit den essentiellen Fettsäuren aber nur in bestimmten fettreichen Meeresfischen enthalten sind.
Wie sieht es bei den Fetten aus?
Grundsätzlich stehen wir hier vor einer klaren Überversorgung wie in allen Industrieländern.
Dennoch kommt es vor übervollen Kühlschränken zu Mangelzuständen, die nach Englischen Zahlen bis zu 10% der Schulkinder massiv betreffen, die in ihren kognitiven Fähigkeiten auffällig wurden.
Im Detail wird insgesamt deutlich zu viel an Fett konsumiert, aber in einer falschen Verteilung. Zu viele gesättigte Fette, ausreichend einfach ungesättigte Fettsäuren (MUFA, mono unsaturated fatty acids), zu wenig mehrfach ungesättigte Fettsäuren (PUFA, poly unsaturated fatty acids)
Das erklärt den Hintergrund der nach wie vor hohen Inzidenz an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, der Atherosklerose und einzelner Krebserkrankungen wie etwa dem Brustkrebs, der heute zu 30% in seiner Genese auf Fehlernährung zurückgeführt wird. Ein Phänomen, das sich durch alle ähnlichen Zivilisationen zieht.
Mängel gibt es übrigens auch bei Mikronährstoffen wie Kalium oder Calcium (vor allem vor dem Hintergrund der stark gestiegenen Lebenserwartung mit hohem Osteoporoserisiko)
Bezogen auf die PUFA und die damit ggf. in Zusammenhang stehenden Mangelzustände wäre Fisch die Hauptzufuhrquelle. Einzelne Fischsorten gelten als besonders reich an PUFA wie etwa Sardinen, Anchovis, Lachs – um nur einig zu nennen. Generell gilt hier ausnahmsweise, je fetter, desto besser…
Aber ACHTUNG!
Nicht alles aus allen Meeren ist gesund! Fisch aus dem Nordatlantik oder der Nordsee trägt ein relativ hohes Schwermetall-Risiko In anderen Regionen wie etwa dem Süd-Pazifik ist dieses Risiko gering. Man sollte also wissen, wo der Fisch überhaupt gefangen wurde
Idealerweise wäre es auch gut zu wissen, wovon sich der Fisch ernährt, denn „Algenfresser“ enthalten mehr wichtige PUFA als andere, da Kieselalgen&Co besonders reich an den geeigneten Fettsäuren sind.
Ähnliches gilt für die Verwendung ungeprüfter Substitutionspräparate wie sie vielfach angepriesen werden. Hier ist unbedingt Vorsicht geboten! Vor Billigprodukten, bei denen weder die Herkunft des Fischöls noch die Freiheit von Schwermetallen bekannt ist, muss dezidiert gewarnt werden. Bei Fetten ist ein zusätzlicher heikler Punkt die ausreichende Stabilität in der Kapsel, also im Produkt selbst. Sie ist nicht einfach zu erreichen. Und nicht zuletzt die Frage, ob man dann womöglich beginnt, nach Fisch zu riechen . . .
Des Weiteren besteht ein klarer Unterschied in den Dosierungen von so genannten Nahrungsergänzungsmitteln, die sehr niedrig dosiert sind, und dezidiert zur Therapie ausgewiesenen Präparaten.
Nur, wenn es ausreichende Evidenz basierte Studien gibt, kann man guten Gewissens zu diesem Produkt greifen. Derzeit entspricht diesem Standard in Österreich nur ein einziges Fischöl-Präparat zur Senkung von erhöhten Triglyceriden. Ab April wird ein weiteres hinzukommen,dass gezielt für Aufmerksamkeitsstörung geprüft wurde.
Jedes neu hinzukommende Produkt wird sich diese Kriterien stellen müssen. Generell könnte man sagen, „Höchste Zurückhaltung ist geboten bei allen „Wald-und Wiesen-Präparaten“ ohne seriöse Studiendokumentation.“ Sowohl im Bereich der Nahrungsergänzung, als auch noch viel mehr im Bereich jedweder interventionellen Gabe.
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Dr. med. Wolfgang A. Schuhmayer
medcoMMMunications consulting
3571 Gars am Kamp, Schillerstr 163
T: +43 676 74 808 34; M: office@intmedcom.com
PUFA (polyunsaturated fatty acids) & Gehirnleistung
Leider gibt es bei der Verwendung der Bezeichnungen keine Einheitlichkeit. Folgende Benennungen meinen dasselbe: „langkettige, mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren“ = n-3-polyunsaturated fatty acids“ = „n-3-PUFA“ = w-3-PUFA = ω-3-FS . . . .
Essentielle (=werden vom Körper nicht selbst gebildet) Fettsäuren spielen nicht nur für die frühkindliche Gehirnentwicklung, sondern auch für dessen kognitive Entwicklung und das generelle Funktionieren der kognitiven Fähigkeiten eine bedeutsame Rolle. Weiters ordnet man eine neurostabilisierende Wirkung zu, die psychisch-neurologischen Störungen wie Alzheimer-Demenz, Depression, Schizophrenie oder bestimmten Formen des Autismus entgegen wirkt.
PUFA entstehen im Körper aus den essentiellen Fettsäuren Alpha-Linolensäure (ALA) und Linolensäure (LA). Sie gehören als C18-Kohlenstoffbindungen zu den kürzeren PUFA. Sie können den so genannten neuronalen Membran-Fluiditäts-Index positiv beeinflussen. Sein Absinken kommt einer Verschlechterung der neuronalen Leistung gleich und macht die Nervenzelle verletzlich Diese beiden Fettsäuren können den Cholesterin-Gehalt in der Membran senken, der die Membran-Fluidität ungünstig beeinflusst.
