„AKTUELLE FRAUENMEDIZIN“


Pressekonferenz d. Berufsverbandes Österr. GynäkologInnen (BÖG)

Donnerstag, 7.5.2009;09:30h – 10:30h s.t., Kulturcafe: 1040 Wien, Argentinierstr. 30a

PROGRAMM


„Drehscheibe für Vorsorgemedizin“
BÖG-Präs. Dr. Michael Elnekheli, Wien

„Neues von der Mädchensprechstunde“
Bettina Weidinger, Öst. Inst. f. Sexualpädagogik, Wien

„Moderne Langzeitkontrazeption“
Univ. Prof. Dr. Christian Egarter, Univ. Frauenklinik, Wien

„Restitution der Hormonersatztherapie?“
Prim. Dr. Ewald Boschitsch, Wien

„HPV-Test – Aktuelle Ergänzung der Diagnostik“
Univ. Prof.Dr. Edgar Petru, Med. Univ., Graz

“HPV-Impfung - medizinischer Wert versus öffentliche Kosten?“
Univ. Prof. Dr. Michael Kunze, Inst. f. Sozialmedizin, Wien


DIE KOMPLETTEN UNTERLAGEN

FOTOS DER REFERENTiNNEN UND

ILLUSTRATIONSFOTOS JEDERZEIT VERFÜGBAR 

Anforderung

Texte ff.

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Dr. Michael Elnekheli
FA f. Gynäkologie, Präsident des Berufsverbandes Österr. GynäkologInnen
1160 Wien, Thaliastr. 102/3/7
Telefon: 0043/1/481 21 21
Mail: michael.elnekheli@web.de

„Die Drehscheibe der Vorsorgemedizin“

Unter dem Titel „Aktuelle Frauenmedizin“ wollen wir ausgewählte Themen herausgreifen die zum Einen topaktuell und zum Anderen geeignet sind aufzuzeigen, dass die moderne Frauenheilkunde eine, wenn nicht frauenmedizinisch überhaupt die wichtigste Drehscheibe der Vorsorgemedizin ist. Sie ist nach obenhin offen und keine andere Fachrichtung hat sich heute weiter von der konventionellen Reparaturmedizin entfernt.
Diese Verantwortung und dieses Bekenntnis zur Präventivmedizin ist historisch gewachsen und wurzelt in dem zweifellos erfolgreichsten Beispiel der sekundären Prävention: Jahrzehntelang war der sogenannte „Krebsabstrich“ (Wir feiern sein 50 jähriges Bestehen) das Fundament der Frauenheilkunde und ein Synonym für erfolgreiche Krebsprävention.

Die sekundäre Prävention in der beschriebenen Form wird auch weiterhin existieren, wurde aber in der jüngsten Geschichte bereichert durch die direkte Möglichkeit HPV als Auslöser des Cervixcarcinoms nachzuweisen. Ein weiterer Meilenstein ist die Entwicklung einer Impfung gegen HPV-Subtypen deren Wirksamkeit in Studien ausreichend bestätigt ist.

HPV-Testung und -impfung werden in Zukunft eine große Rolle spielen und selbst in Österreich nicht zu verhindern sein. Es darf in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben, dass Österreich neben Finnland das einzige europäische Land ist, das die HPV-Impfung für junge Frauen als extrem sinnvolle Maßnahme zur primären Prävention nicht rückerstattet. Die diesjährige Verleihung des Medizinnobelpreises an Harald zur Hausen, dem Pionier der HPV-Forschung unterstreicht die globale Bedeutung dieser Errungenschaften.

Die präventionsmedizinische Ausrichtung der Frauenheilkunde „beginnt“ zwar der anatomischen Tradition folgend im kleinen Becken, hat sich aber in den letzten Jahren stark in alle Richtungen ausgeweitet. Wir fühlen uns für die „ganze Frau“ verantwortlich – Körper, Geist und Seele sind untrennbar, wenn es zum Beispiel um sexuelle Gesundheit geht.

