OFFIZIELLE PRESSEKONFERENZ ZUM
EUROPEAN ANTIBIOTIC AWARENESS DAY


im Auftrag des nationalen Referenzzentrums für

nosokomiale Infektionen und Antibiotikaresistenz

Mittwoch, 17. November 2010, 9:30h

"Europäischer Antibiotikatag 2010"

Radiokulturcafe, 1040 Wien, Argentinierstr. 30a

Europaweit wird am 18. November 2010 bereits zum dritten Mal der "Antibiotikatag" (EAAD, European Antibiotic Awareness Day) ausgerufen werden.

Der Europäische Antibiotikatag ist eine Initiative des ECDC (European Centre for Disease Prevention and
Control) in Zusammenarbeit von Institutionen der EU und deren Mitgliedsstaaten, der Weltgesundheitsorganisation und vielen anderen wichtigen Organisationen wie der ESCMID (European Society of Clinical
Microbiology and Infectious Diseases) und der CPME (Standing Committee of European Doctors).

Für Österreich zeichnet das "Nationale Referenzzentrum für nosokomiale Infektionen und Antibiotikaresistenz" unter der Leitung von Prim.a Univ.-Doz.in. Dr.in Petra Apfalter (KH Elisabethinen Linz) sowie Univ. Prof. Dr. Elisabeth Presterl (AKH Wien) verantwortlich.

Der "Antibiotikatag" hat die Bewusstseinsbildung hinsichtlich eines sinnvollen Gebrauchs von Antibiotika zum Ziel.



"Händewaschen statt Antibiotika?"

Prim. Dr. Oskar Janata (Abu Dhabi, AE)


"Wann braucht mein Kind ein Antibiotikum?"

Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer (LK St. Pölten)


"Verbesserte Diagnostik - gezieltere Therapie"

Univ.-Prof. Dr. Kurt Herkner (Univ. Kinderklinik, Wien)


"Resistenzen - Erzeugen wir Killerkeime?"

Prim.a Univ.-Doz.in. Dr.in Petra Apfalter
(Nationales Referenzzentrum, Linz)


"Der nationale Aktionsplan zur Resistenzbekämpfung"

DDr.in Reinhild Strauss (BUMI f. Gesundheit, Sektion III, Wien) 


Händewaschen statt Antibiotika?


Dieser Titel mag in manchen die Erinnerung an Ignaz Semmelweis, dessen Verständnis für die Händehygiene half, das Kindebettfieber zu besiegen. Heute – 150 Jahre später – hat dieses Thema allerdings wieder bedrückende Realitätsnähe erlangt. Internationale Studien behaupten, dass in den Ländern der industrialisierten Welt – also jenen mit Hightech-Medizin in den Spitälern nur zu 30% korrekte Händehygiene eingehalten wird…

Vor welchem Hintergrund bewegen wir uns bei diesem Problem? Internationale Publikationen und Datensammlungen zeigen zwei Dinge. Erstens den rapiden Abfall an neuen – noch besser wirksamen – Antibiotika, und zweitens die immer geringere Empfindlichkeit der Erreger gegen die verfügbaren Antibiotika. Wir befinden uns also in einer Art Schere, die wir nur bewältigen können, wenn auf allen Ebenen der Gefahr der Keimbesiedelung vermehrt Beachtung geschenkt wird.

Im Detail kommt es seit 2002 in so gut wie allen Europäischen Ländern zu einem dramatischen Anstieg der ESBL (Extended-spectrum [beta]-lactamase) produzierenden Escherichia coli (ein Darmbakterium, das als repräsentativer Leitkeim gilt). Weiters stellen wir eine verminderte Empfindlichkeit dieser Erreger gegen Fluochinolone und Cephalosproine der 3. Generation fest. Das ist bedeutungsvoll, denn E. coli gehört zu den häufigsten Verursachern von „community acquired infestions“ – also jenen Infektionen, die außerhalb des Spitals erfolgen. Die wachsende Unempfindlichkeit gegen Carbapeneme – von der in einem weiteren Statement noch die Rede sein wird - stellt deshalb eine besondere Bedrohung statt, weil das bislang die „Reservewaffen“ der Medizin im Kampf gegen die Erreger waren. Und bleiben werden….

Eine rezente Arbeit in Clinical Microbiology and Infection (Journ. d. Europ. Ges. f. klinische Mikrobiologie und Infektionskrankheiten) weist deutlich auf die Bedeutung dieser ESBL-Keime nicht nur im Krankenhaus, sondern auch im Kommunal- und Pflegebereich hin.