Linolensäure kann weiter zu Omega-6-Fettsäure „Gamma Linolen-Säure“ (GLA) umgewandelt werden. Aus der Alpha-Linolensäure entstehen die Omega-3-Fettsäuren „Eicosapentaen-Säure“ (EPA) und „Docosahexan-Säure“ (DHA).
Warum kann man dann nicht einfach die beiden Vorstufen zuführen?
Weil der Organismus beispielsweise nur etwa 0,5% der zugeführten Alpha-Linolen-Säure in DHA umwandelt . . .
D.h. der DHA-Syntheseweg ist reichlich langsam und insuffizient, was bei Mangel eine externe Zufuhr der Synthese-Endprodukte notwendig macht
Woher nehmen?
Wir haben bereits gehört, dass die Hauptquellen für DHA und EPA fettreiche Kaltwasserfische wie Lachs, Hering, Makrele und Heilbutt sind sowie auch Algen, die ihrerseits eine essentielle Quelle der n-3-PUFA-Versorgung der Fische darstellen.
Die Trockenmasse des menschlichen Gehirns besteht zu 50% - 60% aus Fetten, wobei das neuronale Gewebe einen ausgesprochen hohen Gehalt an langkettigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (vor allem DHA) aufweist. In tierexperimentelle Studien war das (adulte) Gehirn „diätsensitiv“, das heißt, mit der Nahrung aufgenommene Fettsäuren werden aus dem Serum aufgenommen und verwertet.
Eine protektive Wirkung über eine Entzündungshemmung nimmt man für PUFA in den Wänden der Blutgefäße an.
Besonders DHA-reich sind die Membranphospholipide der Neuronen, die allein 22 Prozent des zerebralen Kortex ausmachen. Sie bestehen zu 50% aus PUFA. Noch höher ist der Anteil mit 70% in den Myelinscheiden, die die Nerven umgeben. Hier sind sie essentieller lebenswichtiger Bestandteil. Die exakte Rolle der n-3-PUFA in der Gehirnphysiologie ist in allen Details noch nicht erforscht. Tierexperimentelle Untersuchungen zeigten eine (positive) Beteiligung bei der Modulation von Signaltransduktionskaskaden z.B. von Acetylcholin oder Serotonin. Ein Mausmodell zeigt als Reaktion auf externe DHA-Zufuhr dessen verstärkten Einbau vor allem in die Membranstrukturen des Hippocampus und der Amygdala mit einer positiven Beeinflussung der Lern- und Gedächtnisfunktionen.
Grundsätzlich werden sechs wichtige Funktionen in der Literatur diskutiert:
1) Modifizierung der Membran-Fluidität (Maß für die Leistung des Signalaustausches durch die Zellmembran)
2) Modifizierung der Membranwand-Proteine
3) Modifizierung der Zahl der Rezeptoren (für Neurotransmitter) und deren Affinität (Bindungsfreudigkeit)
4) Modifizierung in der Funktion der Ionenkanäle (Signaltempo)
5) Modifizierung der Produktion/Aktivität von Neurotransmittern
6) Kontrolle der neuronalen Wachstumsfaktoren
Dem Mangel an essentiellen Fettsäuren werden bestimmte Symptome zugeordnet: Müdigkeit, dermatologische Probleme, Störungen des Immunsystems, Magen-Darm-Störungen, Herz-Kreislauf-Probleme, Wachstumsretardierung und Sterilität.
Weiters werden negative Einflüsse eines Mangels an PUFA auf folgende Erkrankungen diskutiert: Verschlechterung von Brust-Krebs, Prostata-Karzinom, Rheumatoide Arthritis, Asthma, Präklampsie, Depression, Schizophrenie, Autismus, Aufmerksamkeitsstörungen mit oder ohne Hyperaktivität sowie M.Alzheimer und andere neurodegenerative Erkrankungen – um einige wichtige Beispiele zu nennen.
Auch in der Hirnalterung des Menschen spielen sie eine große Rolle. Mit steigendem Alter nimmt die Membranfluidität und damit die Gehirnplastizität ab – als Folge davon sinkt die kognitive Leistung. Ein längerer Mangel in der Zufuhr (Nahrung) beeinträchtigt analog dazu die Membranfluidität negativ und zusätzlich kommt es zu Störungen der intrazellulären Signaltransduktion.
Die gezielte, regelmäßige Zufuhr von n-3-PUFA hingegen erhöht den Phospholipidanteil im ZNS und führt im frontalen Kortex zu einer erhöhten Ausschüttung von Neurotransmittern wie Serotonin und Dopamin. Als Folge werden die neuronale Funktion des Gehirns und damit Lern/Gedächtnisleistungen positiv beeinflusst.
Vereinfacht könnte man also zusammenfassen, die Omega-Fettsäuren sorgen für eine verbesserte Funktion der Gehirnzellen insgesamt bis hin zu einem fakultativen „Jungbrunnen-Potential“.
Welche Wirkungen ordnet man ihnen im Detail zu?
EPA / Eicopentaensäure (= Omega-3-FS)
Sie hat funktionale Augaben. Man nimmt an, dass sie eine wichtige Rolle in der raschen Signaltransduktion von Gehirnzellen spielt. Ihre Metabolite sind entzündungshemmend. Man hält sie für wichtig in Lebensabschnitt Kindheit bis Erwachsenenalter.
