PRESSEINFO – 28.1.2009 – no embargo
Schwerpunkt: Bakterielle Vaginose
Vaginale Infektionen & Behandlungsprobleme
Charakteristischer Ausfluss, Brennen, Rötung, leichte Schmerzen und ein unangenehmer Geruch – das sind Symptome die jede Frau kennt. Während Juckreiz eher auf eine Pilzinfektion hinweist, deuten die genannten Symptome darauf hin, dass es sich um eine so genannte bakterielle Vaginose – ein übermäßiges Wachstum anaerober Bakterien handelt. Wir wollten von Prof. Egarter wissen, was hier zu Problemen in der Behandlung führen kann.
IMC: Sehen Sie die Bakterielle Vaginose häufig in der Praxis?
Prof. Egarter: Ich möchte fast sagen, sehr häufig! Mit Sicherheit ist es eine der häufigsten Problemstellungen mit denen Frauen eine gynäkologische Ordination aufsuchen. Im gebärfähigen Alter ist das die häufigste vaginale Beschwerde überhaupt, etwa doppelt so häufig wie ein Scheidenpilz.
IMC: Handelt es sich hier um einmalige Infektionen, die leicht zu behandeln sind oder besteht eine Neigung zur Chronifizierung?
Prof. Egarter: Das kann von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein. Immer wieder kommen Frauen, die tatsächlich so etwas wie eine chronische bakterielle Vaginose aufweisen. Hier genügt dann nicht ein einmaliger Behandlungszyklus, sondern eine mehrwöchige, unter Umständen sogar mehrmonatige Therapie ist nötig.
IMC: Die rascheste Assoziation zu bakteriellen Infekten ist die Gabe von Antibiotika wie etwa Clindamycin. Wann ist ein Antibiotikum tatsächlich indiziert?
Prof. Egarter: Die Antwort ist sehr einfach. Immer dann, wenn nachweislich Clindamycin empfindliche Erreger vorliegen. Allerdings gibt es viele Frauen, die die Antibiotikagabe ablehnen. Und dieses Verhalten ist nicht unbegründet, weil es im Rahmen der Antibiotikatherapie häufig zu Pilzinfektionen kommt. Rezidive – also das Wiederauftreten der Infektion - sind ebenfalls nicht selten, sodass man hier nicht einfach ohne Ende Antibiotika verordnen kann.
IMC: Es gibt ja auch eine Reihe anderer Möglichkeiten zur Lokaltherapie, etwa Milchsäurepräparate, Kombinationen mit Ascorbinsäure, Kombinationen von Lactobazillen mit Östrogen oder Präparate mit Döderleinbakterien. Das alles wirkt ein wenig inhomogen und lässt den Verdacht aufkommen, dass hier recht unterschiedliche Ansätze Anwendung finden. Mit Erfolg?
Prof. Egarter: Das Grundproblem ist die medizinische Datenlage. Die Kombination von Laktobazillen mit Östriol wurde beispielsweise in einer guten, sauberen Studie an fertilen Frauen untersucht. Wenn nach einer antibiotischen Behandlung einer bakteriellen Vaginose nachfolgend diese Kombination gegeben wird, ist das Rezidiv-Risiko viel niedriger. Bei den meisten anderen Präparaten fehlen seriöse Studiendaten. Wissenschaftlich gesehen ist das eigentlich ein Missstand.
IMC: Relativ neu ist die Anwendung von Ascorbinsäure, also Vitamin C. Gibt es dafür ein Rational. In der natürlichen Scheidenflora findet sich ja auch kein angereichertes Vitamin C.
Prof. Egarter: Tatsächlich fehlen hier entsprechende Daten und viele Frauen klagen darüber, dass die Anwendung von Vitamin C ein unangenehmes Brennen verursacht. Immerhin handelt es sich chemisch gesehen um eine Säure . . . .
IMC: Immer wieder werden Laktose-, also Milchsäure-Präparate angewendet . . .
Prof. Egarter: Allerdings setzen sich immer wieder angebotene Präparate nicht durch, weil es keine Studiendaten gibt. Daher sind wir vielfach auf unsere persönliche Erfahrung beschränkt. Eine bessere Dokumentation der Wirksamkeit dieser Präparate wäre wichtig. Insbesondere in der Zeit der „Evidence Based Medicine“ ist das eine wichtige Forderung, auch, wenn das eigentlich Medizinprodukte sind, bei denen man nicht ganz so streng sein muss. Aber ganz ohne Daten tun wir uns medizinisch definitiv schwer.
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Hintergrund:
ESIDOG – steht für European Society for Infectious Diseases in Obstetrics & Gynecology / Europäische Gesellschaft für Infektionserkrankungen in Geburtshilfe und Gynäkologie. Präsident der ESIDOG Austria ist Univ. Prof. Dr. Herbert Kiss, 1. Vizepräsident Univ. Prof. Dr. Christian Egarter, 2. Vizepräsident Univ. Prof. Dr. Sepp Leodolter.
Info-Links: International: www.esidog.com, National: www.univie.ac.at/esidog
Informations-Pressekonferenz: 19.3.2009, ORF-Funkhaus, Wien
Kontakt:

Univ. Prof. Dr. Christian Egarter
1. Vize-Präsident der Österr. Kommission der ESIDOG
(European Society for Infectious Diseases in Obstetrics and Gynaecology)
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