"Antibiotikatag 2009"

Pressekonferenz des Nationalen Referenzzentrums für nosokomiale Infektionen und Antibiotika-Resistenz

24.9.2009

Presseclub Concordia, 1010 Wien, Bankgasse 8, www.concordia.at


„Antibiotika vernünftig einsetzen“ – OA Dr. Oskar Janata

„Antibiotika richtig einnehmen“ – Mag. pharm. Max Wellan

„Trendige Antibiotika und neue Initiativen“ - Univ. Doz. Dr. Petra Apfalter

„Die aktuelle Resistenzbedrohung“ – Univ. Prof. Dr. Helmut Mittermayer

„Resistenzvermeidungsstrategien in Österreich“ – GD Prof. Dr. H. Hrabcik

DIE KOMPLETTEN UNTERLAGEN auf C D-R, Illustrations- und Hintergrundmaterial sowie FOTOS DER REFERENTiNNEN  JEDERZEIT VERFÜGBAR 

Anforderung

Texte ff



Antibiotika vernünftig einsetzen

Antibiotika sind – allgemein gesprochen – Arzneimittel, die zur Behandlung bakteriell verursachter Erkrankungen dienen. Sie haben vor rund 50 Jahren die Medizin revolutioniert. Heute verfügen wir über eine Vielzahl von Substanzen, sind allerdings weltweit mit einer Reihe von Resistenzentwicklungen konfrontiert.

Die wichtigste Waffe gegen Resistenzentwicklungen ist der gezielte und wohl überlegte Einsatz dieser Medikamente. Denn neue Substanzen sind nur wenige in Sicht. Zunächst muss hier den niedergelassenen ÄrztInnen in Österreich in wichtiges Lob ausgesprochen werden. Antibiotika werden hierzulande beispielhaft restriktiv – also zurückhaltend – eingesetzt. Das belegen offizielle Daten. Wie gut die Compliance von Frau und Herrn Österreicher dann tatsächlich ist, kann mit Zahlen leider nicht belegt werden.

Es gilt aber die Tatsache, dass eine mit entsprechenden Informationen und Erklärungen begleitete Verordnung, die Compliance erheblich verbessert. In der Folge gehe ich von einem durchschnittlich gesunden Erwachsenen mittleren Alters aus. Nichts verloren haben Antibiotika da sicherlich im Bereich der saisonalen Infekte des Respirationstraktes. Sie sind durch Viren hervorgerufen und Antibiotika wären völlig wirkungslos, wenngleich diese Infekte durchaus ein Krankheitsbild hervorrufen können, dass gesteigerten Handlungsbedarf suggeriert. Auch bei leichten Formen der Mittelohr- oder der Nebenhöhlenentzündung gibt es eine hohe Selbstheilungstendenz, wenngleich hier bakterielle Erreger zugrunde liegen.

Nicht auf die Selbstheilung warten wird man bei sehr kleinen Kindern und alten Menschen, da diese Gruppen über ein geringer kompetentes Immunsystem verfügen, was zu schwereren und bedrohlichen Verläufen bakterieller Infekte führen kann Falls ein banaler Virusinfekt, der etwa 2-7 Tage dauert, sich während dieser Zeit nicht bessert oder gar eine Verschlimmerung auftritt bzw. neue Symptome wie eitriger Auswurf beim Husten, Stechen in der Brust, Ohrenschmerzen oder Schmerzen im Bereich der Nasennebenhöhlen (Stirne, Jochbein) hinzu, dann sollte daran gedacht werden, dass eine bakterielle Infektion hinzu gekommen sein könnte. Strikt abzulehnen sind Vergabekanäle wie Internet, freier Verkauf im Supermarkt und Ähnliches.

Weiters sollen keine Antibiotika „aufbewahrt“ und womöglich in der Familie „weitergegeben“ werden. Das kann zu kontraproduktiven Ergebnissen führen. Am Beginn jeder Antibiotikatherapie muss eine ausreichende ärztliche Untersuchung stehen. Ob diese Medikamente eingesetzt werden oder nicht, obliegt deren Ergebnis.