Die gesellschaftspolitischen und gesundheitspolitischen Aspekte der Jugendsexualität beispielsweise sind uns so wichtig, dass wir im vergangenen Herbst die Initiative „mädchensprechstunde“ (www.maedchenstprechstunde.com) ins Leben gerufen haben um die Situation im Hinblick auf Sexualerziehung und Vermeidung ungewollter Schwangerschaften zu verbessern. Die Gefahr der einseitigen und ungefilterten Informationsquelle wurde vom Öst. Institut für Sexualpädagogik richtig erkannt und nun gilt es gegenzusteuern. Ich denke da an erster Linie an Quellen wie Internet und Pornographie die von Jugendlichen sehr häufig „genützt“ werden. Die gleichen fragwürdigen Quellen sind es, die als Vorbild für ein irreales Körperbild herangezogen werden. Stichwort: Schlankheitswahn, Schönheitswahn bis hin zu „Intimate Surgery“. Die sachliche Auseinandersetzung mit diesen Themen ist auch Teil der “mädchensprechstunde“.

„Frauenheilkunde heute“ steht für Vieles mehr: Brustvorsorge, Osteoporoseprävention oder sexuelle Gesundheit, um nur einige Beispiele zu nennen. „Frauen“ –„Heil“- „Kunde“ ist Servicemedizin für die physische, psychische und sexuelle Gesundheit (das steckt so schon in der Berufsbezeichnung). Ich hoffe, dass wir das mit der heutigen Veranstaltung erneut unter Beweis stellen können.

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Bettina Weidinger
Österreichisches Inst. f. Sexualpädagogik (ISP)
1190 Wien, Sollingerg. 23/22
Tel.: +43 – (0)1 – 328 6630
Mail: team@sexualpädagogik.at

„Neues zur Mädchensprechstunde“

Vor rund einem halben Jahr haben wir in einer Pressekonferenz erstmals die Initiative „mädchensprechstunde“ präsentiert. Sie wurde ins Leben gerufen als Zusammenarbeit der Österreichischen Gesellschaft für Sexualmedizin, der Jugendwohlfahrt, des Gesundheitsministeriums, dem Österr. Institut für Sexualpädagogik und der Gesundheitsbeauftragten der Stadt Wien. Details zu dieser Präsentations-Pressekonferenz finden Sie unter: www.v-p-c.at/boeg08.

Hintergrund waren uns sind Besorgnis erregende Entwicklungen auf dem Gebiet der Jugendsexualität, denen durch eine verbesserte Aufklärung und Information begegnet werden soll. Beispiele für diese Fehlentwicklungen sind: Entkoppelung von Sexualität und Beziehung bzw. von Sexualität und Lust - Sexualpraktiken wie Analverkehr werden beispielsweise trotz schmerzhaften Erlebens umgesetzt. Als Informationsquellen dienen immer mehr Produkte der Pornoindustrie, aus denen die Jugendlichen dann auch einen enormen sexuellen Leistungsdruck ableiten.

Drehscheibe der verbesserten Aufklärung sind die frauenärztliche Ordinationen. Das Konzept sieht vor, dass Schulklassen direkt in die Ordinationen kommen, um dort zu Fragen der Sexualität informiert zu werden.
Wir hatten versprochen, die Medien zu dem Projekt weiter zu unterrichten und auf dem Laufenden zu halten. Dem möchten wir hiermit nachkommen.

Zur Umsetzung der „mädchensprechstunde“ wurden die FrauenärztInnen auf freiwilliger Basis in speziellen Seminaren vorbereitet. Bereits über 100 von ihnen haben an derartigen Veranstaltungen teilgenommen. Unter der Web-Adresse „www.maechensprechstunde.com“ findet man nicht nur Nützliches an Information, sondern vor allem auch – nach Bundesländern geordnet - eine Listung jener Ordinationen, die für einen „Mädchensprechstundenbesuch“ kontaktiert werden können. Es sind dies weniger als die Zahl der SeminarteilnehmerInnen, da noch nicht alle von ihnen „startklar“ sind. Allerdings werden es wöchentlich mehr. Hinsichtlich des Angebots bildet Wien, gefolgt von Niederösterreich, die Spitze und Salzburg ist Schlusslicht mit keiner einzigen derartigen Ordination.