Wo aber liegt hier nun der Bezug zur Händehygiene? Ganz einfach: E. coli sind natürlich vorkommende Darmbakterien, werden durch so genannte „Schmierinfektion“ übertragen und ein häufiger Träger dieses Infektionsweges sind die Hände.

Ein anderer „interessanter“ Erreger ist der ubiquitär (überall) vorkommende MDR (multidrug resistant) Acinetobacter, der ebenfalls über die Hände, aber auch über die Luft übertragen wird. Im Spitalsbereich reichen die Möglichkeiten der Übertragung daher von medizinischen Geräten bis zur Computertastatur.

Schon 2006 wurde im Spitalsbereich die erhebliche Besiedelung der Fingerspitzen mit ESBL-Keimen nachgewiesen. Aus dem Umgang mit der H1N1-Viren wissen wir um die hohe Bedeutung der Händehygiene, die in der Lage ist, 100%! dieser Viren zu eliminieren. Bereits einfaches Händewaschen hat diese Wirkung. 2009 erschien im „New England Journal of Medicine“ ein sehr plakatives Bild eines Handabdrucks auf eines Kolonisationsplatte ohne und nach Händehygiene. Es gilt: ein Bild sagt mehr als tausend Worte…

Und was im Spitalsbereich Bedeutung hat, gilt natürlich in jeder Weise auch für das „tägliche Leben“. Hygiene und Sauberkeit im Kommunalbereich wie etwa öffentlichen Toiletten, in Restaurants, Schulen oder Kindergärten wird eine steigende Bedeutung erlangen. Das soll nicht heißen, dass unzählige Händewaschungen bis zur Zerstörung der Haut notwendig sind, aber, wer ein gesundes Bewusstsein für Hygiene entwickelt, leistet sicher einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung potentieller Keimübertragung im Krankenhaus-, Kommunal- und Privatbereich.

Besondere Bedeutung hat das vor allem in Bezug auf ubiquitär vorkommende Keime wie den genannten Acinetobacter, dessen Bekämpfung wegen seiner generellen Verbreitung mit Antibiotika weitgehend sinnlos ist.


Prim. Dr. med. Oskar Janata
Leiter der Abteilung für Labormedizin, Chair of ICLS
AL AIN HOSPITAL
P.O. Box 1006, Al Ain City, Emirate of Abu Dhabi
United Arab Emirates
T:+ 971 3 702 2470
F: + 971 3 7626721
M:ojanata@alain-hospital.ae

_________________________________________________________________________________________________________

Wann braucht mein Kind Antibiotika?

Tatsächlich ist die Antwort auf diese Frage scheinbar ganz einfach. Immer, wenn schwere bakterielle Infektionen mit einem entsprechenden Krankheitsbild vorliegen, sind Antibiotika in der Kinderheilkunde indiziert.


Die Praxis stellt sich leider anders dar. Die häufigsten Infektionen sind bei Weitem jene der Atemwege. Das gilt nicht nur für die Ordination, sondern auch für den Klinikbereich. Bis zu 50% aller Konsultationen zeigen als Leitsymptom „Husten“, rund 70%! aller Diagnosen betreffen Atemwegsinfektionen. Die Häufigkeit beträgt bei Säuglingen 3-8 Infektionen jährlich, bei Schulkindern 2-5 Infektionen pro Jahr.


Die Ursache liegt primär in einer viralen Infektion - Dennoch erhalten mehr als 60% der Betroffenen ein Antibiotikum!
Die häufigsten Krankheitsbilder sind in diesem Zusammenhang: banale Erkältung/Schnupfen, Sinusitis (Nebenhöhlenentzündung), Bronchitis, Otitis media (Mittelohrentzündung, primär meist immer viral) und Pneumonie (Lungenentzündung, eine Muss-Indikation für Antibiotika).