DHA / Docosahexan-Säure (= Omega-3-FS)
Sie hat strukturelle Aufgaben in der Entwicklung von Zellverbänden. Daher geht man davon aus, dass ihre Bedeutung hoch ist, solange das Gehirn wächst WICHTIG für frühkindlich/kindliche Gehirnentwicklung
GLA / γ-Linolensäure (= Omega-6-FS)
Sie metabolisiert rasch in DGLA (Dihomo-Gamma-Linolen-Säure), die in vielen physiologischen Prozessen eine entzündungshemmende Rolle spielt und in den Nervenendigungen vorkommt. Kann weiter in AA/Arachidonsäure metabolisiert werden.
Zusammenfassung.
DHA (n-3) – Gehirnentwicklung
EPA (n-3) – Gehirnfunktion
GLA (n-6) – Entzündungshemmung ( DGLA & AA)
DHA-Versorgungs-Balance aufrecht erhalten
EPA (Funktion) kann vom Organismus grundsätzlich in DHA (Struktur) umgewandelt werden.
Steigt der Bedarf an struktureller Stabilität, dann lässt das eine externe Versorgung als sinnvoll erscheinen. Das ist der Fall in der Schwangerschaft, in der frühen Kindheit und im Alter.
Stabilisierung der Membranfunktion
Membran - Phospholipide enthalten AA(6) und DHA(3). Sie erhalten die ausreichende Neurotransmission aufrecht. EPA und ihre Derivate tragen dazu bei, diese Aktivität zu regulieren, indem sie die strukturelle Fettsäure-Balance aufrecht erhalten . . .
EPA wichtiges „Muttermolekül“ (Precursor)
EPA ist der Precursor für ganze Familien von Derivaten, die alle sehr wichtige biologische Funktionen beeinflussen wie etwa den Blutdruck, die Blutgerinnung oder die Vermittlung von Entzündungsreaktionen. Daraus lässt sich unschwer schließen, dass hier auch noch eine Fülle medizinischer Möglichkeiten schlummert.
EPA ist Precursor für:
Hydroxy Fettsäuren
Stabilisieren Membran-Strukturen und unterstützen Reaktion mit Membran-Proteinen
Thromboxan
wird unter anderem in Thrombozyten gebildet und ist dort das hauptsächlich gebildete Prostaglandin. Es aktiviert die Thrombozytenaggregation über die Thromboxan-Rezeptoren auf den Thrombozyten und ist ein Gegenspieler des vom Endothel gebildeten blutgerinnungshemmenden Prostacyclins
Leukotriene
LT-B4 wirkt chemotaktisch auf Leukozyten, indem es die Bildung von Sauerstoffradikalen zur Abwehr von Fremdpartikeln und die Adhäsion an Endothelzellen stimuliert.
LT-C4 ist ein sehr starker Bronchokonstriktor, der die Wirkung von Histamin bei weitem übertrifft. Darüber hinaus steigert es die Kapillarpermeabilität. Aufgrund dieser Eigenschaften spielt es eine wesentliche Rolle bei allergischen Reaktionen, insbesondere jedoch beim Asthma bronchiale.
Prostaglandine
Prostaglandine aus der Arachidonsäure (Serie-2) sind für Schmerz, Blutgerinnung, Entzündungen und vieles andere verantwortlich. Man versucht durch Medikamente (beispielsweise Acetylsalicylsäure = “Aspirin“) die Ausprägung der Serie-2-Prostaglandine zu hemmen. Allerdings hemmen diese Medikamente auch deren natürliche Gegenspieler, die Serie-1- und die Serie-3-Prostaglandine.
Kann man PUFA-Defizite sehen?
PUFA-Defizite lassen sich sichtbar machen. Man benützt dazu das MRI (Magnet Resonanz Imaging). Das Bild zeigt ein gesundes Gehirn im Vergleich zu einem ADHS-Patienten. Unterschiede zeigen sich beispielsweise im Volumen der so genannten „weißen Substanz“. Das sind jene (innen liegenden) Teile des Gehirns, die ihre „Farbe“ von den Mylinescheiden der Nervenfasern haben – also aus schnellen Leitungsbahnen bestehen. Sie verbinden das Frontalhirn mit Basalganglien, Hirnstamm und Kleinhirn. Diese Regionen sind etwa involviert in die Konzentrationsfähigkeit, höheres Denken, Impulsivität, aber auch motorische Aktivität. Nie behandelte ADHS-Kinder zeigen einen geringeren Anteil. Dieses Phänomen wird mit einem Mangel an PUFA in Zusammenhang gebracht
Literatur beim Verfasser
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Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer
Landesklinikum St. Pölten, Abteilung für Kinder & Jugendheilkunde
3100 St. Pölten, Propst-Führer-Strasse 4
Tel.: 02742 - 300 – 13506, Fax: 02742 - 300 – 13519
Email: karl.zwiauer@stpoelten.lknoe.at
Die Studienlage
Welchen wissenschaftlichen Hintergrund gab es, bei Aufmerksamkeits-störungen langkettige mehrfach ungesättigte Fettsäuren (LC- PUFA) zu geben: Erste Hinweise kamen durch die Tatsache, dass Kinder mit ADHS – abgesehen vom Konzentrationsmangel – Symptome zeigten, die man vom Mangel an essentiellen Fettsäuren kannte wie etwa erhöhten Durst oder schlechte Haut. Also gab man versuchsweise LC-PUFA und das führte über zahlreiche Studien mit Präparaten unterschiedlichster Zusammensetzungen zu jenen Studien, die man aufgrund ihrer gewissenhaften Ausrichtung nach den GCP-Kriterien (randomisiert, doppelt blind, Placebo kontrolliert) heute guten Gewissens zitieren kann.
