PRESSEINFO – 11.2.2009 – no embargo




Schwerpunkt: Bakterielle Vaginose

„Sind auch reifere Frauen betroffen?“

Bregenz. (IMC, DrWAS) „Die Baktierelle Vaginose ist nicht nur die häufigste vaginale Beschwerde in der gynäkologischen Praxis, sondern die häufigste gynäkologische Beschwerde überhaupt, wenn Frauen nicht nur zu Vorsorgeuntersuchung eine frauenärztliche Ordination aufsuchen!“, so der Chef der Abteilung für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am LKH Bregenz, Prim. Dr. Hans Concin. „Das Interessante dabei ist, dass es vor 30 Jahren dieses Erkrankungsbild kaum gab!“ Behandelt wird symptomatisch, weil man die Ursachen – den exakten Pathomechanismus - nicht kennt. In der Eigenbehandlung der Frauen passieren massive und folgenschwere Fehler, weil es „..zur Bakteriellen Vaginose so gut wie kein Bewusstsein in der Öffentlichkeit gibt“, so Concin weiter. MedCommunications ging im Interview diesem „Import-Phänomen“ aus den USA auf den Grund.

IMC: Stimmt es, dass es vor drei Jahrzehnten die Bakterielle Vaginose noch nicht gab? Wie soll man das verstehen?

Prim Concin: Das ist in etwa richtig. Die Bakterielle Vaginose entwickelte sich vor ca. 40 Jahren in den USA und erreichte vor 30 Jahren Europa. Davor war das Problem bei uns zumindest in diesem Ausmaß so gut wie unbekannt. Seither steigen die Zahlen der betroffenen Frauen ständig. – Und wir wissen nicht, warum.

IMC: Hat es während dieses Zeitraumes vielleicht noch andere Veränderungen hinsichtlich der Häufigkeit gynäkologischer Infektionen gegeben?

Prim Concin: Ja, absolut! Vor rund 25 Jahren waren Pilzinfektionen etwa doppelt so häufig wie die Bakterielle Vaginose. Heute ist es umgekehrt. Aber in den Köpfen der Öffentlichkeit wurde dieser Wechsel noch nicht mitvollzogen. Das hat entsprechende Folgen. Die erste Assoziation der Symptome Brennen und Juckreiz heißt somit Scheidenpilz. Der Weg führt in die nächste Apotheke, wo eine nachvollziehbar mitleidsgetragene Abgabe eines Antimykotikums erfolgt-. Da Pilzmittel auch bei Bakterieller Vaginose kurzfristig zu einer leichten Besserung führen, fühlt sich die Frau bestätigt und behandelt oft wochenlang weiter. Allerdings schließlich frustran und erst dann folgt der Weg in die Ordination.“

IMC: Und wie geht es in der Ordination dann weiter?

Prim Concin: Je nach Wissensstand der Kollegin bzw. des Kollegen. Unser Grundproblem ist, dass wir in Wahrheit nur ein Symptom behandeln. Sei es, die Imbalance des Scheidenmilieus in den basischen Bereich oder dessen bakterielle Folgen mit Überwuchern der Lactobacillen mit oder ohne Superinfektion durch andere Keime. Rezidive sind zweifellos sehr häufig und daraus resultieren überschießende Therapieversuche, die gegebenenfalls sogar mehr schaden als nützen können. Dazu gehört in typischer Weise die systemische Behandlung mit Antibiotika, bei der eine vermeintlich rigorose Ausrottung der schuldigen Keime nicht nur zur Zerstörung der physiologischen Bakterienflora, sondern auch zu Bakterien-Resistenzen führt. Dann beginnt ein Teufelskreis der wiederkehrenden Erkrankung mit Folgen bis hin zur Neurotisierung. Die Bakterielle Vaginose geht einher mit einer extremen Verschlechterung der Lebensqualität und das zermürbt, wenn eine Chronifizierung auftritt.

IMC: Wenn Sie sich das Alter der Betroffenen vergegenwärtigen. Welche Verteilung stellen sie fest?

Prim Concin: Zweifellos einen massiven Gipfel in der Altersgruppe 30.-40. Lebensjahr. Davor einen allmählichen Anstieg, danach einen relativ steilen Abfall. Nach dem 50. Lebensjahr wird dieses Krankheitsbild deutlich seltener.

IMC: Also mit der Monatsblutung ist die Frau auch die Bakterielle Vaginose los? Und das trotz Hormonersatztherapie?

Prim Concin: Nicht ganz, denn ich sagte nicht, die bakterielle Vaginose verschwindet, sondern sie wird deutlich seltener. Der Hormonersatz hat kaum Einfluss, da die angewendeten Hormondosen weit unter jenen physiologischen Hormonspiegeln liegen, die wir bei einer fertilen Frau natürlicher Weise vorfinden.

IMC: Das klingt nun allerdings nach einem engen Kontext mit der sexuellen Aktivität. Gibt es den?

Prim Concin: Sexuelle Aktivität spielt sicher ein gewisse Rolle, aber das wäre zu billig, denn auch nachweislich sexuell inaktive bekommen Bakterielle Vaginose. Tatsächlich wissen wir über den Hintergrund nichts. Der exakte Erkrankungsmechanismus liegt im Dunkel. Wir verfolgen das Geschehen erst mit dem Auftreten des Kippens im Scheidenmilieu von sauer nach basisch. Dort frühestens können und sollen wir derzeit therapeutisch einhaken. Mehr Möglichkeiten haben wir nicht, aber aus verschiedenen Gründen werden selbst die nicht ausreichend genutzt. Und trotz der klaren Stärken der Frauenheilkunde in der Vorsorgemedizin spielt in diesem Zusammenhang die Prophylaxe derzeit keine Rolle.

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Kontakt:



Prim. Dr. Hans Concin

Leiter des Wissenschaftlichen Beirates im aks des Landes Vorarlberg

Vorst. der Abteilung f. Frauenheilkunde & Geburtshilfe, LKH Bregenz

6900 Bregenz, C.-Pedenz-Str. 2

Tel+43 (0)5574 – 401 – 6301

Fax+43 (0)5574 – 401 – 8935

E-Mail: hans.concin@lkhb.at




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