Eine ganz spezielle Bedeutung kommt beim Kinde der spezifischen anatomischen Situation zu. Im Vergleich zu Erwachsenen hat das Kleinkind wesentlich engere Atemwege, wodurch Schleimhautschwellungen von nur 1mm bereits zu schweren Symptomen führen. Beim Kleinkind ist damit der Durchmesser um 50% verringert (Erw. unter 25%), die Strömungsfläche um 75% erniedrigt (Erw. 44%) und der Atemwegswiderstand 16x höher (Erw. 3x )


Daraus resultieren – etwa mit Schmerzen bei Sinusitis oder Otitis media – durchaus eindrucksvolle Krankheitsbilder, unter denen das Kind besorgniserregend „leidet“. Das führt zu hoher Besorgnis der Eltern, die dann energisch ein Antibiotikum verlangen, weil sie über die fehlende Bakterienbeteiligung nicht Bescheid wissen. Aber es werden auch ärztlicherseits zahlreiche wertlose „Vorsichtsverschreibungen“ vorgenommen, die nicht nur wirkungslos sind, sondern sogar im Sinne einer Resistenzentwicklung kontraproduktiv.


Aber wo verläuft die „Grenze“ und wie soll man damit umgehen? Abgehen von Säuglingen und Kleinkindern bis 2,5 Jahren, wo Antibiotika großzügiger eingesetzt werden dürfen, gilt immer die gewissenhafte klinische Diagnose als Grundlage für die Entscheidung pro oder kontra Antibiotika. Das bedeutet, wenn noch keine Basistherapie erfolgt ist, dann muss das Kind nach 48-72 Stunden erneut begutachtet werden.


Warum und welche Basistherapie? Aufgrund der viralen Genese sind Antibiotika wirkungslos. Es geht daher um die Stärkung der lokalen Abwehr mit hochwertigen Phytopharmaka. Der Terminus hochwertig ist deshalb von Bedeutung, weil es konkret und gut untersuchte Präparate wie Sinupret® oder Bronchipret® gibt und solche, zu denen entsprechende Studien fehlen.


Diese Präparate stärken die lokale Abwehr an der Schleimhaut (antiviral, antimikrobiell), fördern die Sekretolyse und bewirken eine Abschwellung mit verbessertem Luftfluss. Wichtig ist, dass sie schon bei den ersten Krankheitszeichen verabreicht werden. Das können die Eltern auch ohne fachärztliche Konsultation als Basistherapie durchführen. Kommt es nach 48 Stunden zu keiner Besserung oder gar Verschlechterung, dann ist der Weg in die Ordination angezeigt. Bei hohem Fieber muss immer sofort ärztliche Konsultation eingeholt werden.


Seit kurzer Zeit (im Klinikbereich schon lange) gibt es durch entsprechende CRP-Schnelltests wie den „QuikRead-Test“® auch in der Ordination die Möglichkeit, das CRP (C-reaktives Protein) zu messen, ein Indikator für eine bakterielle Infektion. Sein Anstieg belegt die bakterielle Beteiligung und stellt damit ein Rational für eine Antibiotikagabe dar. Es dauert etwa 2 Minuten, bis diese Analyse vorliegt. Entsprechende Geräte sind in den meisten kinderärztlichen Ordinationen in Gebrauch. Der Kostenersatz variiert je Bundesland.


Zusammengefasst kann also gesagt werden, dass eine Antibiotikaverordnung durch eine entsprechende Klinik oder CRP-Testung begründet sein muss. Die überwiegende Mehrzahl der kindlichen Infektionen betrifft die Atemwege und ist durch Viren hervor gerufen. Eine frühzeitige Basistherapie mit hochwertigen, studiengeprüften Phytopharmaka kann von den Eltern direkt begonnen werden. Sollte sich nach 48 Stunden keine Besserung ergeben, dann ist unbedingt eine fachärztliche Konsultation anzuraten.

Prim. Univ.-Prof. Dr. med. Karl Zwiauer
Landesklinikum St. Pölten, Abteilung für Kinder & Jugendheilkunde
3100 St. Pölten, Propst-Führer-Strasse 4
Tel.: 02742 - 300 – 13506
Email: karl.zwiauer@stpoelten.lknoe.at
_________________________________________________________________________________________________________

Verbesserte Diagnostik – gezieltere Therapie

Als C-reaktives Protein (CRP) wird ein Eiweißkörper bezeichnet, der zur Familie der „Pentraxine“ zählt. CRP wird in der Leber gebildet und ins Blut abgegeben. Eine regelrechte Leberfunktion ist also Voraussetzung für dessen Bildung. Es gehört zu den so genannten „Akute-Phase-Proteinen“, deren Blutkonzentrationen im Rahmen entzündlicher (infektiöser und nichtinfektiöser) Erkrankungen ansteigen. Den stärksten Stimulus der Akute-Phase-Reaktion bilden dabei bakterielle Infektionen.