Dann sollte in der Regel die Therapie erfolgreich und die mögliche Resistenzentwicklung gering sein. Wobei Infektionen im oder aus dem Ausland ggf. ein aggressiveres Vorgehen nötig machen können.

OA Dr. Oskar Janata

Hygienebeauftragter, Donauspital, Langobardesntr. 122, 1220 Wien

 Tel.: (++43/1) 288 02; Fax.: (++43/1) 288 02 – 2050; E-Mail: oskar.janata@wienkav.art

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Antibiotika richtig einnehmen


Die Apotheken sind wichtige Informationsdrehkreuze der Bevölkerung, wenn es um die Gesundheit geht. Deshalb nehmen Österreichs ApothekerInnen bereits seit dem Vorjahr an den Aktivitäten zum europäischen Antibiotikatag teil. Zum Einen in Richtung der Verteilung von Informationsmaterial, zum Anderen halten spezielle Fortbildungsveranstaltungen unser Wissen auf dem neuesten Stand. Denn wir wollen ja gefragt werden und informieren gerne. Ein Angebot, von dem die Menschen gerne Gebrauch machen. Zunächst die gute Nachricht – generell haben wir den Eindruck, dass Frau und Herr Österreicher zu Antibiotika (AB) eine sehr vernünftige Einstellung haben. „Gelernt“ wurde in den letzten Jahren vielfach, dass alle Tabletten eine Packung zu nehmen sind. Noch immer allerdings gibt es die Fehlmeinung, AB würden den Heilungsprozess bei banalen Erkältungsinfekten beschleunigen. Das stimmt natürlich nicht, da es sich dabei um Virusinfekte handelt. Grundsätzlich muss der Verordnung eines AB eine gewissenhafte ärztliche Untersuchung voraus gehen. In Österreich ist die ärztliche Verordnung Voraussetzung für die Abgabe eines AB. Dazu besteht auch in der Bevölkerung weitgehend Konsensus. Probleme ergeben sich lediglich mit Gästen aus dem Ausland, denen dieses Prinzip nicht geläufig ist.


Seitens der Bevölkerung gibt es kein Problem hinsichtlich Generika. Dem ärztlichen Rat oder der Empfehlung des Apothekers wird vertraut. Auch, wenn ggf. ein verordnetes Präparat nicht vor Ort verfügbar ist und aufgrund des Akutsituation durch ein identes eines anderen Herstellers ersetzt wird. Schwierigkeiten bereitet den Menschen gelegentlich der „Start“ der Einnahme. Es ist wenig bekannt, dass eine hohe Erstdosis günstig ist. Wenn dann nach dem Artbesuch um 16.00h einer Dosierung von 2x1 Folge geleistet werden soll, dann „warten“ manche auf den nächsten Morgen, um korrekt einzunehmen, anstatt am ersten Tag die beiden Tabletten in kürzerem Zeitabstand einzunehmen. Hier ergibt sich oft gesteigerter Erklärungsbedarf, weil dieses Detail in der Aufregung der ärztlichen Konsultation vergessen wird, nachzufragen. Ein gesonderter Fall sind so genannte Trockensäfte. Das sind flüssige Antibiotika für Kind

er. Im Regelfall wird die Lösung vor der Abgabe ad hoc gebrauchsfertig zubereitet. Dann sind die korrekten Lagerungshinweise – Kühlschrank oder nicht – wichtig. Spezielle Erklärungen sind nötig, wenn das Präparat im Originärzustand als Prävention in den Urlaub mitgenommen wird, denn das regelrechte Zubereiten der Lösung erfordert spezielles Wissen, das dann weitergegeben werden muss.


Übersehen wird oft die Problematik des „Antibiotika-Babys“. Gelegentlich kommt es bei Einnahme von AB zu Durchfällen. Das vermindert drastisch die Sicherheit oraler Kontrazeptiva. Immer wieder sind dann ungewollte Schwangerschaften die Folge.