Kurz zu den LC-PUFA
Langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Long-chain Polyunsaturated Fatty Acids = LC-PUFA) stammen vor allem aus Pflanzen und Meerestieren. Der menschliche Organismus kann LC-PUFA nicht selbst synthetisieren. LC-PUFA sind Bausteine der Zellhüllen und Vorstufen von wichtigen Substanzen, die im Zentralnervensystem Signale übertragen aber auch Vorstufen von entzündungshemmenden Substanzen (zum Beispiel Prostaglandine). PUFA-Moleküle haben mehr als eine Doppelbindung und werden unter anderem aufgrund der Lokalisation der ersten Doppelbindung benannt. Demnach haben Omega-3-Fettsäuren (ω-3-FS) ihre erste Doppelbindung am dritten Kohlenstoffatom, Omega-6-Fettsäuren (ω-6-FS) am sechsten Kohlenstoffatom.
Das Gehirn, die Netzhaut und andere neuronalen Gewebe haben dabei einen besonders hohen Gehalt an langkettigen, mehrfach ungesättigten Fettsäuren (PUFA).
Zwei mehrfach ungesättigte Fettsäuren, die Linolsäure und die Alpha-Linolensäure sind für den Menschen essenziell, das heißt, dass sie mit der Nahrung zugeführt werden müssen. PUFA sind in verschiedenen Ölen enthalten, vor allem in Fischöl. PUFA aus Fischöl müssen zusammen mit Antioxidantien wie zum Beispiel Vitamin E eingenommen werden, damit sie stabil bleiben und ihre Wirkung entfalten können. Die Wahrscheinlichkeit einer ungenügenden Versorgung mit PUFA ist am größten bei Menschen, deren Bedarf erhöht ist, zum Beispiel bei Infektionen, chronischen Krankheiten oder in Wachstumsphasen.
Der Hintergrund
60% des Trockengewichtes des Gehirns ist Fett. Die höchsten Konzentrationen von DHA (Docosahexaensäure, 22:6 ω-3) finden sich in Retina, Gehirn und Nervensystem. DHA ist unbedingt notwendig für die Nervenzellmyelinisierung und damit für die Reizweiterleitung.
PUFA insgesamt sind wesentliche Bausteine für die ZNS Entwicklung (Gehirn), Sehentwicklung, als Komponenten in neuronalen Membranen, durch ihre Effekte auf Neurotransmitter, für die Prävention der neuronalen Apoptose (Zelluntergang) sowie durch ihren Einfluss auf das Neuritenwachstum
Die beiden essentiellen „Muttersäuren“ sind die LA/Linolsäure und die ALA/Alpha-Linolsäure. In einer Stoffwechselkaskade, die praktisch in jeder ihrer Stufen einen Wechsel von ω -3 und ω -6PUFA erlaubt und umgekehrt, entstehen unter anderem die ω-6-Fettsäure „Gamma Linolen-Säure“ (GLA) sowie Arachidon-Säure und die die ω-3-Fettsäuren „Eicosapentaen-Säure“ (EPA) sowie „Docosahexan-Säure“ (DHA).
Im Ideal-Fall sorgt eine Balance zwischen ω -3 und ω -6-PUFA für das ideale Funktionieren der davon beeinflussten Systeme (zB. Nervensystem, Immunsystem, Haut u.a.)
Was aber kann diese Balance stören?
• Genetische Stoffwechseldefizite
• Geschlechtsspezifische Unterschiede (Frauen begünstigt)
• Mangel an Magnesium und Zink
• Kompetitive Enzymsysteme – Zufuhr „falscher“ Fette (zB. Transfette) vermindert Synthese
• Der lange, wenig effiziente Syntheseweg
Daraus resultiert, dass auch eine Imbalance zwischen ω-3 und ω -6-PUFA eine entsprechende Mangelsymptomatik hervorrufen können.
Mangelzustände und Imbalancen von PUFA in Entwicklungsphasen haben weitreichende Konsequenzen. Stärkste Konsequenzen: pränatal/postnatal, aber in allen anderen Altersklassen ist ein Mangel an ω-3 Fettsäuren assoziiert mit Verhaltensauffälligkeiten und ADHS
Insgesamt ist eine abnehmende Zufuhr von ω-3 PUFA in der Gesamtbevölkerung in den letzten Jahrzehnten festzustellen.
In den 1980 er Jahren wurde der Mangel an essentiellen Fettsäuren bei Kindern mit Entwicklungsstörungen (Dyslexie, Dyspraxie, Autismus, Angststörungen, auffälligem Sozialverhalten, Tic-Störungen, Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörungen) in Verbindung gebracht.
Es wurden niedrige ω-3 PUFA-Werte sowie ω-6/ω-3 Imbalancen festgestellt und dies war gleichsam der Auftakt zu zahlreichen klinischen Studien
Diese Beobachtungsstudien erbrachten folgende Erkenntnisse:
• ADHS Mangel an ω-3 Fettsäuren (ALA, DHA) und ω-6 Fettsäuren (AA)
• Plasmaspiegel: FS-Versorgung der letzten 24 Stunden
• Phospholipide an Erythrozyten: FS-Versorgung der letzten Monate, korrelieren mit den FS Konzentrationen im Gehirn
1995 wurden bei ADHS-Kindern Zeichen eines PUFA-Mangels identifiziert wie Durst, häufiges Urinieren, trockene Haut, verstärkte Schuppenbildung, trockenes Haar u.a.). Anhand der Erythrozyten wurden an ADHS-Kindern verminderter AA- und DHA-Konzentrationen festgestellt.