CRP bindet an Phosphocholin, das sich an der Oberfläche von toten oder absterbenden Zellen findet. Das gebundene CRP aktiviert das Komplementsystem, bindet an Fresszellen und setzt so humorale und zelluläre Effektormechanismen des unspezifischen Immunsystems in Gang. Dieser unspezifische Abwehrmechanismus ist erheblich schneller als die Reaktion des spezifischen Immunsystems. Der CRP-Anstieg erfolgt oft noch rascher als jener der Leukozytenzahl oder des Fiebers.

Im Blut gesunder Personen liegt CRP in sehr geringen Konzentrationen von <10mg/l vor. Bei viralen Infektionen kommt es zu keinem oder einem nur geringen Anstieg. Erhöhte Konzentrationen im Rahmen bakterieller Infektionen können bereits 6-12 Stunden nach einem inflammatorischen Stimulus gemessen werden. Das Maximum wird nach 24-48 Stunden erreicht.

Dabei korreliert der Erhöhung der Konzentration mit dem Schweregrad der Infektion.

Analog dazu sinkt der Wert bei erfolgreicher Antibiotikatherapie. Damit bietet sich auch die Möglichkeit, die Wirksamkeit einer solchen Behandlung auf einfache Weise zu überprüfen. Das kann notwendig werden, wenn – vor dem Hintergrund steigender Resistenzen – das erwartete Ansprechen auf ein bestimmtes Antibiotikum ausbleibt.
Seit längerem schon in der Klinik im Labor messbar, ist dieser Indikationsparameter für eine bakterielle Infektion durch Schnelltests (zB „QuikRead-Test“®) seit Kurzem auch in der Ordination jederzeit erhebbar.
Damit lassen sich unter Berücksichtigung des klinischen Zustandsbildes einfach und rasch bakterielle von viralen Infektionen unterscheiden. Somit sind PatientInnen, die einer Antibiotikabehandlung bedürfen, leicht zu identifizieren.
Es reicht bereits eine kleine Blutprobe aus der Fingerspitze. Das Resultat ist rasch – also noch während der Konsultation – verfügbar.

Einschränkend ist zu beachten, dass die entsprechende Leberfunktion gegeben sein muss. Das heißt, Frühgeborene, deren Leber funktionell noch nicht voll ausgebildet ist, sind nicht in der Lage CRP in adäquaten Mengen zu bilden. Termingeborene jedoch schon. Diese Funktion ist von mütterlichen Transfermechanismen unabhängig und ermöglicht so eine objektive Beurteilung eines allfälligen Krankheitsgeschehens.
Grundsätzlich kann die Messung natürlich auch bei Erwachsenen zum Nachweis eines bakteriellen Infekts und damit als Rational für eine Antibiotikatherapie oder deren Erfolgskontrolle eingesetzt werden.


Univ.-Prof. Dr.Kurt R. Herkner
Leiter des Hauptlabors
Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde
A-1090 Wien, Währinger Gürtel 18-20
T +43-1-40400/3205, F +43-1-40400/3200
Mail: kurt.herkner@meduniwien.ac.at

__________________________________________________________________________________________________________

Resistenzen – Züchten wir Killerkeime?

EARS-Net (European Antimicrobial Resistance Surveillance Network ), DAS europäische Netzwerk zur Überwachung von antimikrobieller Resistenz ist seit 1.1.2010 dem ECDC (der europäischen Institution zur Krankheitsüberwachung) zugeordnet. 2002-2009 beteiligten sich europaweit 198 Labors aus 22 Ländern an dieser EU-Initiative zur Eindämmung der Antibiotikaresistenzen. „Überwachte“ Leitkeime sind dabei u.a. MRSA (multiresistenter Staphylococcus aureus) und E. coli (Darmbakterium). In Österreich melden aktuell 39 Labors invasive Isolate (systemische Infektion). Weitere Arbeitsgruppen befassen sich mit nicht invasiven Erregern (z.B. Haut, Harn, ect.), ausgewählten Pathogenen aus der Humanmedizin und dem veterinärmedizinischen Bereich. Die Jahresergebnisse werden im AURES (Österr. Resistenzbericht) zusammengefasst.