Während es auf der ärztlichen Seite eine gute Akzeptanz der Aktion gibt, ist das Verständnis auf Seiten der Schulen sehr unterschiedlich. So hat der Wr.Stadtschulrat die Aktion mit einem Rundschreiben ausdrücklich unterstützt, aber auf engagierte LehrerInnen wartet ein bürokratischer Hürdenlauf, wenn sie eine derartige Exkursion ansetzen, und die Tatsache, dass für Sexualerziehung keine Sonderbudgets zur Verfügung stünden. Dennoch wird das Angebot bereits genützt.

Die Auswüchse und Fehlentwicklungen auf Seiten der Jugendlichen sollten allerdings alle Beteiligten alarmieren, denn sie bleiben mit Sicherheit nicht ohne gesellschaftliche Konsequenzen. In diesem Sinne benötigen wir auch weiterhin de intensive Unterstützung der Medien.
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Univ. Prof. Dr. Christian Egarter
Univ. Klin. f. Frauenheilkunde Wien / AKH
A-1090 Wien, Währinger Gürtel 18-20
Tel.:01 - 40400 - 2804 , Fax: 01 - 40 400 - 2861
E-Mail: christian.egarter@meduniwien.ac.at

“Moderne Langzeitkontrazeption“

Eine keinesfalls unwichtige Rolle in der Beurteilung kontrazeptiver Methoden spielt der Faktor, wie viel Erfahrung mit dem jeweilig angewandten System vorliegen und wie sehr es auf Basis dieser Kenntnisse maßgeschneidert oder gegebenenfalls auch nachträglich angepasst wurde.

All das sind Voraussetzungen, die beim Verhütungsstäbchen „Implanon®*“ gegeben sind. Das ist eine Methode der Empfängniskontrolle mit einer dreijährigen Wirkdauer. Obwohl nicht erst seit heute angeboten, ist es nach wie vor Gegenstand intensivster Forschung, die von den USA über Europa bis nach Süd-Ost-Asien reicht. Darin eingeschlossen sind rund 2.500 Frauen mit ca. 74.000 Monatszyklen, was 5.630 Frauenjahren entspricht. Vor der Tatsache, dass das Stäbchen über drei Jahre im Körper verweilt und seine hormonelle Aufgabe erfüllt, ganz besonders eindrucksvolle Zahlen.

Das wirksame Hormon in Implanon®* ist das Gestagen Etonogestrel. Das Stäbchen wird unter die Haut in den Oberarm implantiert. Innerhalb weniger Stunden nach der Insertion bestehen ausreichende Wirkspiegel. Die kontrazeptive Wirkung beruht auf der Hemmung des Eisprungs und der Viskositätserhöhung des Zervixschleims, der zäh und undurchlässig wird. Die endogene Aktivität der Eierstöcke wird nicht komplett unterdrückt, allerdings so effektiv beeinflusst, dass es bei den erwähnten fast 74.000 Monatszyklen zu keiner einzigen Schwangerschaft kam, was dem exzellenten Pearl-Index (Maß für die kontrazeptive Sicherheit) von 0 entspricht, den kein anderes System bisher wissenschaftlich nachweisen konnte.

Trotz dieser wirklich eindrucksvollen kontrazeptiven Effizienz gibt es wie bei allen reinen Gestagenmethoden einen bestimmten Prozentsatz (ca. 12 - 18%) von Frauen, die zwar der Verhütungswirkung sicher sein können, die aber unter unerwünschten Zwischenblutungen unterschiedlicher Frequenz, Dauer oder Intensität leiden. Trotz der intensiven Forschung gelang es bis dato nicht, Parameter für die Vorhersage der individuellen Eignung zu definieren. Allenfalls eine bereits bekannt Überempfindlichkeit würde von der Anwendung des Kristalls oder Stäbchens eher abraten lassen, um gestagentypischen Nebenwirkungen auszuweichen.