1996 brachte eine erste Studie ADHS mit einem Mangel an ω-3 PUFA in Zusammenhang.
ABER - Diese Studien waren allesamt NICHT KAUSAL beweisend!
Warum?
• Studiendesign nur geeignet Hypothesen zu generieren
• Zahlreiche Einflussfaktoren und komplexe chemische Interaktionen
• Umwelteinflüsse
• Möglichkeit genetischer Variationen
Frühe Studien mit isolierter DHA-Supplementierung zeigten nur minimale positive klinische Effekte
2006/2007 - 2 Studien mit ω-3 FS-Supplementierung waren erfolgreich:
• 0,4 mg ALA (Flaxöl) in Kombination mit 0,5 mg Vitamin C
• 10,8 mg EPA und 5,4 mg DHA
• Verbesserung in Verhaltensfaktoren: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, trotziges und oppositionelles Verhalten
Wesentlich erscheint aber die Kombination von ω-3 plus ω-6-Fettsäuren (Fischöl + Nachtkerzenöl)
Das sind die aktuellen Kombinationsstudien:
ω-3 Fettsäuren: EPA, DHA (Fischöl)
ω-6 Fettsäuren: LA, GLA, AA (Nachtkerzenöl)
• Richardson AJ et al. Oxford-Durham Studie - Pediatrics. 2005
• Portwood M. Nutrition and Health. 2006
• "Sure Start-Studie" (Kinder von 18 Monaten bis 3 Jahren)
• Open label studie (Jugendliche von 12 - 15 Jahren)
• Sinn N et al. Journal of Developmental and Behavioral Pediatrics. 2007
• Sinn N. et al. Prostaglandins Leukotrienes Essent. Fatty Acids 2008
• Johnson M et al. Journal of Attention Disorders. 2009
2000 wurde von Richardson eine Pilotstudie zur späteren Oxford-Durham-Studie veröffentlicht:
• Supplementierung von EPA, DHA, AA, GLA vs. Placebo
• Legastenisch, dyslexische ADHS Kinder
• Verbesserung von Wahrnehmungsstörungen, Verhaltensstörungen und psychosomatischen Beschwerden wie
Angst
Scheu
Unaufmerksamkeit
Hyperaktivität
Impulsivität
2005 lagen die Ergebnisse der Oxford-Durham-Studie vor.
Geprüft wurde die Wirkung der langkettigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (LC-PUFAs*) bei Kindern mit entwicklungsbedingten Koordinationsstörungen (DCD) und assoziierten Lern- und Verhaltensschwierigkeiten.
• RDBPC Studie, einseitiges Crossover,
• Intervention: LC-PUFA vs. Olivenöl, Dauer der Intervention 3 Monate
• 117 Kinder (Alter 5-12 Jahre), Lese und Schreibfähigkeit
• Rückstand von etwa 1 Jahr
• Endpunkte: Motorik, Lese- und Schreibfähigkeit (Conners Teacher Rating Scales) nach 3 und 6 Monaten
Verwendet wurde ein Kombinations-Präparat namens equazen®
• 558 mg EPA
• 174 mg DHA
• 60 mg LA
Das Ergebnis:
• In 11 der 13 ADHS Skalen signifikante Verbesserung nach 3 Monaten.
• Nach dem Crossover ähnliche Verbesserungen in der Placebo/Aktivgruppe.
• Signifikante Besserung der Lese- und Schreibfähigkeit durch LCPUFA
Portwood et al publizierten 2006 2 Studien:
• "Sure Start-Studie" (Kinder von 18 Monaten bis 3 Jahren)
Interventionsstudie
Intervention: LC-PUFA, Dauer der Intervention 5 Monate
65 Kinder (Alter 18-36 Monate)
Endpunkte: Beurteilung des Verhaltens und der Konzentrationsfähigkeit durch Eltern. In beiden Kriterien zeigten sich relevante Verbesserungen
• Open label studie (Jugendliche von 12 - 15 Jahren)
• Nicht randomisierte, placebo kontrollierte Studien
2007 veröffentlichten Sinn et al. ihre Untersuchung der Wirkung der langkettigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (LC-PUFAs*) bei Kindern mit typischen Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom
• RDBPC Studie, einseitiges Crossover (LC-PUFA + Mikronährstoffe)
• Dauer der Intervention 5 Monate, 3 Studienarme:
LC-PUFA® vs.
LC-PUFA + Mikronährstoffe vs.
Palmöl
• 132 Kinder (Alter 7-12 Jahre)
• Endpunkte: Motorik, Lese- und Schreibfähigkeit (Conners Teacher Rating Scales) nach 3 und 6 Monaten
Das Ergebnis:
• Signifikante Verbesserungen durch LC-PUFA nach 15 Wochen im Vergleich zum Placebo in den Items: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität, Impulsivität in der Beurteilung durch die Eltern
• Keine Unterschiede in der Beurteilung durch die Lehrer
• Behandlungseffekte mit Stimulantien vergleichbar
2007 publizierten Sinn et al. weitere Ergebnisse über die Wirkung der langkettigen mehrfach ungesättigten Fettsäuren (LC-PUFAs*) bei Kindern mit typischen Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom
• RDBPC Studie, einseitiges Crossover (LC-PUFA + Mikronährstoffe)
• Dauer der Intervention 5 Monate, 3 Studienarme:
