PRESSEINFO – 24.2.2009 – no embargo
Schwerpunkt: Bakterielle Vaginose
„Oft wären Verhaltensänderungen notwendig!“
Graz. (IMC, DrWAS) In Österreich leider unterrepräsentiert ist die Jugend-Gynäkologie. Eine der wenigen ausgewiesenen ExpertInnen ist die Frauenärztin Dr. Monika Schaffer in Graz. Sie war die erste GynäkologIn überhaupt in Österreich, die nach den Standards der „Internationalen Gesellschaft für Kinder-& Jugendgynäkologie“ (www.figij.org) eine entsprechende Zusatzqualifikation erwarb. Exakt die richtige Gesprächspartnerin, wenn es um die „Bakterielle Vaginose bei jungen Frauen“ geht.
IMC: Man sagt, dass das Problem Bakterielle Vaginose mit der Geschlechtsreife auftreten kann. Wie aber ist das bei Mädchen und jungen Frauen? Stellt sie da ein besonderes Problem dar?
Dr. Schaffer: Bakterielle Vaginose ist nicht ein Problem des Alters sondern ein Problem des Scheidenmilieus. Erst durch die Pubertät (Östrogenanstieg) kommt es zur Bildung von Glykogen in der Scheide das zu Zucker abgebaut und dann zu Milchsäure (ph-4) vergoren wird. Das saure Milieu ist die Voraussetzung für das Vorhandensein der Döderlein-Bakterien, die die Vergärung der Zucker zu Milchsäure fermentativ beeinflussen. Durch äußere Einflusse kann es zu einer Verdrängung der physiologischen Döderlein-Flora, damit zu einer ph-Wert Erhöhung, einer Zunahme charakteristischer Bakterien und Veränderung des Scheidenausflusses kommen. Meist ist dies mit einem unangenehmen Geruch verbunden. Und - Die Bakterielle Vaginose ist keine „Geschlechtskrankheit“ .Die Bakterien finden sich auch bei Frauen die noch nie Geschlechtverkehr hatten. Hier in einer Konzentration von höchstens 105 / ml Vaginalsekret, bei der bakteriellen Vaginose jedoch von über 107 / ml Vaginalsekret (also um das Hundertfache erhöht)
IMC: Was ist die Ursache, wenn nicht Geschlechtsverkehr?
Dr. Schaffer: Die genaue Ursache ist nicht bekannt. Warum es zur Abnahme der Laktobazillen kommt, ob sie mutieren oder ob sie „krank“ werden ist nicht genau bekannt. Geschlechtsverkehr ist nicht die primäre Ursache, aber durch vermehrten Geschlechtsverkehr kann sich das Scheidenmilieu so verschieben (der männliche Samen hat einen ph-Wert von 7,0-7,8), dass die Gardnerella überhand nehmen kann.
Stress ist ein signifikanter Risikofaktor für das vermehrte Auftreten einer bakteriellen Vaginose, sowie Abwehrschwäche bzw. falsche oder übertriebene Hygiene. Die Rasur der Schamhaare ist heute sehr in Mode. Ca. 70% der jungen Mädchen rasieren sich ab und zu. 20% fast täglich. Die Schamhaare haben Barriere-Schutzfunktion. Durch die Rasur per se kommt es zu einer Vielzahl von Irritationen. Auf der frei gelegten, sehr empfindlichen Haut wirken Slip und Vorlage, enge Hosen geradezu wie ein „Reibeisen“, um das bildlich auszudrücken. Die Folge ist ein deutliches Mehr an Infektionen. Der „Wasch- und Hygienezwang“ nimmt leider heutzutage immerweiter überhand. Eine Vielzahl von so genannten Intimhygiene-Produkten wird den jungen Frauen von der Kosmetikindustrie nahezu aufgedrängt. Viele Firmen machen sich das „Leitbild“ zunutze, man müsste an allen Stellen des Körpers gut riechen. Daher wird gewaschen und mit Lotionen gespült, dass es für die Kosmetikindustrie sicherlich eine Freude ist.
Weniger erfreulich ist das alles freilich aus frauenärztlicher Sicht, denn alle diese Fehlverhalten führen zu jener Störung des vaginalen Ökogleichgewichts, die letztlich die Grundlage für die Entwicklung einer bakteriellen Vaginose ist. Die natürliche bakterielle Balance kippt durch die pH-Verschiebung über pH 4,5 und schon sind die bekannten Symptome da. Dazu kann es schon im Rahmen einer besonders starken bzw. langen Monatsblutung kommen.
IMC: Wie einfach oder kompliziert ist da aber dann die Behandlung?
Dr. Schaffer: Vom Prinzip her ist die Therapie klar. Das vaginale Ökosystem muss wieder ins Lot gebracht werden. Bei sehr starker Ausprägung oder klarer bakterieller Superinfektion sind Antibiotika die Therapie der Wahl, bei leichteren Formen versucht man eine Verbesserung der Vaginalflora durch Substitution der Laktobazillen oder durch Senkung des PH-Wertes. In einzelnen Fällen Ist auch eine Impfung möglich, die aber nur über die internationale Apotheke erhältlich ist.
IMC: Und wie erfolgreich ist die Behandlung?
Dr. Schaffer: Die Therapie ist einfach. Nach Wiederherstellung des Gleichgewichtes, ist die Frau beschwerdefrei. Problematisch ist die Beständigkeit im Fehlverhalten. Das führt zur immer wiederkehrenden Störung des vaginalen Ökosystems und damit zur Bakteriellen Vaginose.
IMC: Also eine Art Teufelskreis?
Dr. Schaffer: Ja, so könnte man es ausdrücken. Wenn sich die permanente Störung des vaginalen Milieus nicht endet, ist die Wiederkehr der Bakteriellen Vaginose vorprogrammiert – So einfach ist das!
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Kontakt:

Drin. Monika Schaffer
FA f. Frauenheilkunde, Geburtshilfe & Kinder- u- Jugendgynäkologie (internationales Diplom)
8044 Graz, Mariatrosterstr. 243
T: 0316 / 38 61 20, F: 0316 / 38 61 20-4
E-Mail: monika.schaffer@dihuber.at
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