Grundsätzlich ist diese Methode für alle Frauen geeignet, die eine derart lange konsequente Kontrazeption wünschen. Sei es aus Gründen der Karriereentwicklung oder weil die Phase der Nachwuchsplanung abgeschlossen ist. Einschränkungen gibt es grundsätzlich keine.

Bemerkenswert ist eine rezente Verbesserung, die das „Wiederauffinden“ des Stäbchens nach der Entfernung erleichtert. Es wurde „radiologisch“ dicht gemacht, sodass es wesentlich leichter aufzufinden ist. Das war früher – insbesondere durch nicht fachgerechte Insertion – ein Problem, das nun effizient gelöst ist. Bleibt abschließend anzumerken, dass Implanon®* - wie auch bisher – nur von speziell geschulten GynäkologInnen eingesetzt werden sollte.

Interessante Neuigkeiten gibt es auch von einem anderen innovativen Verhütungssystems, dem „NUVA-Ring®*“. Eine spanische Studie mit einem standardisierten Fragebogen vor dem ärztlichen Beratungsgespräch hatte gezeigt, dass sich mehr Frauen für den Ring als für die herkömmliche Pille oder andere Kontrazeptions-Methoden entscheiden. Exakt diese Fragestellung ist nun Gegenstand einer großen multinationalen Studie, an der auch Österreich teilnimmt. Ziel ist, herauszufinden, welche Methode am ehesten welchen kulturellen Gegebenheiten entspricht. Wir werden über die Ergebnisse sicher berichten.

*Anm.: die Nennung verschreibungspflichtiger Arzneispezialitäten ist lt. AMG Fachmedien vorbehalten
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Prim. Dr. Ewald Boschitsch#
Ärztlicher Leiter des „Ambulatorium Klimax“
A-1060 Wien, Linke Wienzeile 56
Tel.: 01-586 18 48, Fax: 01-587 71 70
E-Mail: e.boschitsch@klimax.at


„Restitution der Hormonersatztherapie“

Es ist höchste Zeit den Frauen wieder die Hormonsubstitution (HRT) zurückzugeben.

Etwa 75% aller Frauen in den Wechseljahren haben vasomotorische und/oder psychische Beschwerden (Hitzewallungen, Schweißausbrüche; Schlafstörungen, depressive Verstimmungen), und mindestens 50% wollen eine Behandlung.

Neue Evidenzbasierte Daten zeigen, dass man vielen von ihnen in den vergangenen Jahren zu Unrecht eine HRT vorenthalten hat. Sie hätten weder ihre Beschwerden ertragen noch auf einen potentiellen Schutz vor Osteoporose und Herz-Kreislauferkrankungen verzichten müssen. Frauen mit stärkeren vasomotorischen Beschwerden haben ein höheres Risiko für diese chronischen Erkrankungen, die wegen ihrer schwerwiegenden Folgen einen Großteil der Kosten unseres Gesundheitswesens verursachen.

Die HRT ist mit Abstand die effizienteste Form der Osteoporose-Prävention. Allerdings arbeiten wir heute mit wesentlich geringeren Östrogen-Dosierungen als früher. Entscheidend für maximale Effizienz und minimales Risiko sind neben der Dosis die individualisierte Auswahl der Wirkstoffe und vor allem der rechtzeitige Beginn der HRT in der Peri- oder frühen Postmenopause („window of opportunity“).

Für das Herz-Kreislauf-Risiko ist der - meist schon vor dem Östrogenmangel auftretende - Mangel an Progesteron (Gelbkörperhormon) von großer Bedeutung. Er trägt dazu bei, dass etwa die Hälfte aller Frauen rund um die Menopause einen erhöhten Blutdruck entwickelt. Die Neigung zum Bluthochdruck, einem bedeutenden Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen, können wir durch Messung der Gefäßsteifigkeit („Arterial Stiffness“) schon etwa ab dem 40. Lebensjahr feststellen. Progesteron (P) hemmt die Wirkung von Aldosteron, einem Hormon, das den Blutdruck steigert. P ist der natürliche Gegenspieler des Aldosterons. Es fördert die Flüssigkeitsausscheidung und senkt den Blutdruck. Gestagene sind dem P ähnliche synthetische Hormone, können die Aufgaben des natürlichen P aber nur teilweise übernehmen. Neben P besitzt z.B. nur ein einziges Gestagen die wichtige Eigenschaft der Blutdrucksenkung.