1. LC-PUFA® vs.
2. LC-PUFA + Mikronährstoffe vs.
3. Palmöl
• 167 Kinder (Alter 7-12 Jahre)
• Endpunkte: Kognitive Tests für Aufmerksamkeit
Die Ergebnisse:
• Deutliche Verbesserung der Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit bei Kindern, die mit LC-PUFA und LC-PUFA mit Mikronährstoffen behandelt wurden
• Verbesserungen im verbalen Vokabular
• Keine zusätzlichen Verbesserungen durch die Gabe von Mikronährstoffen (Multivitamin/Mineralstoffe)
2008 veröffentlichte eine Schwedische Gruppe die so genannte Göteborg-Studie:
• Studie, einseitiges Crossover (LC-PUFA)
• Dauer der Intervention 6 Monate, LC-PUFA® vs. Olivenöl
• 75 Kinder (Alter 8-18 Jahre)
• Endpunkte: ADHS Symptome (ADHD-Rating Scale IV- Parent Version) und Clinical Global Impression Skala vor vs. nach 3 und 6 Monaten Behandlung mit LC-PUFA
Das Ergebnis.
• Nach 3 Monaten wiesen 26% der LC-PUFA Gruppe klinische Verbesserungen (>25% Verbesserung der ADHS Symptome) auf – nur 7% in der Placebogruppe
• Nach 6 Monaten waren 47% der Personen der LC-PUFA Gruppe Responder (> 50% Verbesserung der ADHS-Symptome), vs 12 % in der Kontrollgruppe
• Responder vor allem in der Gruppe der Aufmerksamkeitsstörungen
• Besonders gutes Ansprechen von Lese-/Schreibschwächen, Lernschwierigkeiten und autistischen Symptomen
Zusammenfassung des aktuellen Studienstandes:
• LC-PUFA spielen eine zentrale Rolle für das Funktionieren des Nervensystems
• Beobachtungsstudien zeigen einen Mangel/Imbalance von ω-3/ω-6 Fettsäuren bei Kindern mit neurokognitiven Störungen – ADHS, Dyslexie, Dyspraxie, Autismus etc.
• Kontrollierte, randomisierte doppel-blinde Studien zeigen signifikante klinische Verbesserungen durch die Supplementierung mit LC-PUFA
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Ass. Prof. Dr. Brigitte Hackenberg
Univ. Kinderklinik Wien, Dept. Ltg. f. Psychosomatik und klinische Psychologie
1090 Wien, Währinger Gürtel 18-20
T +43-1-40400/3267, M: brigitte.hackenberg@meduniwien.ac.at
Was wann wie behandeln?
Der Titel der Veranstaltung weist schon darauf hin, dass es sich beim Symptom der Konzentrationsstörung nicht um eine einzige wohl definierte Erkrankung handelt, sondern man sich bemühen muss, hier in größeren Zusammenhängen zu denken – und letztlich auch zu handeln
Insbesondere vor dem Wunschdenken einer Evidenz-basierten Medizin ist das nicht ganz einfach. Dennoch versuchen wir bestmöglich, dieser Anforderung gerecht zu werden.
Eine kindliche Konzentrationsstörung kann grundsätzlich rein „hausgemacht“ – also mit viel elterlichem Geschick hervorgerufen sein. Das macht die Elternberatung nicht einfacher. Die Angst , versagt zu haben, steht einer konstruktiven Elternarbeit oft lange im Wege.. Eine Konzentrationsstörung kann naturgemäß viele Ursachen haben.
Von einer behandlungsbedürftigen Störung sprechen wir erst, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind.
In der Folge macht es schon einen gewaltigen Unterschied, wo ein betroffenes Kind behandelt wird. In Europa oder in den USA? Während in den USA sehr intensiv mit Substanzen zuungunsten der Psychotherapie gearbeitet wird, wie internationale Erhebungen zeigen, kehrt sich dieses Verhältnis in Europa um. Speziell in Österreich ist man jedoch überaus zurückhaltend und viele meinen, mit Psychotherapie alleine jedes Problem lösen zu können. Das ist sicher nicht richtig, denn erst die Kombination von Psychotherapie mit den geeigneten Substanzen führt zum bestmöglichen Erfolg.
Nähern wir uns also dem Begriff „Aufmerksamkeitsstörung“ – im englischen „Attention Deficit“ (AD). Vergleicht man in diesem Kontext amerikanische Beurteilungssysteme wie die DSM-IV mit der europäischen ICD-10, dann fällt auf, dass in den USA die Aufmerksamkeitsstörung alleine – also ohne gesteigerten Antrieb – akzeptiert wird. In der Europäischen Klassifikation ist das nicht der Fall. Hier wird gleichsam verlangt, dass sie mit Unruhe und Antriebssteigerung vergesellschaftet ist. Dann sprechen wir von einem ADHS (Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom)
In den USA setzt man hier das H mitunter in Klammer und spricht von einem ADS – einem Aufmerksamkeits-Defizit-Syndrom. Und daher rührt letztlich der Titel diese Veranstaltung, denn so gesehen handelt es sich um eine „Krankheit ohne Namen“.
Das AD(H)S ist aber ein häufig falsch oder miss-verstandenes Krankheitsbild, stark wechselnder Ausprägung und Intensität, das mit anderen psychischen Erkrankungen einher gehen kann, aber keineswegs muss. Und das Feld dieser gelegentlich assoziierten Erkrankungen oder Symptomkomplexe ist weit. Es reicht von depressiven über schizoide Symptome bis hin zu Formen des Autismus. Schubladendenken führt hier definitiv in die Sackgasse.
