PRESSEINFO – 10.2.2009
Schwerpunkt: Bakterielle Vaginose
„Wider besseres Wissen nicht im Mutter-Kind-Pass!“
Wien. (IMC, DrWAS) Auch der Präsident des BÖG (Berufsverband Österreichischer GynäkologInnen), Dr. Michael Elnekheli aus Wien bezeichnet die Bakterielle Vaginose als einen der häufigsten Konsultationsgründe für den Besuch in der Gynäkologischen Praxis. Frauen, die mit den charakteristischen Symptomen (v.a. typischer Geruch, schaumiger, gelblicher Ausflussn konfrontiert sind, erschrecken häufig und halten das für das Zeichen einer Geschlechtskrankheit. Hier beruhigt Dr. Elnekheli, betont aber das Risiko einer Adnexitis und die besondere Bedeutung in der Schwangerschaft.
Die Bakterielle Vaginose ist ein Überwuchern anaerober Keime - Gardnerella Spezies - der eine Veränderung des Scheidenmilieus vorangeht. Damit meint die Medizin den pH-Wert in der Scheide. Er beträgt bei gesunden Frauen 4 max. 4,5. Steigt er an, verändert sich das Milieu und die Gardnerella-Keime geraten außer Kontrolle. Sie vermehren sich rasant. Behandelt wird derzeit, sobald Symptome auftreten, da die Infektion über die Eileiter auch in die Eierstöcke aufsteigen könnte. Dann spricht man von einer Adnexitis: Falsch oder unbehandelt kann diese zu Verklebungen der Eileiter und damit zu ungewollter Kinderlosigkeit führen.
IMC: Der richtige pH-Wert hält das Wachstum der Gardnerella-Keime unter Kontrolle. Wodurch kommt es nun zu den krankheitsauslösenden Veränderungen im Scheidenmilieu?
Dr. Elnekheli: Wir kennen weniger gut definierbare Gründe wie Stress und Hormonschwankungen, aber auch solche die wir gut nachvollziehen können wie etwa eine neue Partnerschaft, mit entsprechend mehr sexueller Aktivität. Die alkalische Samenflüssigkeit erhöht den pH-Wert und kann so zu einer Bakteriellen Vaginose führen.
IMC: Gibt es eine Neigung, eine Disposition, an Bakterieller Vaginose zu erkranken?
Dr. Elnekheli: So etwas gibt es durchaus. Während ein Teil der Frauen selten oder nie an Bakterieller Vaginose leidet, kommt ein anderer Teil immer wieder. Hier muss man nachdrücklich und dauerhaft behandeln, denn der Leidensdruck ist doch erheblich.
IMC: Kennen Sie eine altersmäßige Häufung dieser Erkrankung?
Dr. Elnekheli: Nein, die Bakterielle Vaginose kann mit Einsetzen der Geschlechtsreife auftreten. Meist geht ihr bei den jungen Frauen ein erster Sexualkontakt voraus. Gelegentlich ist der Nachweis von Gardnerella aber auch ein Zufallsbefund, wenn ein Vaginalabstrich mit Kultur gemacht wird oder im Rahmen einer mikroskopischen Untersuchung typische Zeichen gesehen werden.
IMC: Ist einer Bakterielle Vaginose gefährlich?
Dr. Elnekheli: In der Regel ist sie als solche nicht gefährlich. Allerdings - bei der nicht schwangeren Frau kann die Infektion bei Nicht-Behandlung aufsteigen und über eine Adnexitis zur Verklebung der Eileiter und damit zur Kinderlosigkeit führen.
Wesentlich wichtiger ist aber in diesem Zusammenhang das Thema Schwangerschaft, denn es gibt zahlreiche Studien, die klar beweisen, dass die Bakterielle Vagionse für einen erheblichen Teil der Frühgeburten verantwortlich ist. Darüber besteht heute absolut kein Zweifel mehr.
IMC: Das heißt, es wird im Rahmen des Mutter-Kind-Passes jede Schwangeren darauf hin untersucht?
Dr. Elnekheli: Leider nein, weil ein Screening wider besseres Wissen im MKP nicht vorgesehen ist und in einem kurativen Krankenkassensystem keine Kostenübernahme für ein generelles Screening erfolgt.
IMC: Und warum nicht?
Dr. Elnekheli: Weil nicht wir GynäkologInnen den Mutter-Kind-Pass machen, sondern die Politik. Es mangelt hier keinesfalls an wissenschaftlichen Grundlagen. Auch international existieren die Empfehlungen für ein nachhaltiges Screening längst. Leider gilt diese Aktualitätsschwäche beim Mutter-Kind-Pass nicht nur für diese Untersuchung, sondern auch für andere.
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Hintergrund:
BÖG = Berufsverband Österreichische GynäkologInnen
Kontakt:
Präs. Dr. Michael Elnekheli
FA f. Gynäkologie
Präsident des Berufsverbandes Österr. GynäkologInnen
1160 Wien, Thaliastr. 102/3/7, Telefon: 0043/1/481 21 21
Mail: michael.elnekheli@web.de
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