Mag. pharm Max Wellan,

Mitglied d. Präsidiums der Österr. Apothekerkammer, Vizepräsident der Landesgeschäftsstelle Wien

AT - 1090 Wien, Spitalgasse 31

T: +43 – 1- 408 8283; M: max.wellan@apotheker.or.at; www.apotheker.or.at

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Trendige Antibiotika & neue Substanzen


Zunächst gleich vorweg, es gibt eigentlich recht gute Nachrichten. Wenngleich wir im Bereich der extramuralen Medizin – und hier finden wir ja zunehmend die Resistenzen - leider ohne die immer erhofften Innovationen auskommen müssen, so sind wir im Bereich der Spitalsmedizin diesbezüglich deutlich besser versorgt.


Konkret handelt es sich bei den „neuen“ Antibiotika um Abwandlungen bekannter Substanzen oder in einem Fall um ein gänzlich neues Molekül. Als Beispiele können genannt werden Doripenem aus der Gruppe der Carbapeneme, Ceftobiprol als verwandt mit den Cefalosporinen oder Tigecyclin als Abkömmling des Doxicyclins oder auch Daptomycin. Allen diesen Substanzen gemeinsam ist, dass sie ausschließlich intravenös verabreicht werden können. Sie stehen also ausschließlich für die Behandlung von schwerstkranken Spitalspatienten oder von Problemkeimen Betroffenen zur Verfügung. Den HausärztInnen in der täglichen Praxis nutzen sie leider wenig.


Im niedergelassenen Bereich gilt es daher aus einem Pool von bereits vorhandenen, teils alter Substanzen, den „Trends“ entsprechend die geeignetsten Antibiotika für bestimmte Situationen auszuwählen. Die Trends sind dadurch begründet, dass aktuelle Resistenzdaten Auskunft darüber geben, gegen welche Substanzen es nur geringe Erregerresistenzen gibt und welche im Umkehrschluss für einige Zeit zurückhaltender eingesetzt werden sollten.


Hier gibt es eine Reihe „älterer“ Substanzen, die eine Art Renaissance erfahren wie Ampicillin, Doxicyclin, Minocyclin oder auch Makrolide. Aus der indikationsbezogenen Warte etwa der Harnwegsinfektion erscheint der Einsatz von Mecillinam oder auch Nitrofurantoin wieder zunehmend eine Option. Es ist als gleichsam ein „Nutzen-Roulette“, in dem Substanzen, gegen die es Resistenzen gibt, für einige Zeit durch andere ersetzt werden, bis die Bakterien nach einiger Zeit ihre spezifischen Resistenzfähigkeiten wieder abgelegt habe und damit erneut verwundbar sind.


Diese Dinge gilt es innerhalb der Ärzteschaft verstärkt zu kommunizieren, denn nur eine enge interdisziplinäre Kooperation führt dazu, dieses Wissen um die Resistenzen optimal für die PatientInnen einzusetzen.


Der Weg, der hier in Österreich und auch international beschritten wird, ist unter dem Schlagwort „Antibiotika-Stewardship“ (ABS) zusammengefasst und umfasst sämtliche Aspekte zur Thematik eines sorgsamen Umgangs und Einsatzes von Antibiotika. Zum Thema Antibiotic Stewardship ist in Österreich die ABS-Group seit mehr als einem Jahrzehnt aktiv. In ihren Programmen vermittelt sie Wissen rund um den Einsatz von Antibiotika. Wissen wird erweitert, vertieft und vor alle auf den neuesten Stand gebracht. Bisher gab es diese Art des Zusatztrainings nur für den Krankenhausbereich. Noch 2009 soll ein erster Probeballon für ein standardisiertes Fortbildungs-Programm im Bereich der niedergelassenen praktischen Ärzte beginnen. Nicht zuletzt deshalb, weil sie in bezug auf den gezielten Einsatz der „richtigen“ - also der dem aktuellen Trend entsprechenden - Substanzen und damit für eine Hintanhaltung von Resistenzen eine Schlüsselposition einnehmen.

Univ. Doz.in Dr.in Petra Apfalter

Institut für Hygiene, Mikrobiologie und Tropenmedizin KH der Elisabethinen Linz GmbH und analyse BioLab GmbH; www.analyse.eu Ein Unternehmen von Elisabethinen Linz, MBB Biolab GmbH und AGES - mikrobiologie.infektiologie.diagnose+ A-4020 Linz, Eisenhandstrasse 4-6

 Tel.:+43 (0) 732-781991–280, Fax:+43 (0)732-781991–30, mobil: +43 (0)699-1298 0991,

Mail: petra.apfalter@analyse.eu

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Akute Resistenzbedrohung in Österreich?