Es gibt in diesem Zusammenhang eine Reihe von Verallgemeinerungen und Irrtümern wie etwa:
Das ist nur die Unfähigkeit still zu sitzen, schlechtes Benehmen
Nun, so einfach darf man es sich nicht machen Man wird keine Behandlungserfolge erreichen, wenn man versucht, einem solchen Phänomen mit dem erhobenen Zeigefinger zu begegnen
Das Gehirn der Betroffenen ist überaktiv und muss medikamentös ruhig gestellt werden
Nein, auch so geht es nicht, denn keineswegs ist es so, dass alle Kinder, bei denen man ein ADHS oder eine ähnliche Störung feststellt, überhaupt eine medikamentöse Behandlung benötigen. Wenn doch mit Medikamenten behandelt wird, dann nicht mit Beruhigungsmitteln, sondern mit aktivierenden Substanzen (z.B. Stimulanzien), die das „Kontrollsystem“ im Gehirn selektiv beeinflussen können.
Das ist nur ein Mangel an „Willenskraft“
Motivierte Menschen zeigen bessere Leistungen, das ist eine bekannte Tatsache. Für aufmerksamkeitsgestörte Kinder werden schwierige Aufgaben oft zur reinen Plage, -der Satz „du musst nur wollen! „ macht ihnen das Leben nicht leichter..
ADHS ist nur das moderne Etikett, um eine Verhaltensstörung salonfähig zu machen
Eltern mit Erziehungsproblemen suchen oft die alleinige Erklärung in einer biologisch entstandenen Störung und wollen ihre Verantwortung in der Symptomentstehung nicht zur Kenntnis nehmen. Es wäre aber verfehlt alle Verhaltensschwierigkeiten in einen Topf zu werfen und zu glauben, alles sei soziologisch zu erklären.
Das haben nur Kinder und mit der Pubertät wächst sich das aus…
Keineswegs, auch Erwachsene können ein AD(H)S haben
Jeder hat irgendwann in seinem Leben derartige Symptome und damit muss ein halbwegs intelligenter Mensch von selbst fertig werden
Das ist etwa so realistisch, wie einem Depressiven zu sagen, er möge sich gefälligst „zusammenreißen“ . . .
Dieser kleine und unvollständige Überblick soll zeigen, wie vielfältig die Missverständnisse und Vorurteile rund um diesen Symptomkomplex sind.
Ein klares biopsychiatrische Korrelat kennen wir bis dato nicht. Im Hintergrund werden Ursachen aus vier Bereichen vermutet:
1. Genetische Belastung – oft ist auch ein Elternteil ähnlich veranlagt
2. Neurochemisch-neuroanatomische Störungen – etwa Abweichungen im adrenerg-serotonergen System oder ein vermindertes Vorhandensein essentieller Fettsäuren
3. Hirnorganische Schädigungen – Veränderungen des frontostriatalen Kortex wurden dokumentiert.
4. Umfeldfaktoren –inadäquates Verhalten von Eltern und Lehrern
Zum Verständnis ein Beispiel, dass auch im ersten Referat schon aufgezeigt wurde: Sie können ein Kind mit einer Neigung zu einer pathologischen Aufmerksamkeitsstörung haben, aber für ein sehr ausgewogenes und rhythmisiertes Umfeld sorgen. Nichts wird passieren. Setzen die dasselbe Kind aber in eine völlig andere Umgebung – so wie im ersten Referat beschrieben – triggern sie diese Schwäche und es kommt zur Entwicklung einer ausgeprägten Symptomatik . . . .
Dieses Beispiel führt uns zum Wann behandeln?
Grundsätzlich sollte bei jeder längerfristig auffälligen Konzentrationsstörung abgeklärt werden, ob hier eine Krankheitswertigkeit vorliegt. Insbesondere, wenn diese Aufmerksamkeitsdefizite sich so präsentieren, als würde das Kind scheinbar abwesend sein, in einer „eigenen Welt“ träumen, gedanklich nicht am Geschehen teilnehmen, auf Fragen nicht sinnfolgend antworten und Ähnliches.
Das diagnostische Konzept sieht im Detail folgende Schritte vor:
• Exploration der Eltern des Kindes und der Lehrer/Erzieher
• Exploration des Kindes
• Standartisierte Fragebögen für Eltern, Lehrer/Erzieher und Kinder
• Testpsychologische Untersuchung
• Körperliche Untersuchung
• Verlaufskontrolle
Fehlen hier Hyperaktivitätssymptome, dann spricht die DSM-IV vom „vorwiegend unaufmerksame Subtyp", während diese Variante in der Europäischen ICD-10 gleichsam „nicht vorkommt“ bzw nur als Restkategorie „sonstige hyperkinetische Störung“ klassifiziert wird. Das kann auch dazu führen, dass durch das Fehlen der Aktivitätssteigerung gar keine Diagnose gestellt wird . . .
Etwas einfacher ist die Situation, wenn typische Hyperaktivitäts-Symptome vorliegen und damit ein „klassisches„ ADHS-Vollbild vorliegt.
Nehmen Sie also bitte zu diesem Teil meiner Ausführungen Folgendes für Ihre Leser-, Hörer- oder SeherInnen mit. Jede längerfristige Konzentrations- oder Aufmerksamkeitsstörung bedarf einer entsprechenden Abklärung. Es macht keinen Sinn, diese Kinder als „willensschwache Dummchen“ hinzustellen. Sie benötigen vielfach aktive Hilfe, die auch möglich ist.