Was gibt es Neues?
„Gute“ MRSA – Der rückläufige Trend ist möglicherweise ein erster Erfolg der jahrelangen Bemühungen auf dem Gebiet der Infektionshygiene. Eine endgültige Beurteilung ist schwierig. Dem Gesamtrückgang 2008/2009 von 7,5% auf 5,9% österreichischen 5,9% stehen auf chirurgischen Abteilungen (mit 12%) und Intensivstationen (mit 8,5%) deutlich höhere Werte gegenüber. In Südeuropa und Großbritannien sind die MRSA Raten ebenfalls weiter hoch. Bei Auslandsaufenthalten bzw. nach der Rückkehr sollte dies wegen eines möglichen „Erregerimports“ beachtet werden.

„Böse“ E. coli - Europaweit besteht seit Jahren ein Trend zur Resistenz gegen Aminopenicilline, Cephalosporine Klasse III, und Chinolone. 2009 waren nur mehr 4 von 10 E. coli Stämme auf alle AB empfindlich. Invasive Infektionen mit resistenten E.coli, die gleich gegen 2 oder mehrere Antibiotika-Klassen resistent sind, nehmen weiter zu. Als mögliche Erklärung könnten Plasmide (austauschbares genetisches Element), die ESBL-Gene tragen, angeführt werden. ESBL = Extended Spectrum Beta-Laktamasen (= Enzyme, die ß-Laktam-Antibiotika spalten /hydrolysieren und damit unwirksam machen. ß-Laktame: Penicilline, Cephalosporine, Monobactame) Dieses „Resistenzwissen“ kann zwischen verschiedenen Bakterien-Spezies weitervermittelt werden….Cefalosporine III gelten als „Treiber“ dieses Resistenzmechanismus. Diese AB werden in Österreich im niedergelassenen Bereich weiterhin im EU-Schnitt überdurchschnittlich oft verwendet, wobei sich noch immer konsequent sinnlose (virale Infektionen) saisonale Verordnungsspitzen im Zusammenhang mit Atemwegsinfektionen feststellen lassen.

Am anderen Ende der medizinischen Versorgung - im Spital - ergibt sich daraus eine ernstzunehmende therapeutische Doppel-Problematik: (1) Cefalosporine III (und vorgeordnete ß-Laktam AB) fallen in vielen Fällen als AB-Klassen bei resistenten Erregern aus und (2) in vorauseilender Furcht vor diesen Resistenzen werden ohne medizinische Notwendigkeit hoch wirksame „Carbapeneme“ häufig unkritisch verabreicht. Aus diesem Fehlverhalten heraus kann es zu einer Selektion von Carbapenemase-Bildnern kommen (zerstören dann auch Carbapeneme). Konkret handelte es sich in Österreich aktuell um NDM-1 (Neu Delhi Metallo-Beta-Lactamase), VIM (eine andere Metallo-Beta-Lactamase) und KPC (Serin-Betalactamase, die Carbapeneme inaktiviert) Bis Mitte Oktober 2010 wurden vom NRZ 11 Verdachtsfälle untersucht und in 4 Fällen Carabapenemaseproduktion bestätigt. Wichtig zu wissen ist, dass es sich nicht um „neue“ Erregerarten handelt, sondern bekannte Keime, die plötzlich die Eigenschaft zur Bildung dieser Enzyme haben.

Carbapeneme sind die stabilsten und breit wirksamsten Antibiotika, die wir zur Zeit zur Verfügung haben. Wenn ein schwerstkranker Patient vor Erstellung eines Antibiogramms „blind“ ein Carbapenem erhält, ist dagegen weniger einzuwenden, sofern nach Auswertung des Antibiogramms auf ein Antibiotikum (AB) mit schmälerem (konkreterem) Spektrum umgestellt wird. Grundsätzlich ist aber zu hinterfragen, ob bei der geringen Wahrscheinlichkeit von österreichweit deutlich unter 10%, auf einen „ESBL-Keim“ zu treffen- - immer und allerorts sofort Carbapeneme eingesetzt werden müssen/sollen, sofern Kenntnisse des lokalen Erreger- und Resistenzspektrums vorliegen.

Die „Züchtung“ von Killerkeimen, die z.B. Carbapenemasen bilden, liegt also in unser aller Händen, in den Händen aller Ärzte im niedergelassenen Bereich und im Krankenhaus sowie allen Stakeholdern gleichermaßen, aber auch bei Patienten, die mit der Thematik vertraut sein müssen um eine AB-Therapie nicht unangemessen einzufordern.
Erfreuliches: die Chinolon-Resistenz ging 2008/2009 deutlich zurück (Ausnahme Salzburg) und liegt 2009 bei 20,5%, was im Vergleich zu 2007 einen Rückgang von 5% bedeutet, bei seit 2007 leichtem Rückgang der Verbrauchszahlen. Auf diese Entwicklung wird zukünfig weiterhin ein besonderes Augenmerk gelegt werden. 