Das im Vergleich mit anderen Risikofaktoren, wie Übergewicht, Alkohol oder Rauchen, nur sehr gering erhöhte Risiko für Brustkrebs während einer HRT können wir mittlerweile durch die gezielte Auswahl und Individualisierung bestimmter Therapieformen so weit senken, dass es praktisch zu vernachlässigen ist.

Im Allgemeinen haben Frauen mit klimakterischen Beschwerden und ohne schwerwiegende Erkrankungen von einer regelrecht durchgeführten HRT kaum Nachteile, sehr oft aber großen und nachhaltigen Nutzen zu erwarten.


Kleines medizinisches Lexikon
Hormonsubstitution = Hormone Replacement Therapy (HRT); Menopause = Zeitpunkt der letzten spontanen Regelblutung; Perimenopause = Zeit ca. 5 Jahre vor bis 1 Jahr nach der Menopause; Postmenopause = Zeit nach der Perimenopause
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Univ. Prof. Dr. med. Edgar Petru
Univ. Klin. f. Frauenheilkunde & Geburtshilfe, Med. Universität Graz
AT-8036 Graz, Auenbruggerplatz 14
Tel: ++43 316 385 81 0 82
FAX: ++43 316 385 2546
Email: edgar.petru@klinikum-graz.at


„HPV-Test – Aktuelle Ergänzung der Diagnostik“

Das Auftreten des Gebärmutterhalskrebses schwankt weltweit stark. Die folgenden Zahlen sind jene der aktuellen Krebsstatistik für Österreich (Quelle ÖSTAT): die Anzahl der jährlich diagnostizierten Fälle von Gebärmutterhalskrebs ging in den letzten beiden Jahrzehnten von rund 1.000 auf etwas über 460 (3% aller bösartigen Tumore) zurück.

Die Sterblichkeit an Gebärmutterhalskrebs ging ebenfalls zurück und lag im Jahr 2006 bei 169 Fällen. Das Risiko für eine Frau, vor dem 75. Lebensjahr an einem Gebärmutterhalskrebs zu versterben, lag bei ca. 0,2%.

Im Vergleich zum Gebärmutterhalskrebs liegt die Rate an dessen Vorstufen um das 100-Fache höher. Die Rate an Vorstufen des Gebärmutterhalskrebses hat bei Frauen in der Altersgruppe zwischen 21 und 30 Jahren in den letzten Jahrzehnten zugenommen.
Als Ursache für die Krebsentstehung ist eine Infektion mit High-Risk Humanen PapillomViren (HPV)(hauptsächlich die HPV-Typen 16, 18, 45, 31, 33, 58) bekannt. Etwa 80% der Frauen infizieren sich im Laufe ihres Lebens mit dem HP-Virus.

In Österreich verdanken wir die bisherigen Erfolge in der Vorsorge dem standardisierten jährlichen Krebsabstrich. Diese Maßnahme wird in traditionell hoher Qualität in Kooperation von FrauenärztInnen und Labors umgesetzt. Zusätzlich hilft die mikroskopische Untersuchung des Gebärmutterhalses, die beim Frauenarzt regelmäßig durchgeführt wird, in der Früherkennung von Krebs und dessen Vorstufen. Ein HPV-Test wird gemäß den geltenden Leitlinien als Standard bei unklarem Abstrich (PAP-III) zusätzlich vorgenommen. Er ist weiters Standard in der Nachsorge bei Frauen nach einer Konisation vom Gebärmutterhals (Ausschneiden eines Gewebskegels), wenn die feingewebliche Untersuchung ein bestimmtes Ergebnis gezeigt hat („Konisation nicht im Gesunden“). Es wird beim HPV-Test die HC2-Technologie verwendet.
Wie aber ist der Stellenwert der HPV-Testung grundsätzlich zu sehen? Zunächst ist die HPV-Infektion ein dynamisches Geschehen. Der HPV-Test kann nicht dazu benützt werden, um eine Impfentscheidung zu beeinflussen. Dennoch stellt der HPV-Test ein zusätzliches Angebot in der individuellen Betreuung dar mit der Möglichkeit einer verbesserten Information für die Patientin sowie deren Ärztin/Arzt.