Ebenso muss sich nun niemand Sorgen machen, dass das Kind sofort mit allen Arten von Drogen vollgepumpt wird. Diese begreifliche Sorge vieler Eltern führt zum „Wie behandeln?
Noch einmal – die Diagnose an sich bedeutet noch lange nicht den Einsatz „schwere Medikamente“. Sie können vielfach weggelassen werden.
Das therapeutische Armentarium beginnt mit der Beratung und Betreuung der gesamten Familie, also einer “Psychoedukation“der Familie mit Psychotherapie für das Kind, manchmal auch für die Eltern. Für milde Verlaufsformen ist es oftmals ausreichend, für eine Rhythmisierung des Kinderlebens zu sorgen. Das allerdings setzt motivierte und kooperative Eltern voraus.
Die nächst höhere Behandlungsstufe steht uns in Österreich auch bald zur Verfügung. Das ist der Einsatz hoch dosierter ungesättigter Fettsäuren – der so genannten Omega-Fettsäuren. Wichtig ist hier „hoch dosiert“. Ein wohl gemeintes Nahrungsergänzungsmittel aus der Drogerie enthält – bildlich gesprochen - nur Spuren jener Dosierung, die für den Einsatz bei Aufmerksamkeitsstörungen nötig sind. Es wäre völlig wirkungslos. Ähnliches gilt auch für das Denkmodell „gesunde Ernährung“…
Derzeit könnte man – allerdings zu einem extrem hohen Preis – ein Fischöl-Präparat aus der Kardiologie „zweckentfremden“ oder Präparate mit für Kinder ungeeigneter Kapselgrösse verwenden.. Wir in der Klinik verfügen aber schon über erste Muster eines aus England kommenden Produktes, das Omega 3 und 6 Fettsäuren enthält. Es wird in Österreich des Status eine so genannten „diätetischen Nahrungsergänzungsmittels“ haben. So bezeichnet man spezielle Nahrungsergänzungsmittel, die einer bestimmen Indikation zugeordnet sind. In diesem Falle sind das Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen.
Was bewirkt ein solches Omega-FS-Präparat?
Sie haben von meinem Vorredner gehört, wie vielfältig heute der Einsatz dieser essentiellen Fettsäuren erkannt wird. Diese Substanzen spielen mit –Sicherheit eine wichtige Rolle im Nervenstoffwechsel – welche genau, wissen wir noch nicht. Die beobachtete Wirkung im Zusammenhang mit sehr unterschiedlichen Krankheitsbildern lässt allerdings den Schluss zu, dass es sich hier um eine Art „Energieturbo“ für die Nervenzelle handelt, die sie die ihr zugedachte Funktion besser ausführen lässt.
Gewarnt werden muss allerdings schon jetzt vor eine Art „Omega-Mania“, bei der vielfältige Trittbrettfahrer diese Erkenntnisse für sich nützen wollen, um nicht getestet Präparate einfach „bezugnehmend“ – wie das so schön heißt - an gutgläubige Konsumenten zu bringen. . . . .
Es gibt in Studien Hinweise auf die Wirkung der Omega-Fettsäuren, die sich immer wieder auch in der Praxis bestätigen.
Sie wären ein logischer Schritt nach vorne, als Unterstützung der Psychotherapie oder eine Alternative, wenn mit von einem starken Medikament pausieren möchte. Das lässt sich aber nur von Fall zu Fall entscheiden.
Zusammenfassend: Bei subklinischer oder moderater Ausprägung des AD(H)S hat die Behandlung mit essentiellen Fettsäuren (omega.3 und omega 6) sowohl als Monotherapie als auch als add-on Therapie signifikante Effekte gezeigt.
. Die medikamentöse Behandlung eines hyperkinetischen Kindes ist nicht allein Sache des Arztes. Es muss vielmehr ein multidisziplinäres, vernetztes und ganzheitliches („multimodales“) Arbeitsmodell installiert und gut koordiniert werden.
Seitens der regulären Pharmakotherapie gibt es im Wesentlichen zwei Ansätze
Die Studienlage und die klinische Erfahrung weisen darauf hin, dass Methylphenidat generell Medikation der ersten Wahl ist, vor allem wenn schneller Wirkungseintritt notwendig ist und wenn eine hyperkinetische Störung (bzw. Aufmerksamkeitsdefizit/Hyperaktivitätsstörung) oder eine hyperkinetische Störung des Sozialverhaltens ohne weitere komorbide Störungen vorliegen.
Atomoxetin kann als Medikation der ersten Wahl eingesetzt werden, vor allem bei Gefahr von Substanzmissbrauch durch den Patienten oder auch im Umfeld des Patienten und wenn eine Wirksamkeit über den gesamten Tag notwendig ist. Atomoxetin ist, möglicherweise auch bei komorbiden Angststörungen oder bei komorbider Tic-Symptomatik, als Medikation der ersten Wahl indiziert. Ist Methylphenidat wegen mangelnder Wirksamkeit oder starker Nebeneffekte nicht hilfreich, kann Atomoxetin Mittel der zweiten Wahl sein. Bei geringer/mangelnder Wirksamkeit von Methylphenidat kann alternativ auch Amphetamin gewählt werden, das allerdings bislang nicht als Fertigpräparat zur Verfügung steht.
Damit möchte ich im Sinne der Ausrichtung der heutigen Veranstaltung Ihr Augenmerk auf die eher moderate Ausprägung eines AD(H)S richten, stehe Ihnen aber jederzeit gerne für weiterführende Fragen zur Verfügung.
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