Prim. Univ. Doz. Dr. Petra Apfalter
Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin, KH der Elisabethinen Linz GmbH und analyse BioLab GmbH
Ein Unternehmen von Elisabethinen Linz und AGES - mikrobiologie.infektiologie.diagnose+
A-4020 Linz, Eisenhandstrasse 4-6
Tel.: +43 (0) 732-781991–280, Fax: +43 (0)732-781991–30, mobil: +43 (0)664-8854-1591, Mail: petra.apfalter@analyse.eu
www. elisabethinen.or.at, www.referenzzentrum.at, www.analyse.eu

__________________________________________________________________________________________________________

Der nationale Aktionsplan zur Resistenzbekämpfung

Die Aufgabe des Bundes besteht im Wesentlichen darin, ein funktionierendes Abwehrkonzept gegen allfällige Resistenzbedrohungen zu strukturieren. Das heißt, es werden die Grundlagen für die fachliche Koordination verschiedenster Stellen und Institutionen geschaffen.


In Form eines „Nationalen Antibiotika-Plans“ werden entsprechende Standards neu entwickelt.

Das ist eine Reaktion auf die grundsätzlich gute Bewertung der bisherigen Aktivitäten durch die ECDC European Centre for Disease Prevention and Control), die bemängelte, dass es keinen entsprechenden nationalen Strategieplan gäbe wie ihn andere Europäische Länder bereits haben.

Dabei geht es vor allem um sensible Koordinationsaufgaben, die einerseits Lücken identifizieren und schließen, andererseits die bestehenden guten Initiativen wirksam und effizient verknüpfen sollen.
Endpunkt ist die Schaffung einer entsprechenden Strategie, das Monitoring der laufenden Entwicklung und die ausreichende Qualitätssicherung der Maßnahmen.

Auf diese Weise soll eine Art „Schutzschirm“ über Österreich gespannt werden, der hilft Resistenzen zu vermeiden, die Verbreitung von Problemkeimen einzuschränken bzw. zu verhindern sowie zur Sicherung von Wirksamkeit und Qualität der Antibiotika-Therapie beizutragen und so eine optimale Patientensicherheit zu gewährleisten.
Mit nationalen Projekten wie z.B. PROHYG (Strategie und Organisation der Krankenhaushygiene, wird gerade den aktuellen fachlichen Erfordernissen angepasst), ANISS (Austrian Nosocomial Infection Surveillance System – Überwachung der Krannkenhausinfektionen)und AURES (Österr. Antibiotika-Resistenzbericht, der direkt über die BMG-Homepage abgerufen werden kann) sowie der Teilnahme an verschiedenen internationalen Projekten wie EARS-Net (European Antimicrobial Resistence Surveillance Network) oder ESAC (European Surveillance of Antimicrobial Consumption) wurde das Problem der Resistenzentwicklung bereits frühzeitig erkannt.
Die derzeitigen Planungen stellen eine Ergänzung dazu dar, um alle bestehenden Aktivitäten zu bündeln, Synergien zu nutzen und bestehende Lücken rasch zu beseitigen. Ziel ist es, das österreichische Gesundheitssystem bestmöglich gegen die Bedrohungen durch resistente Keime zu rüsten.


Dr.in med Dr.in phil Reinhild Strauss, MSc,
III/1- Öffentlicher Gesundheitsdienst, Übertragbare Erkrankungen (Communicable Diseases), Seuchenbekämpfung, Antibiotikaresistenz/Krankenhaushygiene, Krisenmanagement (Leiterin)
Bundesministerium für Gesundheit, Radetzkystr. 2, 1030 Wien
Tel.: +43/1/71100-4367. Fax: +43/1/7134404-1628, Mobil: +43/664/1322163
Mail: reinhild.strauss@bmg.gv.at
http://www.bmg.gv.at

____________________________________________________________________________________________________

Direktmail zur Anforderung von

  • Pressetexten
  • ReferentInnenfotos
  • Illustrationsfotos
  • offizielles Aktionslogo der ECDC