Inwiefern der HPV-Test die Zukunft der Diagnostik auch in Österreich beeinflussen wird, kann derzeit nicht gesagt werden. Seine Wertigkeit wird sich nach den aktuellen Studiendaten richten, auf deren Basis von den Fachgesellschaften neue Leitlinien erstellt werden können.

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Univ. Prof. Dr. Michael Kunze
Leiter des Institut für Sozialmedizin der Universität Wien
Rooseveltplatz 3, 1.Stock
A-1090 Wien
Tel.: 01-4277 646 46, Fax: 01-4277 9646
E-Mail: sozialmedizin@meduniwien.ac.at



“ HPV-Impfung - medizinischer Wert versus öffentliche Kosten?“

Kurz zu den Fakten rund um das Gebärmutterhals-Karzinom: es erkranken jährlich 500 Österreicherinnen, 180 versterben daran. Von allen Karzinomen ist der Gebärmutterhalskrebs jener mit dem durchschnittlich frühesten Alter zum Todeszeitpunkt (unter 65 Jahren), was einen Verlust an künftiger Lebenserwartung von etwa 20 Jahren bedeutet. Da praktisch alle Fälle von Gebärmutterhalskrebs durch Infektion mit HPV hervorgerufen werden und etwa 70% der Karzinome mit den Hochrisikotypen 16 und 18 assoziiert sind, könnten bis zu drei Viertel der Erkrankungen durch die Impfung verhütet werden. HP Viren verursachen allerdings auch viele andere Erkrankungen - Gebärmutterhalskrebs ist nur eine davon. Genitalwarzen sind wahrscheinlich die häufigste, sexuell übertragene virale Infektionserkrankung. bei rund 15.000 Frauen und Männern jährlich.. Die Folgen von chronischen HPV Infektionen können nicht nur Tod, sondern viel häufiger Operationen, Ängste und Verunsicherung sein.

Die Fragen "primäre oder sekundärer Prävention" und "Impfung oder Abstrich?" dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Nur die Kombination beider Maßnahmen wird die besten Resultate bringen. Faktum ist, die Impfung vermeidet Erkrankungen, der PAP Abstrich erkennt frühzeitig potentiell bösartige Veränderungen, die trotzdem entfernt werden müssen.

Der Standpunkt der Sozialmedizin (und des Impfplanes sowie wichtiger Fachgesellschaften) ist allerdings absolut klar: die Impfung ist eine medizinisch höchst sinnvolle Maßnahme, möglichst viele Mädchen und Frauen sollten sich impfen lassen. Die HPV Impfung ist wissenschaftlich sehr gut untersucht, die gültigen Impfempfehlungen beruhen auf evidenzbasierter Medizin.

Privat oder Öffentlich - wer zahlt?
Private Investitionen in Gesundheit wie Impfungen sind individuelle Entscheidungen, die sich nach dem medizinischen Nutzen für das Individuum richten sollten. Faktenorientierte Informationen ("Evidence Based Medicine") sind gegenüber "Meinungen" gerade auch für individuelle Entscheidungen zu bevorzugen.

Es gibt auch für Österreich neue Berechnungen, die den Nutzen einer öffentlichen Impfung darstellen. Nicht berücksichtigt sind in den derzeitigen Berechnungen Vulvakarzinom, Vaginalkarzinom, Analkarzinom sowie HNO Karzinome.

Bei einem finanziellen Einsatz pro gewonnenem Lebensjahr von 13.000 – 15.000 Euro zeigt die Berechnung ein allgemein anerkannt günstiges Kosten Nutzen Verhältnis.

Diese Kosten-Nutzen Diskussion wird von den Experten in Österreich weiterhin geführt werden. In Europa haben sich 17 von 19 Ländern schon für die Impfung und den PAP Abstriches entschieden.