Grundsätzlich sei hier vorausgeschickt, dass sich die folgenden Resistenzdaten auf so genannte invasive, also schwere oft lebensbedrohende Infektionen beziehen, wie beispielsweise Lungenentzündung, Bauchfellentzündung, Gehirnhautentzündung oder Nierenbeckenentzündung. Die Erreger verteilen sich im Blut (Bakteriämie) und befallen ein oder mehrere Organe.


Beginnen wir mit der guten Nachricht! Kaum nennenswerte Resistenzen gibt es bei Pneumokokken, den gefährlichsten Pneumonie-Erregern. Penicillin und verwandte Substanzen sind in der Regel nach wie vor gut wirksam. Resistenzen gegen Makrolidantibiotika sind vorhanden, aber gering.


Anders die Lage bei zwei Substanzgruppen, die uns schon seit mehreren Jahren Sorge bereiten und deren Situation sich leider nicht nachhaltig verbessert hat. Das sind die Chinolone – in der Praxis wird überwiegend Ciprofloxacin verwendet – sowie die Cefalosporine der 3. Generation, die für die Praxis als orale Antibiotika Cefixim und Cefpodoxim zur Verfügung stehen.


Bei den Chinolonen ist die Resistenzrate bei E. coli seit 2001 von 7% auf jetzt 28% angestiegen, das heißt mehr als ein Viertel der schweren E. coli Infektionen im Krankenhaus können nicht mehr mit dieser wichtigen Substanzgruppe behandelt werden. Ursache für den Resistenzanstieg ist ohne Zweifel der Selektionsdruck durch Ciprofloxacin, das seit seiner Verfügbarkeit als Generikum aufgrund der damit verbundenen Preissenkung einen beträchtlichen Anstieg der Verschreibungen erfahren hat. Obwohl wir immer wieder auf diese problematische Situation hinweisen, konnte bisher keine nachhaltige Änderung der Verschreibung dieser Substanz erzielt werden.


Der zweite Problemfall sind die erwähnten 3. Generations-Cefalosporine. Auch sie sind als Generika verfügbar. Obwohl Österreich hinsichtlich der allgemeinen Verordnungshäufigkeit von Antibiotika grundsätzlich recht gut im unteren Drittel der Europäischen Länder positioniert ist, sind wir bei dieser Substanzklasse gemeinsam mit Frankreich und Italien „Europameister“. Auch hier ist dringlich Handlungsbedarf gegeben. Ein zusätzliches Problem ist, dass es zwischen diesen Substanzgruppen häufig zu Kreuzresistenzen kommt, das heißt Resistenz gegen die eine Substanz bedingt eine Resistenz gegen die andere, was die Behandlungsmöglichkeiten empfindlich einschränkt. Wir sehen auch starke saisonale Schwankungen in der Häufigkeit der Antibiotikaverordnung mit Spitzen in der „Erkältungssaison“. Das lässt auf eine häufige Verschreibung bei oberen Atemwegsinfektionen schließen. Diese werden ganz überwiegend durch Viren verursacht, Antibiotika sind damit unwirksam. Ein weiterer Grund für einen Resistenzdruck, dem in diesem Fall keinerlei klinischer Nutzen gegenüber steht. Natürlich kann es im Verlauf von viralen Infekte gelegentlich zu bakteriellen Superinfektionen kommen, doch das rechtfertigt den starken saisonalen Anstieg der Verordnungen nicht.

Prim. Univ. Prof. Dr. Helmut Mittermayer

Nationales Referenzzentrum für nosokomiale Infektionen und Antibiotikaresistenz Krankenhaus der Elisabethinen, 4010 Linz, Fadingerstr. 1

Tel.: 0732 - 7676 – 3680, Fax: 0732 - 7676 – 3686,

E- Mail: office-ihmt@elisabethinen.or.at

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